Talent des VfB Stuttgart Die rasante Entwicklung des Mohamed Sankoh

Mohamed Sankoh debütierte jüngst im Profiteam. In unserer Bildergalerie zeigen wir die jüngsten Debütanten der VfB-Geschichte. Foto: imago images/Karina Hessland

Mit dem 17 Jahre jungen Mohamed Sankoh hat ein weiteres Talent aus dem Nachwuchs des VfB Stuttgart in der Fußball-Bundesliga debütiert. Der vorläufige Höhepunkt einer rasanten Entwicklung, doch Euphorie ist nicht angebracht.

Sport: Philipp Maisel (pma)

Stuttgart - Mohamed Sankoh ist seit Sonntag und seinem Debüt bei RB Leipzig (0:2) der drittjüngste Spieler in der Bundesliga-Historie des VfB Stuttgart. Und das soll nur der Anfang gewesen sein für den Offensivspieler – der erste Schritt, sich einen Namen zu machen.

 

Als der VfB Stuttgart Anfang August 2020 die Verpflichtung von Mohamed Sankoh von Stoke City bekannt gab, kannten den Niederländer nur eingefleischte Experten. Auch bei den Anhängern der Weiß-Roten hielten sich die Jubelarien in Grenzen. Ein 16-jähriger Stürmer für den Nachwuchsbereich halt. Doch in der Fußballszene sorgte der Wechsel für Aufsehen. Schließlich war Sankoh erst ein Jahr zuvor U-17-Europameister mit den Niederländern geworden, Topclubs wie der FC Chelsea und Atletico Madrid hatten lukrative Angebote hinterlegt.

Hinter Thomas Krücken, dem Chef des Stuttgarter Nachwuchsleistungszentrums (NLZ), lagen da bereits sechs intensive Wochen. So lange hatte er um das Talent geworben, ehe er es schließlich langfristig und ablösefrei unter Vertrag nehmen konnte. Lediglich die in solchen Transfers obligatorische Ausbildungsentschädigung in niedrigen sechsstelligen Bereich wurde fällig. Dabei gab es noch kurz vor der Vertragsunterschrift einen kniffligen Moment zu überstehen. Als Krücken Sankoh, der mit einer kompletten Entourage aus Familie und Beratern angereist war, eröffnete, dass man noch einige Leistungstests zu absolvieren gedenke, sorgte das bei dessen Agenten für gewaltiges Stirnrunzeln. Gab es etwa an der Fitness ihres Klienten etwas auszusetzen?

Der VfB als Adresse für Toptalente

Schließlich war es Sankoh, der seine irritierten Berater überstimmte und unbedingt die Leistungsdiagnostik absolvieren wollte. Eine Anekdote, die gut aufzeigt, wie sehr der Spieler zu diesem Zeitpunkt vom Weg überzeugt war, den man ihm beim VfB aufgezeigt hatte. Dieser bedingte, beim VfB zuerst in der U19 zu starten, obwohl er in England bereits für die U23 von Stoke City zum Einsatz gekommen war. „Das war für ihn überhaupt kein Problem“, sagt Krücken.

Für den VfB sind Transfers wie dieser und die zuletzt getätigten von Alou Koul und Ömer Beyaz eine Bestätigung dafür, dass man wieder zu einer Adresse für Toptalente geworden ist. Seit Thomas Hitzlsperger und Sven Mislintat die Geschicke leiten, besinnt sich der Club auf seine DNA. „Jung und wild“ wird nicht nur auf Broschüren und ins Stadionheft gedruckt, sondern gelebt. Der VfB wird zur Drehscheibe für Toptalente, die ihn als Sprungbrett für große Karrieren nutzen.

Das Sprungbrett U19 nutzte Sankoh, es folgte die Beförderung in den U-21-Kader von Coach Frank Fahrenhorst. In der Regionalliga sah man für ihn die besten Möglichkeiten der Weiterentwicklung unter Wettkampfbedingungen. Sankoh hatte keinerlei Anpassungsschwierigkeiten und legte los wie die Feuerwehr. Mit seiner Durchsetzungsfähigkeit, seinem Torriecher und seiner Schnelligkeit erarbeitete sich der Angreifer schnell einen gewissen Ruf. Neun Tore und drei Vorlagen in 15 Spielen lautete seine Bilanz, darunter eine Galavorstellung mit vier Toren und einer Vorlage gegen den TSV Schott Mainz.

Ehrgeiz, Fleiß und Professionalität

Auch in Sachen Bescheidenheit und Fleiß macht dem Angreifer so schnell keiner etwas vor. Sankoh ist oft der Letzte auf dem Trainingsplatz und das nicht nur, weil er als Erster die Bälle einsammelt. „Wenn ich eine Wette gewinnen will, setze ich einfach darauf, wer gerade im Kraftraum ist“, scherzt Krücken, „es ist immer Mo. Er weiß, was er will, und arbeitet extrem hart an sich. Diese Charaktereigenschaften sind der perfekte Nährboden für das Talent, das er mitbringt.“

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Seit Wochen warteten die VfB-Fans ungeduldig auf eine Nominierung für den Profikader, zumal Sankoh immer wieder beim Bundesliga-Team mittrainieren durfte. Die Presseanfragen für den Stürmer häuften sich auch – und wurden alle abgelehnt. Man wolle ihn „aus allem heraushalten und langsam aufbauen“, betont der NLZ-Chef Krücken und erklärt dies mit dem „Paket an Erwartungen“, das jungen Spielern schnell aufgebürdet wird – und an dem so manche scheitern.

Dreimalige Belohnung für Sankoh

Im Alter von 17 Jahren, sechs Monaten und neun Tagen wurde Sankoh nun in Leipzig in der 74. Minute für Sasa Kalajdzic eingewechselt – und ist damit nicht nur der drittjüngste Bundesliga-Debütant der Saison (nur die Dortmunder Youssoufa Moukoko und Jude Bellingham waren bisher jünger), sondern belegt auch in der VfB-Historie ab sofort einen Spitzenplatz. Lediglich Timo Werner und Antonis Aidonis waren noch jünger, als sie ihre Bundesliga-Debüts für den VfB gaben.

Ein Meilenstein in der Karriere des Youngsters. Und für Sportchef Sven Mislintat ein Zeichen dafür, dass das „Zusammenspiel von Scouting, Entwicklung im Nachwuchsleistungszentrum und Arbeit an der Schnittstelle zu den Profis hervorragend funktioniert“. Er hält den Ball aber weiter flach bezüglich Sankoh. „Wir freuen uns sehr für ihn, da er in den vergangenen Monaten gute Schritte nach vorne getan hat“, ließ Mislintat sich immerhin entlocken. Von Euphorie keine Spur.

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