Tempokontrolle Nürtinger Blitzer monatelang außer Gefecht

Hier stand mal die Blitzersäule. Foto: Ines Rudel

Bis die bei einem Unfall schwer beschädigte Anlage im Stadtteil Neckarhausen wieder einsatzbereit ist, wird Tempo 30 mit mobilen Geräten überwacht.

Dort, wo bis vor kurzen auf der Verkehrsinsel eine Blitzersäule stand, klafft seit Wochen ein Loch im Wiesengrün. Und das wird wohl noch eine ganze Weile so bleiben. Wann das bei einem Unfall zerstörte Messgerät am Ortseingang des Nürtinger Stadtteils Neckarhausen wieder einsatzfähig sein wird, ist nach Angaben der Stadtverwaltung völlig offen. Ein Sprecher teilt mit, es könnte noch „mehrere Monate“ dauern. Autofahrer sollten sich in der Nürtinger Straße dennoch in acht nehmen: Der Gemeindliche Vollzugsdienst sei nun regelmäßig mit einem mobilen Messgerät vor Ort, um die Einhaltung des Tempolimits von 30 Kilometern pro Stunde zu überwachen, heißt es aus dem Ordnungsamt.

 

Unfallursache bleibt rätselhaft

Am Nachmittag des 5. Juli war ein 74-jähriger Mercedesfahrer auf dem Weg Richtung Nürtingen nach links von der Straße abgekommen und hatte die auf der Verkehrsinsel stehende Blitzersäule gerammt. Durch die Wucht des Aufpralls, so die Schilderung der Polizei, wurde das Gerät aus dem Fundament gerissen und blieb quer auf der Fahrbahn liegen. Die Unfallursache ist bis heute ein Rätsel. Zu schnelles Fahren, eine Alkoholbeeinflussung oder gesundheitliche Probleme schließt die Polizei aus. Verletzt wurde bei dem Crash niemand, es entstand jedoch beträchtlicher Sachschaden. Zunächst wurde er auf eine sechsstellige Summe geschätzt, er könnte indes etwas geringer ausfallen.

Inzwischen steht nämlich fest: Die Stadt Nürtingen muss kein teures Ersatzgerät beschaffen. Die Blitzersäule muss dem Leiter des Ordnungsamtes, Peter Herrle, zufolge zwar ersetzt werden, „ein Großteil der Technik kann aber weiterverwendet werden“. Mit der Reparatur des Tempomessgerätes seien Kosten in Höhe von rund 40 000 Euro verbunden. Die Stadt prüft laut Herrle „selbstverständlich“, ob der Unfallverursacher für den entstandenen Schaden zur Kasse gebeten werden kann.

Daten können ausgewertet werden

Die grau-schwarze Blitzersäule wurde 2015 aus Lärmschutzgründen in der Nürtinger Straße aufgestellt – weshalb es auch nicht zur Debatte steht, diesen festen Kontrollstandort aufzugeben, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Säule ist eine von vier stationären Anlagen zur Geschwindigkeitsüberwachung im Stadtgebiet, die Jahr für Jahr eine erkleckliche Summe in die Nürtinger Stadtkasse spülen. So wurden im vergangenen Jahr rund 18 500 Verstöße allein von den festinstallierten Blitzern aufgezeichnet. Für jene Temposünder, die gehofft haben, dass die von ihnen in der Nürtinger Straße gemachten Aufnahmen durch die Beschädigung unbrauchbar geworden sind, gibt es schlechte Nachrichten: Laut dem Ordnungsamt sind die Daten, die bis zu dem Unfall gespeichert wurden, allesamt verwertbar.

Dass Blitzer beschädigt werden, kommt immer wieder mal vor. So gab es einen ähnlichen Unfall an Weihnachten 2021 im Kirchheimer Ortsteil Nabern: Dort war ein 27-Jähriger Mercedesfahrer, der deutlich betrunken und ohne Fahrerlaubnis hinter dem Steuer saß, gegen eine stationäre Anlage gekracht. Häufiger hingegen sind mutwillige Zerstörungen. Die Täter rücken den „Starenkästen“, den Hightechsäulen und den Blitzer-Anhängern, sogenannten Enforcement-Trailern, mit Spraydosen und schwerem Werkzeug zu Leibe oder zünden sie an. Wie viele Attacken auf Blitzer es pro Jahr im Kreis Esslingen gibt, kann das Polizeipräsidium Reutlingen nicht beziffern. Wer bei dieser Art von Sachbeschädigung erwischt wird, kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren oder mit einer Geldstrafe bestraft werden.

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