Er gilt als Massentierhalter, aber auch als sympathischer Hersteller von Eiern aus der Region: Martin Föll muss mit diametral entgegengesetzten Etiketten leben. Der Landwirt aus dem Großbottwarer Teilort Sauserhof will einen Bio-Hühnerhof in der Nähe der Burg Lichtenberg errichten. Um sein Ziel zu erreichen, braucht er einen langen Atem. Aber ob Geduld reicht, erscheint nach wie vor ungewiss.
Immerhin konnte Föll Anfang September einen Etappensieg feiern. Der Planungsausschuss des Verband Region Stuttgart (VRS) sieht den Bau der beiden geplanten Ställe mit insgesamt 12 000 Tieren und Freilaufzonen mit einem Radius von je 150 Metern als vereinbar mit der Regionalplanung an. Und dies, obwohl die Bauten einen Regionalen Grünzug durchschneiden, mitten in einem Landschaftsschutzgebiet liegen und die Burg Lichtenberg in der Nähe eine schützenswerte Landmarke bildet. Der VRS ordnet jedoch die geplanten Neubauten juristisch dem bereits bestehenden Island-Ponyhof zu, den Martin Föll gekauft hat und den er nun zu einem Bio-Hühnerhof umnutzen will, freilich mit erheblichen baulichen Eingriffen.
Kritische Töne wegen der hohen Zahl an Tieren blieben im VRS-Ausschuss nicht aus, und das Vorhaben passierte die Hürde nur mit vier Gegenstimmen. Fölls großer Gegenspieler auf dem Lichtenberg, der Burginvestor Christoph Wichmann, gewichtet das Ja der VRS-Räte nicht allzuhoch. „Das war nur eine formalrechtliche Entscheidung – der Lichtenberg ist ein hochsensibles Schutzgebiet, ja ein einzigartiges Juwel, das nicht für die Agrarindustrie geopfert werden darf.“
Wie geruchsintensiv ist der Dung der Hennen im Freiland?
Wichmann stören die geplanten Zäune, die Wildtiere stoppten, und er hält gerade den Dung der vielen Hennen im Freilaufgelände für geruchsintensiv. Der Investor würde gerne einen Biergarten betreiben, doch das Projekt tritt ähnlich auf der Stelle wie der Hühnerhof. Der finanzielle Aufwand dürfte für den über 70-jährigen Wichmann groß sein, da Zugänge für Anlieferer und Gäste erhebliche Investitionen erfordern.
Beim Besuch auf dem alten Ponyhof-Gelände spricht Martin Föll von einem „großen Schritt bergauf“, den er mit dem Ja der Regionalräte geschafft habe. „Es ist schwierig, wenn es viele Beteiligte gibt“, sagt er, denn das Landschaftsschutzgebiet Schwäbisch-Fränkischer Wald reiche auch in andere Landkreise hinein. „Aber es werden auch dort immer wieder neue Bauten errichtet – die Landwirtschaft braucht Erweiterungen.“
Föll sitzt in einer der alten Holzbauten des Island-Ponyhofs. „Hier gab es früher rund 200 Island-Pferde und an Spitzentagen einen richtigen Andrang: Daran hat sich niemand gestört.“ Auch Pferde machten Mist. Die Hühnerställe, in denen der überwiegende Teil des Kotes anfalle, würden jedenfalls wöchentlich einmal gereinigt, ohne dass Gestank nach außen dringe. In der Hauptwindrichtung nach Völkleshofen stehe auf 600 Metern kein Wohnhaus. Hielte sich die Belastung für Gäste der Burg in Grenzen?
Der Rundgang führt zu der Stelle, an der Martin Föll das der Burg nähere Produktionsgebäude bauen will. „Es ist schwierig, in der Region Stuttgart geeignete Bauplätze zu finden“, erklärt er. Und dass er sich bis Künzelsau umgeschaut habe. Dabei sei der Außenbereich auf dem Lichtenberg „ideal“ und „nah am Verbraucher“. Rewe, Edeka und Kaufland nähmen seine Eier.
Martin Föll sieht sich in der Tierhaltung als kleiner Fisch
Und die vielen Tiere? Martin Föll kann den Vorwurf der Massentierhaltung absolut nicht verstehen. Er betreibe doch eine Bio-Hühnerhaltung. Rechnerisch bekommt jedes Huhn vier Quadratmeter Auslauf, im Stall teilen sich sechs Legehennen einen Quadratmeter. Eng sei das für die Hennen aber nicht. „Jedes Tier hat mehrere Ebenen: zum Fressen, Trinken und Schlafen.“ Was Massentierhaltung wirklich bedeute, zeigten Agrargroßbetriebe in Holland: Dort würden täglich mehr als 500 000 Eier gelegt und im viel größeren Stil an deutsche Billigketten geliefert. „Mit meinen 12 000 Eiern könnte ich gerade mal einen Ort wie Oberstenfeld versorgen.“ Von seinen 20 Mitarbeitern seien zwölf damit beschäftigt, die Eier eigens in die Regale der Discounter einzuräumen.
Die Tierwelt auf dem Lichtenberg sieht der Eierproduzent eher als Nutznießer seines Bauvorhabens. „Wir werden nicht verhindern können, dass der Fuchs und der Bussard uns Hühner von der Weide holen.“ Den Wildkatzenkorridor zwischen Stromberg und Schwäbisch-Fränkischen Wald sieht Föll nicht direkt über den Lichtenberg verlaufen, sondern über den Großbottwarer Tunnel der Landesstraße durchs Bottwartal und dann über die Ausläufer des Hardtwalds südlich und den Übergang bei Neuwirtshaus.
Wald in Richtung Völkleshofen ist als Ausgleich geplant
Über all diese Fragen wird am Ende das Landratsamt Ludwigsburg mit seinen Fachbehörden entscheiden. Martin Föll wartet noch auf das Ergebnis seines Planungsbüros zu Ausgleichsmaßnahmen: „Wir wollen einen Wald in Richtung Völkleshofen hochziehen.“ Das Ziel ist die Genehmigung. „Ich würde sie mir zu Weihnachten wünschen.“
Wann ist eine Hühnerhaltung ökologisch?
Freigelände
In der ökologischen Geflügelhaltung müssen Tiere tagsüber uneingeschränkten Zugang zum Freigelände haben. Und das schon in jungen Jahren und wann immer es möglich ist – mindestens für ein Drittel der Lebensdauer.
Stall
Mindestens ein Drittel des Bodens muss fest sein. Es muss Sitzstangen oder erhöhte Sitzebenen geben. In einem Stallabteil dürfen laut EU-Verordnung nicht mehr als 3000 Legehennen oder 4800 Masthühner gehalten werden.
Etagen
In Geflügelställen sind Mehretagen-Systeme erlaubt. Sie dürfen – mit Bodenfläche – nicht mehr als drei Ebenen Nutzfläche aufweisen. Die höchste Besatzdichte für Legehennen liegt bei 120 Quadratzentimeter Nutzfläche pro Henne.