Der österreichische Investor Rudolf Haberleitner will ehemalige Schlecker-Märkte zum Nahversorger umbauen. Die ersten drei Test-Märkte mit dem Namen „Dayli“ sollen im Mai eröffnen.

Wirtschaft: Thomas Thieme (tht)

Wien - Nun soll der Startschuss also im Mai erfolgen. Bereits zweimal hatte der Wiener Investor Rudolf Haberleitner seine Expansion nach Deutschland verschoben, zunächst war von Ende Februar, später von Ostern (Ende März) die Rede. Bei einer Pressekonferenz in der österreichischen Hauptstadt kündigte der 68-Jährige am Dienstag an, dass die ersten drei deutschen Filialen der neuen Nahversorgerkette Dayli im Mai in Bayern eröffnen sollen. Genaue Angaben zu den Standorten wollte der Investor noch nicht machen. Die Testläden, alles ehemalige Schlecker-Filialen, sollen späteren Neueröffnungen als Vorbild dienen. Das gleiche Prinzip hatte Haberleitner bereits in seiner Heimat Österreich angewendet: Zunächst wurden im Februar zwei Vorzeigeshops in Linz und Pöggstall der Öffentlichkeit präsentiert, nun sollen bis zum Ende des Jahres alle 885 Läden umgebaut werden.

Insgesamt hatte Haberleitner mit seiner Beteiligungsgesellschaft Tap 09 nach der Schlecker-Pleite in Deutschland alle 1350 ehemaligen Auslandsfilialen in Österreich, Italien, Polen, Belgien und Luxemburg übernommen, weiterbetrieben und angekündigt, mit seinen Dayli-Shops das Konzept der Tante-Emma-Läden wiederzubeleben. Den großen Worten waren allerdings zunächst nur kleine Taten gefolgt: Es wurden lediglich die Regale aufgefüllt und die Schaufenster mit neuen Labels beklebt.

Die Läden sollen weit mehr als Drogerieartikel anbieten

Nach den ambitionierten Plänen des Investors sollen die Shops eine Renaissance der Nahversorger einleiten und in Zukunft weit mehr als Drogerieartikel verkaufen: Zum Angebot gehören neben Lebensmitteln, Kleidung, Elektrogeräten und Backwaren auch Dienstleistungen wie Paketannahme und Reinigung. An Terminals können sich die Kunden via Internet Waren in den Laden bestellen oder Autos mieten. „Wir bieten allein durch die Nähe ein Stück mehr an Lebensqualität, außerdem können die Kunden bei uns mit Leuten aus dem Ort kommunizieren“, erläuterte Haberleitner seine Visionen in einem früheren Interview.

Noch im Laufe dieses Jahres will der Österreicher rund 400 frühere Schlecker-Filialen in Bayern, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg wiedereröffnen. 300 Mietverträge seien bereits unterzeichnet. Mit weiteren Hauseigentümern gebe es Verhandlungen zur Anmietung. Die neuen Shops eröffnen in Städten ab 5000 Einwohnern und sind durchschnittlich 200 Quadratmeter groß. Nach den Testläufen im Süden Deutschlands soll eine Expansion nach Berlin und Brandenburg erfolgen. In einer dritten Etappe sollen dann auch Läden in Sachsen-Anhalt und Thüringen dazukommen. Einen genauen Zeitplan gebe es dafür allerdings noch nicht, sagte Haberleitner. Zuvor wolle der Investor den Markt dafür sondieren.

Haberleitner verhandelt auch mit Insolvenzverwalter Geiwitz

In Verhandlungen steht Haberleitner auch mit dem Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz. Dabei geht es um frühere Logistikstandorte des Drogerieimperiums von Anton Schlecker. Der Investor will Teile der Unternehmenszentrale in Ehingen und mehrere Regionallager anmieten, Geiwitz ist jedoch daran gelegen, die Immobilien zu verkaufen, um die Insolvenzmasse mit dem Verkaufserlös zu steigern.

In Österreich steht Haberleitner vor allem wegen der Ladenöffnungszeiten seiner Dayli-Märkte in der Kritik. Die ersten beiden Testfilialen sind auch an Sonntagen geöffnet, was der Investor in allen Filialen durchsetzen will. Gewerkschaften und Kirchen laufen gegen diese Pläne Sturm.

Schlecker, ehemals größte Drogeriemarktkette Europas, hatte am 23. Januar 2012 einen Insolvenzantrag gestellt und ist  mittlerweile weitgehend abgewickelt. 25 000 Beschäftigte in Deutschland verloren durch die Pleite ihren Job. Weniger als die Hälfte fand bisher eine neue Stelle.