Tennis beim Mercedes-Cup Marin Cilic gewinnt ein Auto für den Sohnemann
Beflügelt von der Anwesenheit seines Kindes gewinnt der Kroate Marin Cilic den Mercedes-Cup in Stuttgart.
Beflügelt von der Anwesenheit seines Kindes gewinnt der Kroate Marin Cilic den Mercedes-Cup in Stuttgart.
Stuttgart - Marin Cilic hat es der Tennisjugend noch einmal gezeigt. Der 32 Jahre alte Kroate ballte nach dem verwandelten Matchball beide Fäuste, ein paar Landsmänner auf den Rängen riefen ihm ausgelassen zu – und auf der anderen Seite schaute der zwölf Jahre jüngere Kanadier Felix Auger-Aliassime traurig zu Boden.
Cilic feierte beim Mercedes-Cup in Stuttgart seinen 19. Turniersieg, der größte Erfolg war 2014 der Gewinn der US Open. Doch dieses 7:6, 6:3 hatte noch mal eine ganz besondere Note. Cilic, vor dem Finale noch die Nummer 47 der Welt, weiß jetzt, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört und durch die 250 Weltranglistenpunkte weiterhin Zutritt haben kann für die Hauptfelder großer Turniere. Und: Von dem vollelektrischen Mercedes, den es zum Siegerscheck in Höhe von 53 280 Euro obendrauf gab, war Cilic schon die ganze Woche über begeistert.
„Dieses Auto ist für Baldo“, sagte Cilic, während seine Frau den Sohnemann auf der Tribüne im Arm hielt. Baldo raubte dem Papa in Stuttgart zwar hin und wieder den Schlaf, doch die Tatsache, dass Frau und Kind diesmal dabei sein konnten, sie beflügelte ihn. Als großer Sportsmann, der Cilic ist, attestierte er dem hoch veranlagten Kanadier Auger-Aliassime noch eine vielversprechende Zukunft, denn er sei „ein Champion“. Danach reflektierte er noch einmal seinen großen Tag – denn sein letzter Turniersieg datiert aus dem Juni 2018, damals bezwang er Novak Djokovic in Queen’s. „Die Zeiten danach waren nicht einfach, weil es rauf und runter ging und ich Probleme mit meiner Form hatte“, sagte Cilic – deshalb sei er auch so emotional. Nun freut sich der alte Fahrensmann des Tennissports auf einen hoffentlich starken Karriereherbst.
Edwin Weindorfer ist der Turnierdirektor des Mercedes-Cups. Er ist am Sonntag ebenso ganz froh gewesen, dass das etwas andere Turnier auf dem Weissenhof so gut über die Bühne ging. „Am allerwichtigsten war uns, dass die Veranstaltung nicht zum zweiten Mal ausfällt“, sagte der Österreicher. Dass die French Open sich in die Stuttgarter Turnierwoche verschoben haben, hat Weindorfer hart getroffen. Die ATP gewährte den Weissenhof-Veranstaltern deshalb fünf statt drei Wildcards, um noch Zugriff zu haben auf Spieler, die am vergangenen Sonntag in Paris ausgeschieden waren. Nur: Die gewünschten Stars blieben in Frankreich im Rennen, etwa Stefanos Tsitsipas und Alexander Zverev.
Das war ärgerlich, aber auch zu erwarten. „Wir haben trotzdem ein Superfinale gehabt“, sagte Weindorfer über das Duell zweier Generationen zwischen Cilic und Auger-Aliassime. Und den bis zu 500 Zuschauern auf der Anlage hat die beschauliche, teils gespenstische Atmosphäre wohl nichts ausgemacht. „Jeder, mit dem ich gesprochen habe, sagte mir, dass er froh sei, dass das Turnier stattfand“, sagte Weindorfer. Für 2022 gibt er nun die Devise aus: „Zurück zur Normalität.“
Doch der Turnierchef weiß, dass es dafür keine Garantie gibt. Wegen der unsicheren Coronalage sind Sponsoren abgesprungen. Ob die wieder zurückkehren, ist mehr als ungewiss, denn die finanzielle Lage einiger Geldgeber wird sich auch 2022 nicht entspannt haben. „Ich glaube nicht, dass die Sponsoren, die wir verloren haben, zurückkommen“, gibt Weindorfer zu.
Ganz wichtig waren da die positiven Signale des Titelsponsors Mercedes, der wohl dabei bleiben möchte. Am Sonntag haben Veranstalter und Vertreter des Hauptsponsors im Hinblick auf eine Vertragsverlängerung die Optionen geprüft. „Wir haben sehr positive Gespräche geführt“, sagt Edwin Weindorfer, der in der Bilanz dieses Turniers zwar Verluste erwartet, „doch ohne Mercedes hätte es überhaupt nicht stattfinden können“.
Und Baldo hätte kein Auto gekriegt.