Saudi-Arabien plant den nächsten Großangriff auf den Sport. Nach Fußball, Golf, Motorsport und Reiten streckt das Regime am Persischen Golf seine Fühler nun auch nach dem Tennissport aus. Sein prall gefüllter Staatsfonds Pif ist seit Kurzem Partner großer internationaler Turniere, Topstar Rafael Nadal neuer Botschafter des Wüstenstaats, gegen den immer wieder Vorwürfe massiver Menschenrechtsverletzungen laut werden. Im Herbst findet erstmals die Finalserie der Frauentour WTA in Saudi-Arabien statt. „Wir Spielerinnen haben darauf keinen großen Einfluss. Ich hoffe, dass die Entscheidung, dort hinzugehen, positive Veränderungen vor Ort bewirkt,“ sagte dazu die Weltranglisten-Erste Iga Swiatek am Rande des Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart.
Damit nicht genug. Ein noch größeres Vorhaben der Saudis zielt auf die Zusammenlegung der Männer- (ATP) und der Frauentour (WTA). Es wäre eine Revolution. In Stuttgart wird gemunkelt, dass die Saudis ihr Milliarden-Angebot inzwischen zurückgezogen haben. Ob dem wirklich so ist? Und endgültig? Bleibt abzuwarten.
Turniere sollen größer werden
Pläne für eine engere Verzahnung von Männer- und Frauenevents liegen ungeachtet des saudischen Vorhabens schon länger in den Schubladen der Profitennis-Organisationen WTA und ATP. Der Trend geht in Richtung mehr Großturniere. Ähnlich den Grand Slams, wo sich Frauen wie Männer über zwei Wochen am selben Standort messen. Konkret geht es darum, mehr sogenannte 1000er-Turniere (bemessen an der Zahl der zu vergebenden Weltranglisten-Punkte) zu etablieren. Eine Nummer kleiner als die vier jährlichen Hauptevents in Melbourne, Paris, Wimbledon und New York. Aber größer und bedeutender als die allermeisten Turniere auf der Tour.
Turniere wie in Stuttgart. Es hat den Status eines 500er-Turniers, was über die sportliche Qualität nichts aussagt. Neun der zehn besten Spielerinnen waren am Start. Weshalb Markus Günthardt mit dem Kopf schüttelt: „Was wären die Folgen von immer mehr 1000er-Turnieren?“, fragt sich der Turnierdirektor. „Dass die Spielerinnen kaum noch Pausen haben, wenn die Turniere nur noch über zwei Wochen gehen.“
Stuttgart möchte in seiner Nische bleiben
Und: dass viele kleineren Turniere an traditionsreichen Standorten auf der Strecke bleiben könnten. „Ich verstehe den Ansatz, öfter die Topspielerinnen gegeneinander spielen zu sehen. Auf der anderen Seite müssen die kleineren Turniere noch attraktiv bleiben für Sponsoren, Veranstalter und Zuschauer“, mahnt der erfahrene Turnierdirektor. Um sein eigenes Event sorgt er sich weniger. Erstens, weil Stuttgart den Vorteil eines günstigen Termins zum Auftakt der Sandplatzsaison innehat. Zweitens, weil sich die seit 1978 bestehende Veranstaltung über die Jahre einen exzellenten Ruf erarbeitet hat. Und Drittens in Porsche nicht den schlechtesten Sponsor eng an seiner Seite weiß. Mehrere Millionen Euro lässt sich der Autobauer sein Engagement jährlich kosten. „Um Stuttgart mache ich mir überhaupt keine Sorgen“, sagt der Schweizer cool. Eigene Bestrebungen für ein 1000er-Turnier weist Günthardt weit von sich. „Ein Riesenevent passt nicht wirklich zu Stuttgart. Kleiner, aber mit hoher Qualität, das ist unsere Nische.“
Porsche selbst betont bei jeder Gelegenheit die Treue zum Standort und zum Tennisevent in der gleichnamigen Arena. Andererseits weiß jeder, wie schnell sich der Wind drehen kann. Ein Einstieg von Porsche als Investor beim VfB Stuttgart galt bis vor allzu langer Zeit noch als undenkbar. Bis die Zuffenhausener plötzlich Teil des viel zitierten Weltmarkenbündnisses wurden – Seit an Seit mit der automobilen Konkurrenz aus Untertürkheim. „Bei Porsche werden Entscheidungen immer sehr schnell getroffen,“ erzählt ein Branchenkenner.
Namensrechte an der Porsche Arena enden im September 2025
Vor diesem Hintergrund dürfte auch interessant sein, wie es mit der Porsche-Arena weitergeht. Im September 2025 endet der Vertrag über die Namensrechte mit der städtischen Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart. 2006 hatte Porsche diese für 20 Jahre übernommen. Für die – aus heutiger Sicht – überschaubare Summe von zehn Millionen Euro. Die Austragung des Tennisturniers war damals Teil des Gesamtpakets.
Erste Gespräche zur Zukunft hätten mit der Stadt bereits stattgefunden, heißt es. Wie man hört, ist Porsche gewillt, weiterhin als Namenssponsor an der Mercedesstraße präsent zu sein. Die Stadt ebenso. Nur wird sie sich am Ende am wirtschaftlich besten Angebot orientieren (müssen). Ein Porsche Tennis Grand Prix in einer Halle, die nicht mehr den Sponsoren im Namen trägt, ist zwar möglich, aber praktisch schwer vorstellbar. Nicht zuletzt spielt der geplante Um- oder Neubau der benachbarten Schleyerhalle in die Zukunftspläne hinein.
Es ist also viel Bewegung drin bei der 47. Auflage des Tennisklassikers. Nicht nur auf, sondern genauso neben dem Platz.