Das große Ziel sei es, dass es die Projektgruppe Ende 2024 gar nicht mehr braucht. „Wir wollen uns eigentlich obsolet machen“, sagt Ilona Schaal. Bis es so weit ist, gibt es aber noch einiges zu tun. Das Projektteam von Solidach – angestoßen vom Theater Rampe – möchte dazu beitragen, dass sich bis November die Eigentümer von mindestens zehn Mehrfamilienhäuser im Stuttgarter Süden für eine Solaranlage entscheiden.
Aber von vorne: Was hat ein Theater mit Solaranlagen zu tun? „Der Klimaschutz ist ein Thema für uns“, sagt Ilona Schaal vom Rampe-Leitungsteam. Zunächst hätten sie sich überlegt, ob sich verschiedene Kulturbetriebe zusammentun könnten, um ihre Dächer mit Solarmodulen zu bestücken. Doch die Besitzverhältnisse seien teils komplex, sagt Schaal. So hat sich die Idee weitergesponnen – bis Solidach daraus wurde.
Suche nach mindestens zehn Eigentümergemeinschaften
Das Projekt hat 2023 Geld aus dem Klima-Innovationsfonds der Stadt Stuttgart bekommen, um damit Leute von Oktober 2023 bis November 2024 zu engagieren. Anna Szilágyi-Nagy, Karl Michael Lange und Lisa Sperling-Dossa teilen sich in der Zeit eine Vollzeitstelle, um die Sache voranzubringen. Sie haben sich vorgenommen, dass durch ihre Hilfe im Minimum zehn Wohnungseigentümergemeinschaften (WEGs) ihr Dach mit Solarmodulen ausstatten lassen.
In Stuttgart-Süd, wo das Theater Rampe zu Hause ist, wohnen in der Regel viele Menschen gemeinsam unter einem Dach. Während es bei einem Einfamilienhaus vom Grundsatz her recht einfach ist, eine Solaranlage zu installieren, taucht in Eigentümergemeinschaften ein Haufen an Problemen auf. Für diese wollen die Verantwortlichen von Solidach Lösungen suchen. Derzeit ist das Team dabei, seine Bekanntheit zu steigern und den Fuß in Mehrfamilienhäuser zu bekommen, sagt Karl Michael Lange.
Solarcafé als regelmäßiges Format
Vor Kurzem war zum Beispiel das erste Solarcafé; ein von nun an regelmäßiges Format für Austausch und Infos, das nächste ist am 24. März. 50 bis 60 Leute seien bei der Erstauflage dagewesen, inzwischen hätten um die 25 von ihnen eine schriftliche Interessensbekundung abgegeben. Wer sein Interesse so fixiert, bekommt kostenlos Besuch von einem Energieberater der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, mit der Solidach kooperiert. Der Experte gebe eine technische Einschätzung, und im besten Fall bestellt die WEG hinterher eine Solaranlage.
Weil sich aber eben bei einem Mehrfamilienhaus auf dem Weg zu Photovoltaik viele Fragen stellen, kommt genau an dieser Stelle das Projekt ins Spiel. Es gehe ja um Aushandlungsprozesse, erklärt Ilona Schaal vom Theater Rampe, „zum Beispiel um Verteilungsfragen bei den Kosten, aber auch beim Strom“. Solidach will hier über die Monate Modelle erarbeiten, wie die Miteigentümer ins Gespräch und letztlich zu einer solidarischen Einigung kommen können.
Mit den Solarscouts vernetzt
Mit den in Stuttgart neu gegründeten Solarscouts, die Nachbarn in ihrem Bezirk zu Photovoltaik beraten, hat sich Solidach längst vernetzt. „Wir verstehen uns als Komplementär“, sagt Karl Michael Lange. „Als Socialscouts.“ Einmal im Monat widmen sie sich aber auch ganz praktischen Fragen. In dem Online-Format, das das nächste Mal am 21. Februar ist, geht es beispielsweise um Mieterstrom, um Rechtliches oder um Handwerkliches.
Zu ihrem ungewöhnlichen, eher künstlerischen Ansatz gehören ein für dieses Jahr geplantes Sonnenfest oder eine Solarpopcorn-Aktion am Marienplatz. Am wichtigsten wäre ihnen jedoch, dass sie bis November 2024 etwas aufbauen, was für sich funktioniert, sagt Ilona Schaal. „Die Idee ist, ein langfristiges Format zu entwickeln.“ Einen Selbstläufer.