Stuttgart - Zwei Tage nach der schweren Attacke durch einen Rothirsch in einem Wildgehege in Münsingen (Kreis Reutlingen) gilt der 64-Jährige, den das Tier angegriffen hat, noch immer als schwerst verletzt. Was ihn bewogen hat, über den zweieinhalb Meter hohen Zaun zu steigen, ist unklar. „Wir haben den Mann noch nicht dazu befragen können“, sagt ein Sprecher. Der Verletzte sei nicht vernehmungsfähig. An dem Zaun sind Schilder mit der Aufschrift „Betreten verboten! Lebensgefahr!“ angebracht.
Seinen Namen bekam Ludwig von einer prominenten Patin: Die damalige CDU-Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch taufte das Tier höchst selbst. Die Albgut-Geschäftsführung war am Mittwoch telefonisch nicht zu erreichen. Gegenüber dem „Schwäbischen Tagblatt“ hatte Franz Tress den Vorfall als tragisch bedauert. Wie der Mann den Zaun überwinden habe können, sei ihm ein Rätsel. Aber Rothirsche dürfe man auch nicht unterschätzen, sie gehörten zu den gefährlichsten Waldtieren, vergleichbar mit dem Hirsch – insbesondere, aber nicht nur während der Brunftzeit.
Hirsche sind eigentlich Fluchttiere
Hirsche seien eigentlich Fluchttiere, sagt Marcus Rügamer, Geschäftsführer des Wildtierparks Bad Mergentheim. Im Gegensatz zum kleineren Damwild ist die kleine Rotwildherde in Bad Mergentheim ebenfalls das ganze Jahr in einem für die Besucher nicht zugänglichen Gehege untergebracht. Anders als im Wald könnten die Hirsche dort aber nicht einfach Reißaus nehmen. Wenn ein Fremder in das Gehege eindringe, „fühlen sie sich deshalb in ihrem Revier bedrängt und greifen an“, sagt er.