Der Verein Bahnprojekt Stuttgart–Ulm hat wieder zur offenen Baustelle geladen: Bis Ostermontag können Interessierte hinter die Kulissen des Projekts Stuttgart 21 schauen – voraussichtlich zum letzten Mal in diesem Umfang.

„Gerade mal 25 Minuten auf – und schon 2000 Menschen!“ David Bösinger, Pressestellenleiter des Infoturm Stuttgart (IST) alias Verein Bahnprojekt Stuttgart–Ulm e.V., freut sich. Es ist viel los beim Tag der offenen Baustellen, Alt und Jung, Familien und Freundeskreise aller Art aus Stuttgart und der Region sammeln sich rund um den Arnulf-Klett-Platz, um gemeinsam hinter die Kulissen des Projekts Stuttgart 21 zu schauen. „In diesem Umfang kann die Baustelle voraussichtlich nur noch an diesem Osterwochenende gezeigt werden“, betont Bösinger. „Danach lassen dies die weiter anstehenden Bauabschnitte nicht zu.“

Über 20 Infopunkte harren den Besucherinnen und Besuchern – bis Ostermontag jeweils von 10 bis 17 Uhr. Fachleute stehen Rede und Antwort vor Plakaten, mit Visualisierungen und Simulationen mithilfe von Augmented Reality zu unterschiedlichsten Themen. Die reichen vom Umbau des Bonatzbaus, Bauablauf und Artenschutz, gehen über Tunnelbau, Neubaustrecke Wendlingen-Ulm und neues Quartier Stuttgart Rosenstein bis hin zur neuen Bahnsteighalle, den zukünftigen S-Bahn-Verbindungen der Region und dem „digitalen Knoten“ Stuttgart. „Uns ist der Austausch auf Augenhöhe wichtig“, sagt Bösinger.

Flaschentest

Und Vereinsvorsitzender Bernhard Bauer ergänzt, dass man viel schreiben könne, aber nichts veranschauliche die Dinge besser, als diese live vor Ort zu erleben. Als Beispiel nimmt er die viel diskutierte Neigung der Bahnsteige. Manche hätten schon Flaschen hingelegt, um zu sehen, ob diese wegrollten. „Dann merken sie: Das tun sie nicht.“

Vorbei geht es an einer Schlange. Vor allem Eltern mit Kindern stehen hier an, denn dort darf mit echten Mini-Baumaschinen gebaggert werden. Einige Meter weiter stehen für die ganz Kleinen Bobbycar-Bagger bereit, eine Oster-Rallye ist angesetzt oder Zauberstäbe können gebastelt werden. „Viel Kinderprogramm!“, betont Bösinger, während er Richtung Bonatzbau vorangeht und erklärt, wie hier das alte und das neue Bahnhofsgebäude zusammenwachsen werden.

Neue Maßstäbe

In der ehemaligen Wandelhalle des Bonatzbaus sind noch die Graffitis erkennbar, die Kunstschaffende vor dem Durchbruch kreieren durften. Er zeigt auf den Durchbruch Richtung Königstraße. „Nun wird der Bahnhof an allen Eingängen barrierefrei betretbar sein.“

Auf der anderen Seite des Rundgangs wird erklärt, dass der „Digitale Knoten Stuttgart“ Maßstäbe für die Digitalisierung der Eisenbahn in Deutschland setzen wird. Erstmals werde ein Eisenbahnknoten mit einem Digitalen Stellwerk, dem europäischen System ETCS Level 2 und weiteren, darauf aufbauenden Techniken ausgerüstet. Weil so Bahnen miteinander über das Stellwerk kommunizierten, könnten sicher mehr Züge fahren, Zeit und Energie gespart werden.

Regelmäßige Besuche

„Spannend“, meint eine junge Mutter aus Stuttgart. „Ich bin aber vor allem wegen meines Manns hier, der ist der Technikfreak in der Familie.“

Eine Seniorin, die aus Murrhardt mit ihrem Freund angereist ist, erzählt, dass sie schon vor Corona auf der Baustelle gewesen sei. „Anschauen, wie der zukünftige Hauptbahnhof vorangeht. Damals war ich noch im rohen Tunnel, bis jetzt ist ganz schön was passiert.“ Besonders beeindruckt habe sie die zukünftige Bahnsteighalle, wo nun ein Teil der Hallendecke mittlerweile geschlossen ist, einige der insgesamt 28 Kelchstützen sind verbunden. „Jetzt sieht man, wie die Bullaugen und die Kelchstützen aussehen werden und wie hell es sein wird. Beeindruckend.“

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