Malya aus Stuttgart auf der Bühne von „The Voice Kids“ Foto: Seven.One/Claudius Pflug
Die zehnjährige Malya aus Stuttgart ist bei der neuen Staffel von „The Voice Kids“ dabei. Bis in die so genannten „Blind Auditions“ hat sie es geschafft. Doch wird sich nun auch ein Coach für sie umdrehen? Wir waren bei den Dreharbeiten in den Studios in Berlin dabei.
Ganz schön selbstbewusst, geradezu siegessicher geben sich Michi Beck und Smudo von den Fantastischen Vier. Sie gehören fast schon zum Inventar der Sendung „The Voice“ wie die roten Drehstühle, auf denen sie es sich im Studio in Berlin Adlershof bequem eingerichtet haben inklusive Getränk und Notizbuch.
Schon zwei Mal konnten Michi Beck und Smudo in ihrem Doppelstuhl mit einem Gesangstalent „The Voice Kids“ gewinnen. Zwei Mal gingen sie auch als Sieger der Erwachsenenversion „The Voice“ hervor. Nun haben sie sich lachsfarbene Wollmützen mit dem Schriftzug „Team Michi und Smudo“ und vier Sternen besticken lassen. Jedes Talent, das sich für ihr Team entscheidet, bekommt eine als Präsent. Im Studio in Berlin-Adlershof ist Sängerin Lena außer sich und schreit „Schiebung“. Natürlich ist das nur Spaß.
Die Coaches von „The Voice Kids“: Wincent Weiss, Alvaro, Lena, Michi und Smudo (von links nach rechts) Foto: Seven.One/Claudius Pflug
Für Menschen, die kein Privatfernsehen haben oder sich seit einigen Jahren im Internet in anderen Sphären herumtreiben: Bei „The Voice“ handelt es sich um ein beliebtes TV-Format. Eine Castingshow, die viel netter ist als etwa „Deutschland sucht den Superstar“ und vom holländischen TV-Produzenten John de Mol entwickelt wurde. Weltweit wird es in vielen Ländern ausgestrahlt, in Deutschland gibt es das Format seit 2011. Und außerdem eben auch eine Version, die sich „The Voice Kids“ nennt und bei der junge Sängerinnen und Sänger zwischen acht und 15 Jahren teilnehmen können.
Malya hat schon lange davon geträumt, auf dieser Bühne zu stehen. In der ersten Folge am 22. März ist sie dabei. Foto: Seven One/ Claudius Pflug
In der ersten Phase, die vom 22. März an im TV zu sehen ist, geht es um die sogenannten „Blind Auditions“. Die Kinder singen, die Jurymitglieder drehen ihnen den Rücken zu, sehen also nicht, was für ein Junge oder Mädchen da gerade singt. Nur die Stimme zählt. Wer vom gesanglichen Vortrag begeistert ist, drückt den roten Knopf, und der Stuhl dreht sich. Wenn sich mehrere Jurymitglieder umdrehen, hat das Kind die Qual der Wahl und kann sich für einen Coach entscheiden, der es weiterhin begleitet – in die sogenannten „Battles“, „Sing Offs“, und wenn es ganz wunderbar läuft, bis ins Finale.
Malya hat es bis in die „Blind Auditions“ geschafft. „Ich habe eigentlich gesungen, noch bevor ich sprechen konnte“, erzählt die Zehnjährige aus Stuttgart. Seit sie mit drei Jahren zum ersten Mal „The Voice“ gesehen hat, will sie auch an der Sendung teilnehmen. Ihre Eltern aber haben es ihr erst jetzt erlaubt – auch unter der Prämisse, dass die Schulnoten nicht darunter leiden. Das Prozedere, bis man als Kandidatin bei den „Blind Auditions“ teilnehmen kann, ist nicht nur lang, sondern auch ein großer Wettbewerb.
Malya singt vor der Smartphonekamera „At Last“ von Etta James.
Viele Zehntausende Videobewerbungen sollen bei der TV-Produktionsfirma für die aktuelle Staffel „The Voice Kids“ eingegangen sein. Über genaue Zahlen hält man sich hier bedeckt. Malya singt vor der Smartphonekamera „At Last“ von Etta James, ein echter Soulklassiker. Und das so gut, dass sie mit etwa tausend anderen zum Vorsingen eingeladen wird. Mit „Rolling in the Deep“ von Adele kommt sie in die nächste Runde nach Berlin-Adlershof. Das verrät man ihr aber zunächst noch nicht.
Nur Malyas Eltern wissen Bescheid und können sie unter einem Vorwand – ihre Perlen zum Armkettchenbasteln sind aus – in einen Bastelladen am Stuttgarter Hauptbahnhof locken. Dort wird sie von der ehemaligen Kandidatin Chiara Castelli überrascht, die ihr ein Armband mit den Worten „Blind Audition“ schmackhaft machen möchte. Malya ist glücklich.
