Tierheime im Sommer Werden in den Ferien mehr Tiere ausgesetzt?

Dieses Kaninchen wurde jüngst in Birkach gefunden. Foto: privat
Dieses Kaninchen wurde jüngst in Birkach gefunden. Foto: privat

Eine Birkacherin findet ein ausgesetztes Kaninchen im Park. Kommt das, jetzt, da die Sommerferien begonnen haben, öfter vor? Wir haben in den Tierheimen in Stuttgart und Filderstadt nachgefragt.

Filderzeitung: Sandra Hintermayr (shi)
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Birkach/Botnang/Bonlanden - Ganz allein hab es im Gras gesessen, das braune Kaninchen, direkt neben der Transportbox. Eine Katze habe schon in der Nähe gelauert, berichtet die Frau, die das Tier am Montagmorgen vergangener Woche am Anna-Haag-Weg in Birkach entdeckt hat, als sie morgens durch die kleine Grünanlage zwischen Spielplatz und Friedhof zur Bushaltestelle gelaufen ist. Es sei zahm gewesen, wahrscheinlich habe es jemand ausgesetzt, mutmaßt die Finderin. Ein Beutel mit Karotten habe in der Nähe gelegen. Ein tierlieber Nachbar habe das Kaninchen, weil der verständigte Tiernotdienst auf sich habe warten lassen, erst einmal mit zu sich genommen und versorgt. Inzwischen sei es ins Tierheim gebracht worden.

Die Finderin berichtet, dass die blaue Kiste bereits zuvor, in der Nacht von Samstag auf Sonntag, im Park gesehen worden sei, allerdings sei sie leer gewesen, ein Tier nicht auffindbar. „Das Kaninchen war vielleicht schon tagelang draußen“, sagt sie und spricht von Glück, dass kein anderes Tier es angegriffen habe. In dem Gebiet seien auch viele Leute mit ihren Hunden unterwegs, auch sie hätten eine potenzielle Gefahr für den kleinen Hoppler darstellen können.

Wie ist die Lage in den Tierheimen in Botnang und Filderstadt?

Ist das ausgesetzte Kaninchen ein Einzelfall? Oder typisch für die Sommerferien? Seit Jahren hält sich hartnäckig das Gerücht, dass zum Ferienbeginn vermehrt Haustiere ausgesetzt werden, weil die Besitzer nicht wissen, wohin damit, wenn sie in den Urlaub fahren wollen. Ebenso hartnäckig widerspricht Marion Wünn, die Leiterin des Stuttgarter Tierheims, der Aussage, dass in den Ferien mehr Fundtiere im Tierheim landen als sonst. „Tiere werden das ganze Jahr über ausgesetzt“, sagt sie. Es kämen täglich mehrere Tiere im Tierheim in Botnang an. Jetzt, da die Sommerferien in Baden-Württemberg begonnen haben, sei die Lage „zwar nicht ruhig, aber normal“, sagt Wünn. Jüngst sind wieder Hunde, Katzen und Kaninchen aufgenommen worden. Als ebenfalls normal beschreibt Michael Hoffmann die Situation im Filderstädter Tierheim im Eichholz in Bonlanden. Man habe seit Beginn der Sommerferien keine Häufung an ausgesetzten Tieren verzeichnet, berichtet der Tierpfleger und Ausbilder.

Beide Tierheime haben seit Beginn der Coronapandemie mehr Anfragen von Interessenten bekommen, die einen tierischen Gefährten aufnehmen wollten. „Wir haben seit Corona doppelt so viele Tiere vermitteln können wie sonst üblich“, sagt Michael Hoffmann. Der Umstand, dass viele Menschen im Homeoffice waren und sind, habe dazu beigetragen, dass sie mehr Zeit für ein Tier hätten. Allerdings seien auch zweifelhafte Anfragen darunter gewesen, hatte die Stuttgarter Tierheimleiterin Marion Wünn im August 2020 im Gespräch mit unserer Zeitung gesagt. So hätten Menschen ein Tier lediglich für die Coronazeit haben wollen – das ist natürlich keine Option für die Tierschützer.

Werden seit Corona angeschaffte Tiere wieder abgegeben?

Und so positiv die gestiegene Nachfrage für die vielen Tiere ist, die im Tierheim landen, und die so schnell in ein neues Zuhause kommen, man habe auch Bedenken gehabt, dass die neuen Tierbesitzer ihrer Schützlinge, sobald die Pandemie wieder mehr Normalität zulässt, überdrüssig werden und sie wieder im Tierheim abgeben oder aussetzen, sagt der Tierpfleger Michael Hoffmann aus Bonlanden. Die Befürchtung habe sich – zumindest, was die Zahl der abgegebenen Tiere angeht – aber offenbar nicht bestätigt. Man prüfe die Interessenten und neuen Zuhause der Tiere vor der Vermittlung gründlich, heißt es aus Bonlanden und Botnang. Das sei schon vor Corona so gewesen, und das sei es weiterhin. Demzufolge seien auch noch keine „Corona-Tiere“ wieder abgegeben worden. „Das freut uns natürlich“, sagt Michael Hoffmann, er gibt aber zu bedenken, dass sich dieser Umstand jederzeit ändern kann.




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