Therapie gegen Hitzestress Die Stadtgärtner gießen am laufenden Band

Thomas Schüssler vom Grünflächenamt versorgt die Großkübel mit Wasser. Foto: Roberto Bulgrin

In der Hitzesaison versorgt das Esslinger Grünflächenamt Pflanzen und Bäume mit rund 50 000 Liter Wasser pro Tag. Was hilft sonst gegen Hitzestress?

Region: Corinna Meinke (com)

„Wasser marsch!“ heißt es in diesen heißen Zeiten auch beim Grünflächenamt der Stadt Esslingen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun, um die Pflanzen in Kübeln, Kästen und Beeten mit genügend Nass zu versorgen. Bis zu 50 Kubikmeter Wasser, das entspricht 50 000 Liter täglich, sind dafür notwendig – Tendenz steigend. Fünf Gießfahrzeuge, darunter zwei Lastwagen mit jeweils 6000 Liter Volumen, verteilen das kostbare Nass im Stadtgebiet. Das Wasser kommt zum Teil aus der eigenen Zisterne, teilt die Stadtverwaltung mit. Von nächster Woche an greift eine weitere nachhaltige Versorgung, wenn das Wasser aus der Spülung der Filteranlage im Merkel’schen Bad als Gießwasser verwendet werden soll, das sonst ins Abwasser geleitet würde.

 

Auch die Grünflächen dürsten

„Wir wässern derzeit alle neu gepflanzten Bäume, Anpflanzungen von Sommerblumen wie beispielsweise am Schelztor, die Balkonkästen etwa rund um die Agnesbrücke, teilweise Neuansaaten sowie die zentralen Rasenflächen auf der Maille und am Inneren Burgplatz“, beschreibt Florian Pietsch, Leiter der Freiflächenpflege und -unterhaltung beim Grünflächenamt der Stadt Esslingen, die Aufgaben. Vor allem die 150 Kübelpflanzen mit attraktiven Pflanzen wie Buchsbäumen, Thuja und Portugiesischem Lorbeer benötigen zwei bis dreimal pro Woche Wassergaben, da sich die Pflanzgefäße stark aufheizen und die Feuchtigkeit dort schneller verdunstet als etwa in Beeten. Ein wenig Abhilfe können auch Wasserdepots schaffen, wie sie beispielsweise in die Großkübel auf dem Bahnhofplatz eingebaut sind.

Auch die Rasenflächen der Maille und die Liegewiesen auf der Burg werden momentan dreimal pro Woche versorgt, „allerdings nur während der aktuell extremen Trockenheit als Vorbereitung für die zahlreichen Veranstaltungen der kommenden Wochen, sagt Pietsch.

Aber trotz engagierter Pflege hat dieser heiße Sommer beim Stadtgrün schon erste Opfer gefordert: „Uns sind rund zehn Kübelpflanzen mit Buchsbäumen ausgefallen. Diese haben wir durch portugiesischen Lorbeer ersetzt“, beschreibt Pietsch den Schaden durch Hitzestress.

Der Mittelmeerraum und Asien sind Vorbilder

Das Grünflächenamt setzt inzwischen zunehmend auf Stauden und Gräser und trockenheitsverträgliche Pflanzen aus dem Mittelmeerraum oder aus Gegenden wie Anatolien, Westasien, Südamerika oder China. Alternativen können aber auch artenreiche heimische Wiesenansaaten aus dem Bereich der mageren und der Hitze ausgesetzten Kalksandrasenflächen sein.

Stauden haben sich nach Pietschs Beobachtung auf den Verkehrsinseln in der Kiesstraße sehr gut bewährt, und es gebe auch entsprechend positive Rückmeldungen aus der Bürgerschaft. „Bei extremer Trockenheit sehen jedoch fast alle Anpflanzungen vertrocknet und gelb aus. An diesen Anblick müssen wir uns wahrscheinlich gewöhnen“, vermutet der Fachagrarwirt und Gärtnermeister.

Auch die Bäume sind durstig. Neu gepflanzte Bäume werden in den ersten fünf Jahren bis zu 15-mal pro Jahr mit jeweils 200 bis 300 Litern Wasser versorgt. Gerade beim Blick auf die Straßenbäume greift das Grünflächenamt verstärkt auf hitzeresistente Sorten wie Feldahorn und südosteuropäische Geschwister wie die ungarische Silberlinde, die ungarische Eiche oder die vom Balkan stammende Zedereiche zurück. Auch chinesische Ahorne oder texanische Eichen sind schon im Bestand. Wichtig sind große Wurzelbereiche, damit die Bäume in grundwasserführende Schichten wurzeln können.

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