Tempoüberwachung im Rems-Murr-Kreis Kuriositäten um ergiebige Fallen und falsche Blitzer

Berühmt-berüchtigt: Die Blitzersäule am Ortsausgang von Waiblingen-Hegnach in Richtung Remseck. Foto: Gottfried Stoppel

Im Rems-Murr-Kreis platzierte ein zorniger Temposünder im Dezember 2019 gar einen Wildschweinkopf auf einem Radarmessgerät. Und dann war da noch eine 18-Jährige, die sich mit Absicht viermal blitzen ließ . . .

Das Thema fotografische Tempoüberwachung bringt vermutlich seit dem Tag seiner Deutschlandpremiere – bei der Polizeimesse in Essen im September 1956 wurde die erste von Telefunken zur Serienreife entwickelte Verkehrsradaranlage vorgestellt – die Menschen in Wallung. Die Zahl potenziell Betroffener ist allerdings auch riesig, wenn man weiß, dass allein in der Landeshauptstadt Stuttgart im vergangenen Jahr fast 150 Millionen Geschwindigkeitsmessungen vorgenommen wurden.

 

Vorsätzlich viermal den Blitzer ausgelöst

Auch im Rems-Murr-Kreis gab es schon zahlreiche Kuriositäten um höchst effektive Radarfallen. Manche erwischt’s gleich mehrfach – so wie im April 2013 eine Fahranfängerin in Backnang. Die 18-Jährige, seinerzeit erst seit drei Monaten im Besitz einer Fahrerlaubnis, fuhr an einem frühen Mittwochmorgen in kürzester Zeit viermal mit überhöhter Geschwindigkeit an einer mobilen Messanlage der Stadt Backnang vorbei. Offenkundig vorsätzlich, denn sie und ihre Mitfahrer winkten jedes Mal frech in die Kamera. In dem verkehrsberuhigten Bereich der Grabenstraße ist lediglich Tempo 7 erlaubt. Folge für die junge Dame: ein erhöhtes Bußgeld wegen viermaliger und vorsätzlicher Geschwindigkeitsüberschreitung und eine Nachschulung als Fahranfängerin.

Als besonders neuralgische Stelle gilt das Ortsende von Waiblingen-Hegnach in Richtung Remseck. Viele glauben, hier sei Tempo 50 erlaubt. Irrtum, tatsächlich gilt Tempo 30 – und schon hat’s geblitzt. Einträglich war es jedenfalls schon gleich zu Beginn: Die Blitzersäule löste im Jahr 2020 rund 23 000 Mal aus, was 440 000 Euro an Bußgeldern in die Stadtkasse spülte. Zwar hat sich diese außergewöhnliche Geschwindigkeitsregelung – auf der Gegenfahrbahn sind Tempo 50 erlaubt – mittlerweile herumgesprochen, aber die Trefferquote ist immer noch überdurchschnittlich hoch. Vielleicht, weil manche besonders vergesslich sind. So ließ das Kurzzeitgedächtnis mal ein Paar im Stich, das erst geblitzt wurde, dann umdrehte, um zuhause vergessene Utensilien zu holen – und erneut in die Hegnacher Falle tappte.

„Entsorgung von Tierabfällen“ auf der Radarfalle

Derartige Fälle haben öfter drastische Reaktionen zur Folge. In Schorndorf platzierte im Jahr 2019 ein mutmaßlicher Blitzer-Hasser einen abgehackten, gehäuteten Wildschweinkopf auf einem mobilen Gerät, das beim Friedhof im Stadtteil Schornbach Temposünder erwischen sollte. Erster Ermittlungsansatz der Polizeibeamten: „Unerlaubte Entsorgung von Tierabfällen.“

Erneut Schornbach war drei Jahre später der Schauplatz einer weiteren Sabotage: Der neue Säulenblitzer am Ortsausgang erwischte binnen weniger Wochen 900 bremsunwillige Autofahrerinnen und Autofahrer. Ein vermutlich Betroffener besprühte kurz nach Mitternacht die beiden Kameras mit weißer Farbe – was eine umfangreiche Reinigungsaktion nötig machte.

Doch nicht überall, wo ein Starenkasten aufgebaut ist, steckt auch ein Vögelchen drin. Dieses Täuschungsmanöver machte bereits im Jahr 2007 die Runde in Kernen im Remstal. Genauer im Ortsteil Stetten: Weil das Rems-Murr-Landratsamt einen echten Blitzer nicht genehmigte, beauftragte der damalige Bürgermeister Stefan Altenberger für die Ortsdurchfahrt einen Handwerker mit dem Bau einer täuschen ähnlichen, aber im Vergleich zu einem tauglichen Gerät deutlich billigeren Attrappe. Der solide Stahlmast war fest im Boden einbetoniert, die beiden Kameralinsen wirkten wie echt.

Das wussten allerdings nur die Einheimischen, denn immer wieder wurde diese vermeintliche Radarfalle von Unbekannten brachial umgesägt oder zerstört. Doch der Schultes gab nicht klein bei und ließ schnell weitere Duplikate anfertigen, sodass kurz danach wieder ein falscher Blitzer die Raser zur Räson bringen sollte.

Zwei Jahre später war das falsche Vögelchen endgültig ausgeflogen: Eine Ampel sorgt nun bei allzu flotten Fahrern per Umschaltung aufs Rotsignal dafür, dass die Tempobegrenzung eingehalten wird.

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