Theaterschiff in Stuttgart Mit der halben Kulturszene im Doppelbett

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Feiern, tanzen, Spaß haben und dabei Gutes tun. Die Fete Privée auf dem Theaterschiff am Neckarufer in Stuttgart zeigt, wie das geht.

Die Gastgeberinnen Cordula Polster  und Christina Semrau (v.l.) Foto: Lichtgut/Julian Rettig 7 Bilder
Die Gastgeberinnen Cordula Polster und Christina Semrau (v.l.) Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Ein Kulturtalk in Form eines Bettgeflüsters, in den Kulissen des Theaterstücks „Die Wahrheit“ – besser könnte man sich das nicht ausdenken. Im Doppelbett auf der Bühne des Theaterschiffs am Neckarufer in Bad Cannstatt haben am Samstagabend Platz genommen: die Kapitänin und Intendantin Cordula Polster, Timo Steinhauer vom Friedrichsbau-Varieté, der Chef im Renitenztheater, Sebastian Weingarten, der Intendant der Schauspielbühnen, Axel Preuß, und der neue Kulturamtsleiter Mark Gengenfurtner. Das habe schon was, meinte der gebürtige Schwabe und aus München Heimgekehrte, nach nur sechs Wochen im Amt „mit der halben Kulturszene ins Bett zu hüpfen“.

Vom Gespräch unter vielen Augen nahm er mit, dass das Alte Schauspielhaus und die Komödie im Marquardt dringend neue Stühle brauchen, aber auch, dass die hiesige Szene bestens vernetzt ist und ganz und gar nicht eingeschlafen. So tritt etwa Sebastian Weingarten demnächst als Schauspieler bei Axel Preuß auf im „Diener zweier Herren“. Und er selbst hofft, zum 60. Renitenz-Geburtstag 2021 einige der Kabarett-Granden dabeizuhaben wie Konstantin Wecker, Otto Waalkes und Emil Steinberger – der wäre dann 88. Das Varieté lässt 2020 die Goldenen 20er des 20. Jahrhunderts aufleben. Das konnte man als Aufruf verstehen: Timo Steinhauer wäre froh, „wenn wir finanziell so abgesichert wären, dass wir nicht immer überlegen müssten, wo wir sparen können“.

Tanzwütige und Kulturvolk

Zusammengebracht hat die Bettgemeinschaft Christina Semrau, die Gastgeberin des Abends mit dem schönen Titel La Fête Privée, die Privatfeier also, sofern eine solche bei mehr als 120 Gästen möglich ist. Am Samstag hat die Reihe, die 2009 startete und zum zweiten Mal auf dem Theaterschiff stattfand, ihr Zehnjähriges gefeiert. „Wir haben als ,twenty7up‘ angefangen“, erzählte Christina Semrau, „obwohl wir da alle ein wenig drüber waren. Anfangs wollten wir vor allem ein bisschen tanzen.“ Das war leicht untertrieben: Bei der Party im Schiffsbauch gab die bunte Schar aus Tanz- und Kulturvolk zur Musik von DJ Jochen Knobel alles.

Außerdem ist die Fête Privée mit ihrer großen Tombola zugunsten des Kinderhospizes quasi nebenbei zur Benefizveranstaltung geworden, bei der Gutes tun und Spaß haben sich nicht ausschließen. Einer der Sponsoren der Tombola, der Musiker Buddy Bosch, war zu Beginn der Party mit seiner Band Muggabatschr aufgetreten. Mitgebracht hatte er die brandneue Stuttgart-Hymne: „Stuagert my Städtle“. Was die Kölner können, das können wir auch.




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