Tennis auf dem Weissenhof Der letzte Deutsche ist raus

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Das Tennisturnier auf dem Stuttgarter Weissenhof steht unter keinem guten Stern. Erst spielte das Wetter nicht mit, dann schwächelten die deutschen Spieler. Als letzter schied Philipp Kohlschreiber schon im Achtelfinale aus.

Das gibt es nicht alle Tage: Philipp Kohlschreiber bestreitet  in Stuttgart gleich zwei Spiele an einem Tag. Foto: Baumann
Das gibt es nicht alle Tage: Philipp Kohlschreiber bestreitet in Stuttgart gleich zwei Spiele an einem Tag. Foto: Baumann

Stuttgart - Es hat in der Welt des Profitennis bereits einige Marathonmänner gegeben. Die Herren Nicolas Mahut und John Isner etwa, die duellierten sich 2010 in der ersten Runde von Wimbledon stolze elf Stunden und fünf Minuten. Im längsten Match aller Zeiten, das zweimal wegen Dunkelheit abgebrochen werden musste, siegte letztlich Isner mit 70:68 im fünften Satz. Andere mussten dagegen an einem Tag mehrfach ran: So wie Björn Phau, der 2011 beim Challengerturnier von Marburg gleich vier Spiele an einem Tag zu bestreiten hatte. Wegen Dauerregens wurden die Halbfinals und die Endspiele im Einzel und Doppel alle am abschließenden Sonntag ausgetragen. Doch der Darmstädter Phau bewies Steherqualitäten – und holte sich in Marburg beide Titel.

So gesehen ist es also noch ein erträgliches Pensum gewesen, das man Philipp Kohlschreiber am Donnerstag beim Tennisturnier auf dem Stuttgarter Weissenhof zugemutet hat. Weil der Dienstag komplett und der Mittwoch zu weiten Teilen verregnet waren, musste der Vorjahresfinalist aus Augsburg zwei Matches bestreiten. Um elf Uhr am Vormittag ging es los, als der „Kohli“ im deutsch-deutschen Duell den 1,96 Meter großen Schlaks Jan-Lennard Struff in 74 Minuten mit 6:4 und 6:3 besiegte. „So eine lange Unterbrechung hat es auch noch nicht allzu oft gegeben“, sagte Kohlschreiber, der wegen des Dauerregens den gesamten Dienstag und Mittwoch mit Warten zugebracht hatte.

Kein Publikumsliebling

Als es dann endlich losging – und der erste Satz gegen den 24-Jährigen Struff schnell mit 6:4 gewonnen war, da hatte der Weltranglisten-26. zwar seinen Rhythmus gefunden, sich aber immer noch nicht mit dem schlechten Wetter arrangiert. Also debattierte er bei leichtem Nieselregen mit dem Stuhlschiedsrichter, dass die Partie wegen der Verletzungsgefahr doch besser zu unterbrechen sei. Letztlich hörte es wenig später zu regnen auf. Der überlegene Philipp Kohlschreiber sicherte sich so gegen Struff auch Satz zwei mit 6:3, doch er hatte sich und der Tennisszene mal wieder bewiesen, dass es von einem Querdenker bis zu einem Querkopf manchmal kein allzu weiter Weg ist.

Zum Publikumsliebling in den deutschen Tennisarenen zwischen München, Düsseldorf, Stuttgart und Hamburg wird es der nach Thomas Haas zweitbeste deutsche Profi ohnehin nicht mehr bringen. Denn es gibt neben dem Einzelunternehmer Kohlschreiber, der es in seiner Karriere auf der ATP-Tour immerhin auf stolze 7,2 Millionen US-Dollar an Preisgeld und zu fünf Turniersiegen gebracht hat, auch den ehemaligen Davicupspieler Kohlschreiber. Und in dieser Funktion hat es sich der Augsburger mit den Fans und den Verantwortlichen des Deutschen Tennis-Bundes (DTB) inzwischen gründlich verscherzt. Denn die Ereignisse rund um die Daviscup-Partie vom Februar gegen Spanien wirken bei vielen noch immer nach.

Damals führte die deutsche Tennisequipe um den Teamchef Carsten Arriens mit den Topspielern Haas und Kohlschreiber in der Frankfurter Ballsporthalle nach den ersten beiden Tagen uneinholbar mit 3:0, als sich keiner der beiden Stars in der Lage sah, ein bedeutungsloses Einzel am abschließenden Sonntag zu spielen. Unwidersprochen ist bis heute, dass Arriens offenbar zwischen den Spielern losen ließ – und Kohlschreiber den Kürzeren zog. Trotzdem trat der eigenwillige Profi nicht an.

Es mangelte an Kraft und Kampfgeist

Als der DTB dann einen Monat später beim so genannten Versöhnungstag mit den gehörnten Zuschauern von Frankfurt die Wogen wieder glätten wollte, da eskalierte der Streit völlig: Nun bezichtigten sich Arriens und Kohlschreiber gar vor laufenden Kameras gegenseitig der Lüge. Als „bodenlos“ bezeichnete der Daviscup-Kapitän die Behauptung des Spielers, er habe niemals vorgehabt, zum Versöhnungstag nicht zu erscheinen. Tatsächlich sei nämlich am Vorabend vom Management Kohlschreibers ein Fax mit einer Absage eingegangen. Carsten Arriens zog daraufhin die Reißleine – und erklärte die Karriere des streitbaren Augsburgers nach 24 Einsätzen für Deutschland als beendet.

Beendet war für ihn am Donnerstag schließlich auch das Turnier auf dem Weissenhof. Gegen den aufschlagstarken Tschechen Lukas Rosol mangelte es Kohlschreiber letztlich an Kraft und Kampfgeist beim 5:7, 6:7 (5:7). „Ich habe nicht auf meinem besten Niveau gespielt – und er hat seine Chancen kompromisslos genutzt“, sagte der 30-Jährige, der damit als letzter Deutscher schon im Achtelfinale ausschied.