Thema Energiewende beim Kongress „Stadt der Zukunft“ Energiewende: kleine Winde, große Wirkung

Windkraft-Bäume für den Stuttgarter Marktplatz? Bernd Plietker über Alternativen zu Windrädern Foto: /Lichtgut/Leif Piechowski

Energie aus Windkraft, erzeugt mit Hilfe schlauer Straßenlaternen? Bernd Plietker forscht mit seinen Kollegen an Kleinwindanlagen für die Stadt.

Stuttgart - Es gibt unterschiedliche Wege, eine Zugfahrt von Darmstadt nach Stuttgart zu nutzen. Man kann sich über die heruntergewirtschaftete Bahn und verspätete ICEs aufregen. Man kann aber auch über die Energiewende sinnieren. Bernd Plietker, Professor am Institut für organische Chemie an der Universität Stuttgart, hat sich für letzteres entschieden. Gemeinsam mit anderen Pendlern mit einem Sinn für Strom, der vor Ort und nicht in weiter Ferne produziert werden kann, hat sich Plietker der Frage gewidmet, wie Kleinwindanlagen zur lokalen, dezentralen Stromerzeugung beitragen könnten. In einem Promotionskolleg der Uni Stuttgart, der Hochschule für Technik Stuttgart und der Hochschule Esslingen wird an „WindyCities“ geforscht.

 

Plietkers Ausgangsfrage: Wie kann Chemie dazu beitragen, Energie zu sparen? Der Chemiker kommt aus Norddeutschland. Wer die riesigen Windkraftanlagen in Küstennähe kennt, der kann verstehen, dass Plietker mit seinen Mitstreitern an einer kleinen Anlage mit großer Wirkung forscht. Das Problem an den riesigen Windrädern: Es dauert zu lange, bis sie zum Einsatz kommen und zwar 60 Monate von der ersten Idee bis zum fertigen Windrad. „Mitte der 80er waren die Windräder noch klein, heute sind es monströse Maschinen, die bis zu 220 Meter hoch sind“, erklärte Plietker.

Gesucht: Alternativen zu riesigen Windkrafträdern

Der Wissenschaftler stellte Alternativen zu den Windkraftriesen vor: Laternenmasten, die schon heute in Singapur im Einsatz sind, die dort Strom durch Windkraft erzeugen. „Da geht es um geringe Windgeschwindigkeiten, die trotzdem genutzt werden können“, sagte Plietker, und zeigte weitere Alternativen zu riesigen Windrädern auf, zum Beispiel sogenannte Windbäume – hübsch anzusehen, wären ja vielleicht was für den Stuttgarter Marktplatz.

Plietkers eigener Forschungsgegenstand, die Kleinwindanlage, wird noch eine Weile bis zur Serienreife brauchen. Eines der Probleme: Man braucht ganz genaue Strömungssimulationen, weil man die wenigen Windschneisen in einer Stadt wie Stuttgart nicht antasten kann, da sonst kostbare Frischluft flöten geht. Mit seinem Vortrag brachte Plietker auf jeden Fall jede Menge Rückenwind in den zweiten Tag des Zukunftskongresses, den die Stuttgarter Zeitung bereits zum sechsten Mal ausgerichtet hat.

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