Klimaschutz und Naturschutz gehen nicht immer Hand in Hand. Welche Folgen der Bau von Windrädern für Fledermäuse und Vögel haben kann, untersucht eine Studie im Umfeld von Windkraftanlagen am Stöttener Berg zwischen Geislingen und Donzdorf. Ein Ergebnis soll sein, den Schutz der Tierwelt zu verbessern. Jetzt hat am Testfeld die zweite Phase des Projekts begonnen. Diese Forschung wird vom Bundesumweltministerium mit knapp 1,5 Millionen Euro gefördert.
„Schlagopfer“ sind ein Problem bei der Windkraft
Das Testfeld „Winsent“ wurde im vorigen September eröffnet. Jetzt startete die zweite Phase der Naturschutzforschung „NatForWinsent-II“. Untersucht werden Fluglinien von Vögeln, Fledermäusen und Insekten. Ziel ist, die Windkraftanlagen sicherer für Tiere und effizienter für Betreiber zu machen. „Jetzt kommt die spannende Phase“, sagt Frank Musiol, der Leiter des Naturforschungsprojekts. Immer wieder kollidierten Vögel und Fledermäuse mit Windrädern. „Schlagopfer“ nennt Musiol das. Um ihre Zahl zu verringern, wird häufig mit bestimmten Abschaltzeiten von Windkraftanlagen reagiert, was sie weniger effizient macht. Auf dem Windenergietestfeld bei Donzdorf sollen Möglichkeiten gefunden werden, das zu optimieren. Dafür wird das Verhalten der Tiere an den Windenergieanlagen mit modernsten Methoden untersucht, heißt es in einer Pressemitteilung des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg. Das ZSW betreibt das Testfeld.
Greifvögel mit Sendern ausgestattet
Überprüft werde etwa die Hypothese, dass Windräder womöglich gar nicht ganz abgeschaltet werden müssen, wenn ein Vogel sich nähert. „Es gibt die Theorie, dass Vögel alles gut erkennen, das so im Geschwindigkeitsbereich ihres Lebens ist“, führt Musiol aus. Womöglich würde es reichen, wenn sich die Rotoren langsamer drehen. „Das wäre für Windenergiebetreiber eine wichtige Frage.“ Im Fokus der Naturschutzforschung steht laut Musiol der Rotmilan. Für die Untersuchungen wurden schon einige Greifvögel mit Sendern ausgestattet, um ihre Bewegungen aufzuzeichnen. Mit Wärmebildkameras würden außerdem die Flugrouten von Fledermäusen aufgezeichnet. Seit dem vergangenen Jahr habe man schon vergleichen können, ob sich das Verhalten durch das reine Aufstellen der Anlagen verändert. Einen messbaren Effekt habe das nicht gehabt, sagt Musiol. Inzwischen drehen sich die Rotorblätter. „Das ist das besonders Spannende: zu gucken, wie sich die Fluglinien verändern in Reaktion auf die Rotoren.“ Außerdem gebe es ein Insektenmonitoring – als Futter ziehen Insekten Fledermäuse an.
Das Testfeld „Winsent“ (Wind Science and Engineering in Complex Terrain) soll laut ZSW Forschung zu Windkraft in bergigem Gelände ermöglichen. Die Naturschutzforschung läuft begleitend. Zu dem Testfeld gehören zwei baugleiche Anlagen, sodass Ergebnisse von Veränderungen an einer Anlage mit der anderen abgeglichen werden können. Messmasten vor und hinter den beiden Windkraftanlagen erfassen weitere Daten, etwa zum Wetter oder den Flugrouten.
Optimierung der Anlagen steht im Fokus
Zum Start der zweiten Testphase kamen Alfred Herberg vom Bundesamt für Naturschutz und ZSW-Vorstand Frithjof Staiß auf den Stöttener Berg. Herberg erhofft sich laut einer Mitteilung „entscheidende Erkenntnisgewinne“. Zwar stehe die Optimierung der Windenergieanlagen im Fokus, „wir wissen aber auch um die Bedeutung von flankierenden Maßnahmen“, sagte Staiß. Deshalb sei die Forschung an Naturschutzfragen ein besonderes Anliegen.
Ergebnisse werden mit Wetterdaten verknüpft
Derlei Erkenntnis sollen moderne Messinstrumente liefern, die dann mit Wetterdaten verknüpft werden, heißt es in einer Mitteilung von ZSW. Hieraus können beispielsweise Rückschlüsse gezogen werden, bei welchen Wetterbedingungen Vögel und Fledermäuse mehr und bei welchen weniger gefährdet sind. Damit sollen Vermeidungsmaßnahmen konzipiert werden, die einen größtmöglichen Schutz gewährleisten und gleichzeitig auch noch eine optimale Energiegewinnung ermöglichen.