OB-Wahl in Herrenberg Thomas Werner will verkrustete Strukturen aufbrechen

Die Wohnungspolitik will Thomas Werner zur Chefsache machen. Foto: Eibner/Sandy Dinkelacker

Die Bürger sollen sagen, wie sie über Herrenberg denken: Der parteilose Kandidat Thomas Werner will im Dialog die Stadt auf ein neues Gleis setzen.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Seine Muttersprache ist Deutsch, seine Vatersprache ist Französisch. Thomas Werner, 41, Kandidat für das Amt des Herrenberger Oberbürgermeisters, ist als Sohn eines französischen Zollbeamten und einer deutschen Mutter in Baden-Baden aufgewachsen. Wer ein Sohn zweier Welten ist, muss sich irgendwann entscheiden. Thomas Werner entschied sich für die Welt rechts des Rheins und für die Welt der Wirtschaft. Nach dem Zivildienst im Behindertenfahrdienst nahm er in Worms ein Studium der Betriebswirtschaftslehre auf.

 

Beinahe wäre er schon früher ins Schwabenland gekommen, als er bei Daimler-Benz promovieren wollte, doch zogen ihn lukrativere Karriere-Chancen nach München, wo er sieben Jahre lang in der Personalbranche arbeitete. Danach ließ er sich aus familiären Gründen in der Gegend zwischen Schwarzwald und Schwäbischer Alb nieder: „Landschaftlich reizvoll“, sagt er, sei die Gegend, und sie habe ein enormes Potenzial. Genau richtig für seine Familie mit zwei kleinen Kindern. Von Tailfingen aus führt er zusammen mit einem Partner seine eigene Firma, die „Mercier Recruiting“ in München.

Verkrustete Strukturen aufbrechen

Dieses Know-how in der Personalgewinnung will er besonders in die Herrenberger Stadtverwaltung einbringen. Er glaubt, dass es in Herrenberg verkrustete Strukturen aufzubrechen gelte, und dass vieles in der Lokalpolitik an die Wand gefahren sei. Mehr als 100 Gespräche hat er schon geführt, um sein politisches Feld zu erkunden und seine Strategie im Wahlkampf zu entwickeln. Deprimierend ist für ihn der Leerstand in der Altstadt. Er will hier in den Dialog mit den Eigentümern gehen, um neue Geschäfte anzusiedeln und die Altstadt attraktiv zu halten. Dazu gehören für ihn manchmal nur ein paar Handgriffe. Der Text „Hier entsteht in Kürze ein neues Geschäft“ auf einer Schaufensterfolie wäre schöner als der Blick durch düstere Fenster auf leere Ladenräume. Seine Expertise in der Personalbranche will er auch nutzen, um neue Firmen in Herrenberg anzusiedeln. „Das ist kein Prozess von jetzt auf gleich“, sagt er, aber man müsse sich der Herausforderung stellen. Natürlich ist ihm der Unterschied zwischen einer kommunalen Stadtverwaltung und einem Unternehmen klar, bei dem man von einer Sekunde auf die andere beschließen kann, das Geschäftsmodell zu ändern. Für die Verwaltung sieht er in der Digitalisierung eine gute Möglichkeit, Prozesse zu beschleunigen. Personalgewinnung ist für ihn überhaupt der Schlüssel zu einer funktionierenden Stadt. Dabei geht es ihm nicht nur um die Verwaltung, sondern auch um die städtischen Einrichtungen wie Kindergärten oder Schulen. Ihm ist klar, dass hier der Oberbürgermeister nicht alles richten kann, aber er würde in diesem Punkt auf Fremdfirmen setzen, die gute Mitarbeiter beschaffen könnten.

Zur Chefsache will er jedoch vor allem die Wohnungspolitik machen. Das Gespräch mit den Bürgern ist für ihn erste Wahl, um ungenutzte Ressourcen in der Stadt für Wohnungen zu reservieren. Auch die Infrastruktur ist wichtig. Als jemand, der tief mit Frankreich verbunden ist, sieht er, wie dort Kreisverkehre statt Ampeln den Verkehr bewältigen.

28 Fragen zur Stadt sind online

Online sucht Thomas Werner den Austausch mit den Bürgern und hat eine Umfrage ins Netz gestellt mit 28 Fragen zur Stadt. Hier geht es unter anderem auch um das Herrenberger Krankenhaus. Wie wichtig eine wohnortnahe medizinische Versorgung ist, das hat er selbst erlebt: Als sein Sohn gestürzt war und ins Krankenhaus musste, stand er eine halbe Stunde im Stau, bevor das Kind in Behandlung kam.

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