Der SWR war mächtig stolz auf die kleine Dokuserie. Drei Folgen widmete der Sender der Sängerin Vanessa Mai, gezeigt in der Mediathek, auf Youtube und spätnachts sogar im Ersten. Seit 2018 hätten die Filmemacher die Backnangerin begleitet, „hautnah, unmittelbar, extrem persönlich“. Es ging um den Aufstieg der heute 30-Jährigen, um ihre spätere Krise und darum, wie sie sich neu erfunden habe. Miterleben durften die Zuschauer etwa ihre Rebellion gegen die Inszenierungen des Showbusiness: Nie wieder wolle sie sich zu künstlichen Tränen drängen lassen.
Wenn Freunde zugleich Dokufilmer sind
Nun gibt es zu der Miniserie (Titel: „MAI time is now“) einen skeptischen Nachhall. Entstanden sei eher ein „Imagefilm“, monierte das Portal „Übermedien“, gedreht von zwei engen Gefährten der Sängerin; offengelegt werde dies freilich nicht. Kritische Distanz fehle, der SWR mache sich zum „Promo-Sender“ von Vanessa Mai. Auch sonst bietet er ihr manche Bühne – mit einem „Laufband-Talk“ auf Youtube („On MAI way“), einem Musikformat („Not MAI Show“) oder einem großen Interview in der „Landesschau“.
Sängerin soll junge Zielgruppen anlocken
Lässt sich der SWR also willig für PR-Zwecke einspannen? Übertreibt er es mit der MAI-Mania? Es sei „kein Investigativformat“, sagt eine Sprecherin, sondern eine Kombination von privat gedrehtem Material mit neuen Bildern. Mit dem Manager Mais habe man sich abgestimmt, um korrekte Zusammenhänge zu gewährleisten. Die redaktionelle Hoheit habe „jederzeit beim SWR“ gelegen. Zudem nutze die Sängerin auch dem Sender: Man wolle verstärkt jüngere Zielgruppen erreichen, die bisher wenig mit den Öffentlich-Rechtlichen anfingen. Mit Mai habe man im Sendegebiet eine Protagonistin, „die in diesen Zielgruppen hohes Identifikationspotenzial bietet“. Schließlich habe der SWR auch einen Unterhaltungsauftrag.