Theater Rampe Nicki Lisztas Team sagt tanzend tschüss
Im Theater Rampe stehen die Zeichen auf Abschied. Auch die Choreografin Nicki Liszta und ihr Backsteinhaus-Team machen Schluss – mit der Performance „Happy Endings“.
Im Theater Rampe stehen die Zeichen auf Abschied. Auch die Choreografin Nicki Liszta und ihr Backsteinhaus-Team machen Schluss – mit der Performance „Happy Endings“.
Schlechte Gewohnheiten hinter sich lassen und gute Vorsätze fassen: Zum Jahreswechsel sind wir Meister im Abschiednehmen. Wie kommt man raus aus alten Denkmustern, Verhaltensweisen, Strukturen? Das ist auch die große Frage unserer krisengeplagten Zeit. Die Stuttgarter Choreografin Nicki Liszta und ihr Team suchen in ihrer neuen Produktion „Happy Endings“ Lösungen im Kleinen, die mit dem eigenen Körper als Material die Verfassung des Ganzen nicht aus dem Blick verlieren.
Die Premiere am Donnerstag im Theater Rampe hat auch Dernièren-Stimmung. Zum Saisonende verabschieden sich die beiden Intendantinnen; schon jetzt sagt Lisztas Backsteinhaus-Team tschüss. Die Kompanie aus der freien Szene ging 2016 eine feste Verbindung mit dem Theater im Zahnradbahnhof ein. Nun versammeln sich nach sieben Jahren Lisztas acht Akteure, viele wie die Tänzerin Isabelle Gatterburg oder der Musiker Heiko Giering langjährige Wegbegleiter der Choreografin, in schwarzen Kleidern zu einer letzten Show, die Erinnerungen an schöne Tanztheatermomente, Ausblicke und in bewährter Manier Genres mixt.
Vom Rand aus halten drei Multi-Instrumentalisten den Abend zusammen, machen lauten Rock, traurigen Pop, nervigen Punk, sodass „Happy Endings“ auch ein schönes, getanztes Konzert ist. Doch gemütlich ist es bei Nicki Liszta nie, die Choreografin bleibt eine Meisterin darin, dem Publikum ihre Anliegen unter die Haut zu injizieren – und so leiden wir noch einmal mit den Wesen aus „Wolfgang“ (2017) an den schmerzvollen, kräftezehrenden Sprüngen der Evolution, frösteln mit den Nackten aus „Show down“ (2021) über die Distanz, die uns von unserem Ursprung trennt. Immer wieder werfen impulsive Tanzszenen, die ihre Protagonisten sich aufbäumen lassen oder sie in den Raum katapultieren, Körper auf ihre Kreatürlichkeit zurück.
Wie können wir besser zusammenleben? Auch das eine Frage, die „Happy Endings“ stellt. In einer goldenen Box durften die Zuschauerinnen und Zuschauer hinterlassen, von was sie sich gern verabschieden würden. Einsamkeit, Schamgefühl, Selbstzweifel, materieller Ballast, ungesunde Beziehungen, Gewaltbereitschaft, Vorurteile steht auf den Zetteln: Einiges kam da zusammen, ohne das die Welt eine bessere wäre. Man ahnt, dass Nicki Liszta und ihr Team nach dieser Materialsammlung das Thema Abschied noch ein Weilchen begleiten wird – auch wenn die Tanzkompanie und ihre Arbeit bei den Passanten, die rund ums Theater Rampe witzig und uneitel für eine Filmprojektion befragt wurden, wenig Spuren hinterlassen hat.
Wieder am Freitag und Samstag, 20 Uhr