In den Studios in Berlin-Adlershof
Anfang Januar in den Studios von Berlin-Adlershof. Es ist ein Tag der „Blind Auditions“, der blinden Bewerbungen. Vor den Studios Kinder mit Plakaten, jedes Coachingteam hat seine Fans, die auf ein Selfie mit dem Star warten. Drinnen aufgeregte Stimmung. Die Coaches, Michi und Smudo, Lena Meyer-Landrut, Wincent Weiss und Alvaro Soler, sind frisch aus der Maske und nehmen auf ihren Drehstühlen Platz. Den zwölf Talenten, die heute Nachmittag in einem Durchgang vorsingen werden, sind sie hinter den Kulissen nicht zufällig über den Weg gelaufen. Alles ist strikt getrennt. Zwei Durchgänge werden heute gefilmt. Die jungen Gesangstalente mit ihren Familien hier, die ein paar Tage mit Generalprobe, Gesangscoachings und etwas Sightseeing in den bitterkalten Januartagen in Berlin verbringen.
Adlershof liegt rund 50 Bahnminuten Richtung neuem Flughafen vom Zentrum entfernt. Ein ödes Industriegebiet, in dem an ein paar Tagen im Jahr viele, sehr nervöse Kinder sind, die dem Traum vom Popstarleben etwas näher kommen wollen.
Ein TV-Show-Profi im Publikum
Tim aus Berchtesgaden, 22 Jahre alt, hat sich in den Rängen des Publikums eingerichtet. Er ist TV-Publikum-Profi. Es ist sein, zugegeben, etwas abseitiges Hobby, bei all den Sendungen dabei zu sein, „bevor ich daheim rumsitze“. Er war schon bei „Joko & Klaas“, bei „Duell gegen die Welt“, „Schlag den Star“ und so weiter und so fort. Auch bei den Mitbewerbern von RTL mit dem Titel „Deutschland sucht den Superstar“, da aber, so erzählt er, wird auch mal eingeblendet, wenn man im Publikum „böse schauen“ soll. Er mag die Formate von Pro Sieben und Sat.1 mehr. Bei „The Voice“ aber am liebsten die Liveshows am Schluss, bei denen nicht so viel Zeit für Geplänkel bleibt.
Es sind die kleinen Tricks, von denen die Zuschauer zu Hause auf der Couch nichts mitbekommen
Das ist heute bei der Aufzeichnung von den „Blind Auditions“ von „The Voice Kids“ anders. Das Moderatorenteam Melissa und Thore wird von einem Anheizer im lustigen Blumenanzug angekündigt, das Publikum, das aus TV-Fans wie Tim, aber vor allem aus mitgereisten Familienmitgliedern und Freunden der Kandidaten besteht, applaudiert. Alles muss draußen bleiben: Jacken, Taschen, aber vor allem Smartphones und digitale Uhren. Nichts soll vor Ausstrahlung in irgendwelche sozialen Medien gelangen. „In all den Jahren sind mehr Eltern als Kinder umgekippt“, sagt der Moderator Thore. Und man glaubt ihm das sofort. Ein gerade mal achtjähriges Mädchen, das zur Unterstützung ihre Kuscheltiere Schweini und Schildi mit auf die Bühne bringt, tritt ebenso an wie ein 15-jähriger Sangesprofi. Die Bandbreite ist groß, die Vielfalt auch, was aber alle eint: Wer es bis hierher geschafft hat, ist wahnsinnig gut.
Die Jury muss genau hinhören, Mut machen, trösten und viele Tränen trocknen. Auch Freudentränen. Weil Michi und Smudo schon so oft gewonnen haben, haben sich Alvaro, Wincent und Lena gegen sie verschworen. Da müssen sie alles geben, etwa eine Einlage wie ein Stepptanz von Smudo, zum Klavierspiel von Michi Beck. Lena und Alvaro singen „The Beauty and the Beast“, und wenn sich Alvaro dann versingt, wird nur die Tonspur wiederholt. Es sind die kleinen Tricks, von denen die Zuschauer zu Hause auf der Couch nichts mitbekommen.
In diesem Video singt Malya mit den Coaches:
Aber schon davon, wenn sich auch mal keiner der Stühle dreht, wenn Tränen getrocknet werden oder wenn um die Gunst eines Kandidaten gebuhlt wird. „Hast du Tomaten auf den Ohren?“, wird Alvaro mal beschimpft, als er den roten Knopf nicht gedrückt hat.
Hinter den Kulissen bekommen die Teilnehmenden und ihre Familien nichts davon mit, was auf der Bühne passiert, für welches Kind sich die Jury umdreht, wer seinen Einsatz auf einer falschen Höhe beginnt. Malya ist als achte Kandidatin an der Reihe. Ihr Traum hat sich in dem Moment schon erfüllt, als sie mit einem Song von Anastacia beginnt. Sie wollte einmal auf der Bühne von „The Voice Kids“ stehen. Und am Ende wird sie das gar mit allen Coaches.
The Voice Kids
Sendetermin Die Sendung wird am 22. März um 20.15 auf Sat 1 ausgestrahlt.