Eine Unbekannte ruft eine Seniorin an, gibt sich als deren Tochter aus, die einen tödlichen Unfall verursacht habe. Die Betrügerin bekommt viel Geld – hat aber nicht lange etwas davon.

Rems-Murr: Chris Lederer (cl)

Eine Seniorin aus Backnang ist am Mittwoch Opfer eines Schockanrufs geworden. Wie die Polizei mitteilt, wurde die Frau zunächst telefonisch von einer weiblichen Person kontaktiert, die sich als ihre Tochter ausgab. In dem Gespräch erklärte die vermeintliche Tochter, sie habe einen Verkehrsunfall mit tödlichem Ausgang verursacht und könne ihre Inhaftierung nur verhindern, wenn eine Kaution in Höhe von 60 000 Euro bezahlt würde.

 

Im weiteren Verlauf des Telefonats wurde die Seniorin an einen falschen Polizisten weiterverbunden, mit dem letztlich eine Zahlung in Höhe von 24 000 Euro vereinbart wurde. Dieses Geld übergab die Seniorin dann an der vereinbarten Örtlichkeit in Sachsenweiler an eine Abholerin. Jene 38-jährige Tatverdächtige konnte noch am selben Nachmittag samt dem Geld von der Kriminalpolizei vorläufig festgenommen werden. Das Bargeld wurde sichergestellt.

Weitere Ermittlungen laufen

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart wurde die 38-Jährige am Donnerstagnachmittag dem zuständigen Ermittlungsrichter vorgeführt, der Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des Betrugs erließ. Die Tatverdächtige befindet sich nun in Untersuchungshaft. Die Ermittlungen zu dem Vorfall dauern an.

Wie es den Polizeibeamten konkret gelungen ist, an die Tatverdächtige heranzukommen und sie schließlich festzunehmen, dazu werden aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben gemacht, erklärt ein Polizeisprecher auf Nachfrage. Ebenso hält sich die Behörde bedeckt, ob die Tat in Zusammenhang mit ähnlichen Vorfällen der vergangenen Tage steht.

Masche mit falschen Polizeibeamten ist häufig

Zurzeit kommt es im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Aalen wieder vermehrt zu Anrufen von Betrügern, die mittels Schockanrufen versuchen, Beute zu machen. Dabei geben die Anrufer vor, ein Familienmitglied der Angerufenen hätte einen schweren Verkehrsunfall verursacht und würde nun in Untersuchungshaft kommen. Um dies abzuwenden, könnten die Angerufenen allerdings eine Kaution entrichten.

Häufig sei derzeit außerdem die Masche, dass man Geld oder Wertgegenstände an einen vermeintlichen Polizeibeamten zu übergeben habe, weil es in der Gegend vermehrt Einbrüche gebe. In anderen Fällen wird vorgegeben, das Geld sei auf der Bank wegen eines betrügerischen Mitarbeiters nicht mehr mehr sicher und man solle es stattdessen einem Polizisten aushändigen. Darüber hinaus werde immer öfter versucht, via Telefon an sensible Bankdaten wie Passwörter zu gelangen. Auch hier sei höchste Vorsicht geboten.

Rat: Nie Bargeld an Fremde übergeben

In jedem Fall rät die Polizei, dass man sich am Telefon niemals unter Druck setzen lassen sollte und beim leisesten Zweifel an Verwandte, Bekannte oder die Polizei wenden soll, um nach Rat zu fragen. Spätestens, wenn man aufgefordert werde, Bargeld oder Wertgegenstände an einen Fremden zu übergeben, sollten bei dem Angerufenen alle Alarmglocken läuten.