Tier greift Mann an Wie konnte es zur Hirsch-Attacke kommen?

Ein Rothirsch hat am Montag in Münsingen einen Mann angegriffen und ihm schwerste Verletzungen zugefügt. Foto: dpa/John Walton

Das am Montag von der Polizei in Münsingen erlegte Tier ist von der ehemaligen Staatssekretärin Gurr-Hirsch getauft worden. Der brünftige Hirsch hatte einen Mann angegriffen. Wie konnte es dazu kommen?

Stuttgart - Zwei Tage nach der schweren Attacke durch einen Rothirsch in einem Wildgehege in Münsingen (Kreis Reutlingen) gilt der 64-Jährige, den das Tier angegriffen hat, noch immer als schwerst verletzt. Was ihn bewogen hat, über den zweieinhalb Meter hohen Zaun zu steigen, ist unklar. „Wir haben den Mann noch nicht dazu befragen können“, sagt ein Sprecher. Der Verletzte sei nicht vernehmungsfähig. An dem Zaun sind Schilder mit der Aufschrift „Betreten verboten! Lebensgefahr!“ angebracht.

 

Das Wildgehege wurde erst im Mai eröffnet

Das brünftige Tier, ein etwa 300 Kilogramm schwerer Rothirsch namens Ludwig, war von den Polizisten erschossen worden, damit sie zu dem Verletzten gelangen konnten. Ludwig war noch nicht lange auf dem Albgut in Münsingen zuhause. Das Wildgehege ist im Mai eröffnet worden, zusammen mit dem Hirsch zogen auch fünf Kühe ein.

Seinen Namen bekam Ludwig von einer prominenten Patin: Die damalige CDU-Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch taufte das Tier höchst selbst. Die Albgut-Geschäftsführung war am Mittwoch telefonisch nicht zu erreichen. Gegenüber dem „Schwäbischen Tagblatt“ hatte Franz Tress den Vorfall als tragisch bedauert. Wie der Mann den Zaun überwinden habe können, sei ihm ein Rätsel. Aber Rothirsche dürfe man auch nicht unterschätzen, sie gehörten zu den gefährlichsten Waldtieren, vergleichbar mit dem Hirsch – insbesondere, aber nicht nur während der Brunftzeit.

Hirsche sind eigentlich Fluchttiere

Hirsche seien eigentlich Fluchttiere, sagt Marcus Rügamer, Geschäftsführer des Wildtierparks Bad Mergentheim. Im Gegensatz zum kleineren Damwild ist die kleine Rotwildherde in Bad Mergentheim ebenfalls das ganze Jahr in einem für die Besucher nicht zugänglichen Gehege untergebracht. Anders als im Wald könnten die Hirsche dort aber nicht einfach Reißaus nehmen. Wenn ein Fremder in das Gehege eindringe, „fühlen sie sich deshalb in ihrem Revier bedrängt und greifen an“, sagt er.

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