Szenario Region Stuttgart So würde sich die Klimakrise hier auswirken

Der Verkehr ist laut der Europäischen Umweltagentur für fast 30 Prozent der gesamten Kohlendioxid-Emissionen der EU verantwortlich. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Unwetter, Starkregen, Hitze: Die Klimakrise hat längst begonnen. Nun haben Forscher ermittelt, wie sich das im Laufe dieses Jahrhunderts auswirken könnte – auch in der Region Stuttgart.

Klima und Nachhaltigkeit: Julia Bosch (jub)

Region Stuttgart - Nicht in einem einzigen Landkreis in Deutschland würde alles beim Alten bleiben, falls sich die Treibhausgasemissionen weiterhin auf gleichem Level bewegen oder noch weiter steigen. Das hat eine Untersuchung ergeben von Forschern des Climate Service Center Germany (GERICS), einer Einrichtung des Helmholtz-Zentrums Hereon. Die Wissenschaftler haben 401 Klimaausblicke für Deutschland entwickelt. In der Regel gibt es einen Ausblick pro Landkreis. Nur wenn diese weniger als 400 Quadratkilometer Fläche haben, werden sie mit allen angrenzenden Landkreisen zu einer Region zusammengefasst – das ist etwa bei Stuttgart der Fall.

 

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Aufgeteilt haben die Forscher ihre Ergebnisse in 17 Bereiche, darunter Temperatur, Hitzetage, Trockentage, Windgeschwindigkeit und Starkregentage. Die Ausblicke für die Landkreise entstanden, weil ursprünglich das Umweltministerium Brandenburg an einem solchen Faktendokument Interesse signalisiert habe, sagt Diana Rechid, eine der Autorinnen der Klimaausblicke. Daraufhin habe man zunächst für alle Bundesländer und dann sogar für die Landkreise entsprechende Dokumente erstellt.

Welche Gegenden sind vom Klimawandel besonders stark betroffen?

Generell wird es überall wärmer. Allerdings gibt es laut den Forschern einige Unterschiede. So droht die Anzahl heißer Tage vor allem dort zuzunehmen, wo es bereits heute vergleichsweise warm ist, also in niedrig gelegenen Gebieten in Süddeutschland wie dem Rheintal und dem Inntal. In großen Teilen Ostdeutschlands, wo es bereits heute vergleichsweise geringe Niederschläge gibt, könnte es noch trockener werden. Zudem, so resümieren die Forscher, wären bei zunehmendem Klimawandel die größten Veränderungen der Niederschläge im Westen und Süden Deutschlands zu sehen. Und die Zunahme an Starkregentagen würde alle Landkreise betreffen – auch jene, in denen solche Ereignisse bisher selten waren und daher auch die Infrastruktur möglicherweise noch nicht darauf ausgelegt ist.

Wie wird das berechnet?

Die Klimaausblicke basieren auf Daten des Deutschen Wetterdienstes und Zukunftsprojektionen regionaler Klimamodelle. Die Ergebnisse globaler Modelle wurden mit unterschiedlichen regionalen Modellen quasi verfeinert. Die Forscher haben aus den mehr als 50 verschiedenen Simulationen insgesamt drei Ausblicke erstellt, wie sich das Klima im Verlauf dieses Jahrhunderts weiterentwickeln könnte.

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Die kalkulierten Werte lassen deshalb so großen Spielraum zu, weil in den drei Szenarien zunächst berechnet wurde, was passiert, wenn kein wirksamer Klimaschutz greift, wenn also die Treibhausgasemissionen weiter kontinuierlich ansteigen und sich dann auf einem sehr hohen Niveau zum Ende des 21. Jahrhunderts stabilisieren. Ein mittleres Szenario zeigt die Ergebnisse für den Fall, dass die Emissionen bis zur Mitte dieses Jahrhunderts weiter ansteigen und danach sinken. Und das ambitionierteste Szenario ergibt sich aus so viel Klimaschutz, dass es zum Ende dieses Jahrhunderts sogar „negative Emissionen“ gäbe, also eine Netto-Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre.

Wie würde sich die Temperatur in der Region Stuttgart verändern?

Je nachdem wie viele wirksame Klimaschutzmaßnahmen umgesetzt werden, könnte sich die Temperatur in der Region Stuttgart je nach Simulation für die Jahre 2036 bis 2065 um zwischen 0,4 Grad und 3,2 Grad erhöhen im Vergleich zu den Jahren 1971 bis 2000, die als Referenzperiode herangezogen wurden. In den Jahren von 2069 bis 2098 würde sich die Temperatur um mindestens 0,5 Grad bis hin zu 5,4 Grad erhöhen.

Was könnte das für Auswirkungen auf Sommer und Winter haben?

Es könnte zwischen 2036 und 2065 zwei bis 45 Tage mehr mit Temperaturen von mehr als 25 Grad geben. Die heißen Tage mit einer Temperatur von mehr als 30 Grad könnten in etwa gleich bleiben – oder um 30 Tage zunehmen im Vergleich zu den Jahren 1971 bis 2000. Zwischen 2069 und 2098 erwarten die Forscher zwischen zwei und 79 Sommertage mehr und zwischen gleich vielen heißen Tagen bis zu 65 zusätzliche. Zugleich würde die Anzahl der Frosttage zwischen 2036 und 2065 um bis zu 47 Tage sinken, zwischen 2069 und 2098 sogar um bis zu 84.

Wie könnte sich die Niederschlagsmenge verändern?

Zwischen 2036 und 2065 könnten Tage mit viel Regen, also einem Niederschlag von mehr als 20 Millimeter pro Tag, je nach Modell etwa gleich bleiben oder um bis zu drei Tage im Jahr zunehmen. Zwischen 2068 und 2098 könnte es sogar mehr als fünf Tage mehr mit starkem Regen pro Jahr geben, als dies zwischen 1971 und 2000 der Fall war.

Gäbe es Unterschiede in der Region Stuttgart?

Ja, es gibt geringe Unterschiede zwischen den Landkreisen, allerdings spielen sich diese im Kommabereich ab. Diese sollte man nicht überbewerten, sagt Diana Rechid, eine Autorin der Klimaausblicke. Geringe lokale Unterschiede könnten mit der Versiegelung zu tun haben, also mit der stärkeren Bebauung in Städten im Vergleich zum ländlichen Raum. So würde man beispielsweise in Hamburg auch künftig wohl öfter die 30-Grad-Marke überschreiten als im Hamburger Umland. Klar sei, dass es überall wärmer wird, die Anzahl von schwülen Tagen steigt und das Potenzial für Starkregen zunimmt. „Diese Ausblicke sind immer wieder schockierend“, sagt Diana Rechid.

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