Mit dem Derby beim TC Rüppurr Karlsruhe startet der TEC Waldau an diesem Sonntag in die neue Saison der Tennis-Bundesliga. Der Klassenverbleib ist das Ziel der Stuttgarterinnen.

Sport: Marko Schumacher (schu)

Stuttgart. - Der Chef hat es sich nicht nehmen lassen, beim ersten offiziellen Mannschaftstraining der Bundesliga-Frauen des TEC Waldau am Spielfeldrand zu stehen. Was Thomas Bürkle am Mittwoch auf den Sandplätzen in Degerloch zu sehen bekam, das hat ihm sehr gut gefallen: „Man konnte gleich wieder erkennen, dass der Zusammenhalt unter unseren Spielerinnen groß ist“, sagt der Mannschaftsführer, der gleichzeitig Geschäftsführer des traditionsreichen Stuttgarter Tennisclubs ist.

Der ausgeprägte Teamgeist soll wieder der große Trumpf sein, wenn die Waldau-Frauen an diesem Sonntag (11 Uhr) mit dem Derby beim TC Rüppurr Karlsruhe in die neue Bundesliga-Saison starten. Andere Mannschaften mögen prominentere und in der Weltrangliste höher platzierte Spielerinnen in ihren Teams haben – kein Club aber setzt so konsequent auf ein funktionierendes Team und die Identifikation der Akteurinnen mit dem Verein wie die Stuttgarter.

Zur Philosophie des TEC Waldau, dem sogenannten Stuttgarter Weg, gehört es, vor allem auf einheimische Spielerinnen zu setzen. „Wir sehen den Sinn der Bundesliga darin, vor allem deutschen Spielerinnen eine Chance zu geben“, sagt Bürkle, „alles andere könnten wir unseren Sponsoren und Mitgliedern nicht vermitteln.“ Zum Geschäftsmodell gehört es daher, dass an den sechs Spieltagen jedes Mal mindestens drei, am besten sogar vier der sechs Startplätze mit deutschen Spielerinnen besetzt sind, die im Idealfall auch noch aus der Region kommen. „Das ist ein Riesenunterschied zu sechs eingeflogenen Spielerinnen, wie es von anderen Clubs praktiziert wird“, sagt Bürkle: „Bei uns ist die Bindung zum Verein viel größer – das macht uns

stark.“Im Vorjahr haben die Stuttgarterinnen mit diesem Konzept den respektablen vierten Rang erreicht.

Kader ist nahezu unverändert

Also ist der Kader im Vergleich zur vergangenen Saison nahezu unverändert geblieben. Neu im Team sind nur Carmen Schultheiß (18), die vom TC BW Vaihingen/Rohr kommt und somit perfekt ins Anforderungsprofil passt, sowie Kimberly Zimmermann (22), die als Belgierin eine Ausnahme von der Regel darstellt. „Mit sechs Deutschen alleine kann man in der Bundesliga nicht bestehen“, sagt Bürkle. Etatmäßige Nummer eins des TEC Waldau ist in Abwesenheit von Anna-Lena Friedsam (24), die erneut an der Schulter operiert werden muss und die gesamte Saison ausfällt, die Tschechin Katerina Siniakova (21). Unklar allerdings ist, wie oft die Weltranglisten-51. Zeit hat, Bundesliga-Tennis zu spielen. Das hängt von ihren Ergebnissen auf der Tour ab.

Das ist auch bei Mona Barthel (27) der Fall, die im vergangenen Februar beim WTA-Turnier in Budapest das Halbfinale erreichte. Parallel zum Auftaktwochenende der Bundesliga ist die Weltranglisten-66. für die Qualifikation des Masterturniers in Madrid gemeldet. Sofern ihr in der spanischen Hauptstadt keine Überraschung gelingt, hat Barthel immerhin bereits für das erste Heimspiel gegen die Titelverteidigerinnen aus Regensburg am nächsten Donnerstag (11 Uhr) fest zugesagt. „Das wäre für uns sehr wichtig, denn wenn Mona nicht dabei ist, haben wir keine klare Nummer eins“, sagt Thomas Bürkle.

Auftaktspiel in Karlsruhe

In diese Rolle muss im Auftaktspiel am Sonntag in Karlsruhe voraussichtlich Anna Zaja (26) schlüpfen, die Weltranglisten-265. aus Sigmaringen. Die 1,83 Meter große Rechtshänderin hat in der vergangenen Bundesliga-Saison zwar kein einziges Spiel verloren, doch war sie da nicht an Position eins gesetzt. „Man muss erst mal sehen, wie sie mit der neuen Situation zurechtkommt“, sagt Thomas Bürkle. Zuletzt überstand Zaja beim Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart immerhin eine Qualifikationsrunde, bevor sie an Carina Witthöft, als Weltranglisten- 56. die Nummer drei im deutschen Frauentennis hinter Julia Görges und Angelique Kerber, scheiterte.

Zum deutschen Spielerstamm, der den Klassenverbleib in der Bundesliga möglichst früh sichern soll, gehören neben Zaja und Neuzugang Schultheiß auch Laura Schaeder (25), Lena Rüffer (19) und Anna Gabric (19); zum erweiterten Kreis zählen die Waldau-Spielerinnen Antonia Blattner (17) und Beatrice Krauss-Granate (24). „Dieser Kader bietet uns vielfältige Möglichkeiten und wird auch für manche Überraschung gut sein“, sagt der TEC-Vorsitzende Christoph von Eynatten: „Wir freuen uns auf die neue Saison.“