Threema, Signal, Telegram Drei sichere Alternativen zu Whatsapp

Unsere Bilderstrecke zeigt drei Whatsapp-Alternativen im Überblick. Foto: dpa 6 Bilder
Unsere Bilderstrecke zeigt drei Whatsapp-Alternativen im Überblick. Foto: dpa

Viele Whatsapp-Nutzer klagen am Montag über massive Probleme. Doch die Suche nach einem neuem Messenger ist gar nicht so einfach. Wir stellen drei Alternativen vor und erklären die Vor- und Nachteile.

Digital Unit : Beate Grünewald (bpu)
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Stuttgart -  Die Abhängikeit vieler Nutzer von Whatsapp hat sich am Montagabend gezeigt, als mehrere Dienste des Facebook-Konzerns stundenlang nicht erreichbar waren. Doch welche Messenger-Alternativen gibt es? Und welche Vor- und Nachteile haben diese? Drei bekannte Messenger im Überblick:

1. Threema – Schwerpunkt auf Datenschutz

Vorteile: guter Datenschutz; ähnliche Funktionalität wie Whatsapp; werbefrei; mit Web- bzw. Desktopversion

Nachteile: kostenpflichtig; weniger Nutzer als Whatsapp

Threema ist ein Schweizer Unternehmen mit Sitz im Großraum Zürich und funktioniert im Grunde genommen wie Whatsapp: Es gibt Einzelchats und Gruppenchats, in denen Bilder, Videos und Textnachrichten hin- und hergeschickt werden können. Auch Sprachnachrichten können über Threema versendet werden. Auch Anrufe sind bei diesem Messenger mittlerweile möglich.

Der entscheidende Unterschied ist aber der Umgang mit den Nutzerdaten: Threema garantiert nach eigener Aussage die Privatsphäre durch technische Verschlüsselung. Kontakte werden beispielsweise auf dem jeweiligen Gerät des Nutzers, nicht aber auf einem Server verwaltet. Das heißt, dass die Nachrichten selbst von Threema nicht mitgelesen werden können.

Die Identifikation eines Nutzers erfolgt über eine achtstellige ID. Nur auf eigenen Wunsch kann diese ID mit der eigenen Telefonnummer und Mailadresse verknüpft werden. Wer will, kann Threema anonym nutzen. Der Messenger kann also im Gegensatz zu Whatsapp ohne Angabe personenbezogener Daten genutzt werden. Threema ist nach eigener Aussage zu einhundert Prozent unabhängig und eigenfinanziert.

Die Server befinden sich in der Schweiz und unterliegen damit strengen Datenschutzrichtlinien. Außerdem ist die App werbefrei, ist allerdings nicht kostenlos zu haben. Nutzer des Betriebssystems Apple iOs zahlen für Threema einmalig 3,49 Euro, Nutzer eines Android-Geräts 2,99 Euro und Inhaber eines Windows Phone 1,99 Euro. Außerdem gibt es seit 2017 die Möglichkeit, Threema auch am Desktop-Rechner zu nutzen und nicht nur auf dem Smartphone.

2. Signal – Empfehlung von Whistleblower Edward Snowden

Vorteile: guter Datenschutz; kostenlos; ähnliche Funktionalität wie Whatsapp; werbefrei; hohe Glaubwürdigkeit; mit Web- bzw. Desktopversion

Nachteile: weniger Nutzer als Whatsapp; Server steht nicht in Europa

Der Messenger Signal ist vor allem durch Edward Snowden bekannt geworden. Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter hatte 2013 Details über das Abhörprogramm der USA veröffentlicht und damit die NSA-Affäre ausgelöst. Im Zusammenhang mit der Aufdeckung weltweiter Überwachungs- und Spionagemethoden hatte Snowden den Messenger Signal für sicher erklärt. Er selbst nutze den Dienst, sagte er damals.

Signal arbeitet nicht nur mit derselben Verschlüsselungssoftware, die Telegram, Threema und mittlerweile sogar teilweise Whatsapp nutzen, sondern ist selbst Eigentümer der Software. Der Gründer von Open Whisper Systems hat einen makellosen Ruf. Das Unternehmen finanziert sich durch Spenden und ist komplett werbefrei.

Im Kern hat der Messenger ähnliche Funktionen wie Whatsapp. Im Gegensatz zu Whatsapp können bei Signal aber beispielsweise Nachrichten verschickt werden, die sich nach einer festgelegten Zeit wieder löschen. Die Server des Unternehmens stehen allerdings in den USA und unterliegen damit weniger strengen Datenschutzregeln wie die in Europa geltenden.

3. Telegram – Werbefrei und cloudbasiert

Vorteile: kostenlos; ähnliche Funktionalität wie Whatsapp; werbefrei; cloudbasiert; verschicken großer Datenmengen möglich; mit Web- bzw. Desktopversion

Nachteile: Datenschutz muss manuell aktiviert werden; weniger Nutzer als Whatsapp; Unternehmensstruktur ist wenig transparent

Auch der Messenger Telegram funktioniert im Prinzip wie Whatsapp. Das Unternehmen wurde 2013 von den russischen Brüdern Pavel und Nikolai Durov gegründet. Die beiden hatten in Russland 2006 unter dem Namen „VKontakte“ ein mit Facebook vergleichbares soziales Netzwerk gegründet. Es kam zum Streit um Daten, die Pawel Durow den russischen Behörden liefern sollte. Am Ende musste er seine eigene Firma verlassen.

Telegram-Nutzer können sich gegenseitig Nachrichten schreiben, Fotos, Videos oder andere Dokumente verschicken. Es können Sprachnachrichten und sogar kleine Sprachvideos erstellt und verschickt werden. Anrufe wie bei Whatsapp sind ebenfalls möglich.

Telegram verspricht seinen Nutzern im Gegensatz zu Whatsapp erhöhten Datenschutz. Bei dem Messenger gibt es zwei Arten von Verschlüsselungen. Private Gespräche können in so genannten „geheimen Chats“ technisch verschlüsselt werden und bleiben für Dritte unzugänglich – also auch für Telegram selbst. Von der Stiftung Warentest wurde diese optionale Verschlüsselung in einem Testbericht 2014 als „kritisch“ eingestuft. In dem Test hieß es außerdem: „Die App speichert auto­matisch alle Adress­buch­einträge ohne die Zustimmung des Nutzers oder der betroffenen Personen.“ Immerhin: „Ansonsten über­trägt sie jedoch keinerlei Daten an den Anbieter oder an Dritte.“

Anders als bei Whatsapp können bei Telegram sehr große Gruppenchats mit bis zu 100 Teilnehmern erstellt werden. Und es gibt noch eine nette Spielerei: Bei Telegram können Nachrichten verschickt werden, die sich nach einer gewünschten Zeit wieder von selbst löschen.

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