Thomas Sprißler in Herrenberg Eindrucksvoller Abschied für einen „Vorzeige-OB“
Heitere Rückschau mit viel Herzlichkeit: Herrenberg verabschiedet Thomas Sprißler als Oberbürgermeister – und bewegt ihn damit sehr.
Heitere Rückschau mit viel Herzlichkeit: Herrenberg verabschiedet Thomas Sprißler als Oberbürgermeister – und bewegt ihn damit sehr.
„Du warst einfach ein absolut herausragender Chef!“ Dieser Satz, mit dem Baubürgermeisterin Susanne Schreiber ihre Rede im Namen der Verwaltung am Freitag beendete, fängt die Atmosphäre der abendfüllenden Veranstaltung gut ein: Herzlich und heiter ging es zu. Außerdem lernten die Anwesenden – auch die Bürgerschaft war eingeladen – die eher unbekannten Seiten des Rathauschefs kennen, etwa sein Verständnis von Führung als Teamplayer oder Privates wie seine Liebe zu den Bergen.
Kurz und gut: Nicht die eindrucksvolle Bilanz aus der Oberbürgermeister-Amtszeit – rund 180 Stichpunkte mit wichtigen Themen und Ergebnissen während der 16 Jahren, umfasst die Liste auf der Homepage – stand im Mittelpunkt, sondern ganz klar der Mensch Thomas Sprißler.
Unkonventionell startete die dreistündige Veranstaltung, die musikalisch von der Musikschule umrahmt wurde: Herrenbergs Erster Bürgermeister Stefan Metzing, der sich nach einer Operation auf ärztliches Anraten noch nicht in größere Menschenmengen begeben soll, übernahm die Begrüßung per Video. Neben Susanne Schreiber, ergriff auch Regierungsvizepräsidentin Sigrun von Strauch das Wort: „Die Gemeinschaft zu stärken“ habe Sprißlers Amtszeiten als Bürgermeister geprägt. So habe er die Kultur des Miteinanders mit der Bürgerbeteiligung in Mötzingen, wo er vor seiner Zeit in Herrenberg ab 1994 Bürgermeister war, bereits gelebt, als diese noch gar nicht im Fokus gestanden habe.
Die Ansprache von Freie-Wähler-Sprecher Thomas Deines für den Gemeinderat, entpuppte sich als launige Ergebnispräsentation einer von ihm durchgeführten Umfrage. „Meinungsstärke“, „Respekt für andere Meinungen“, aber auch „Freiraum für die Mitarbeiter“ waren demnach Einschätzungen zu Sprißlers Amtsführung. In zwei Talkrunden, durch die Volkshochschulleiterin Sabine Käser-Friedrich führte, gewährten zudem mehrere Weggefährten Sprißlers Einblicke in ihre Verbindungen und Verhältnis zum scheidenden Stadtoberhaupt.
So blickten in Runde eins die heutigen Bürgermeisterkollegen Bernd Dürr (Bondorf) und Matthias Schöck (Hildrizhausen) auf ihre gemeinsame Zeit im Mötzinger Rathaus mit Sprißler als Chef zurück. Als „Vorzeige-OB“ und „Macher, Könner, Gestalter“, bezeichnete ihn Landrat Roland Bernhard (parteilos). Für den CDU-Bundestagsabgeordnete Marc Biadacz ist Sprißler auch Ratgeber: Sich von der Politik nicht auffressen zu lassen, sei ein solcher Rat gewesen.
Sprißlers wertschätzende Art auf Augenhöhe zu sprechen und zuhören, stellte Alexander Riegler, der Schulleiter der Jerg-Ratgeb-Realschule in der zweiten Talkrunde heraus. Als „lösungsorientiert“ bezeichnete Jan Rhotert, Chef der SG H2Ku, der als Vertreter der Vereine sprach, die Zusammenarbeit. Im Dialog mit der Jugend sei der Rathauschef „nahbar“ und am Austausch interessiert gewesen, betonte Hendrik Riester als Vertreter der Jugenddelegation. „Wie ein Geschwisterpaar“ seien Stadt und Kirchen während Sprißlers Amtszeit unterwegs gewesen, unterstrich Pfarrer und stellvertretender Dekan der evangelischen Kirche Ulrich Behrendts.
Der so viel Gelobte ließ seine Gäste bei seiner sehr persönlichen Abschiedsrede an seiner Gefühlslage teilhaben. „Während ich hier vor ihnen stehe, durchströmt mich eine Vielzahl an Gefühlen“: Große Dankbarkeit gehöre dazu, aber es sei auch „ein Stückweit ein Augenblick der Wehmut“, bekannte der 58-Jährige, der nun in die Beratungsfirma seiner Partnerin einsteigen wird.
An diesem Dienstag übergibt Thomas Sprißler die Amtsgeschäfte an seinen bisherigen persönlichen Referenten Nico Reith – der am 3. Dezember zu seinem Nachfolger gewählt wurde. Offiziell ins Amt eingesetzt wird der neue Rathauschef in der Gemeinderatssitzung am Mittwoch, 28. Februar.