Tierpark Nymphaea Esslingen Langeweile war gestern

Die Tiere im Nymphaea dürfen vorerst nicht gefüttert werden. Foto: Roberto Bulgrin

Da wurde es richtig laut. Ziegen und Papageien in Nymphaea langweilten sich während der Corona-bedingten Schließung. Die Besucher fehlten, und darum schrien die Tieren aus Protest besonders lange. Nun ist Publikum wieder zugelassen. Und ein Stück Normalität ist in den Tierpark zurückgekehrt. Allerdings nur ein Stück...

Reporterin: Simone Weiß (swe)

Esslingen - Knuffige Knopfaugen. Samtrosa Stupsnasen. Seidige Segelohren. Sie sind einfach zum Knuddeln süß. Und dennoch ist Vorsicht geboten: „Wir empfehlen dringend, vor dem Frettchen-Gehege eine Maske zu tragen“, warnt Christoph Kässer, im Esslinger Tierpark Nymphaea für Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Es sei zwar eine noch ungelöstes Streitfrage, ob Tiere das Corona-Virus auf den Menschen übertragen könnten und umgekehrt. Doch bei den Raubtieren liege zumindest der Verdacht nahe: Im Bronx-Zoo in New York habe ein Tiger die typischen Symptome gezeigt, sei daher untersucht und positiv auf Corona getestet worden. Auch bei einem dortigen Tierpfleger sei das Virus nachgewiesen worden.

 

Darum werde den Nymphaea-Besuchern bei einem Abstecher zu den Frettchen, den einzigen Raubtieren im Park, zu zusätzlichen Schutzmaßnahmen geraten. Denn noch ist die Normalität nicht vollständig zurückgekehrt. Auch Nymphaea bewegt sich noch nach dem Lebensrhythmus, den das Virus vorgibt.

Kampf gegen Windmühlen

Kinderlachen auf dem Spielplatz. Gut gefüllte Parkplätze. Besucher auf den Wegen und vor den Käfigen. Wie gewohnt. Und doch ist vieles anders. „Im Eingangsbereich, vor dem Kartenhäuschen und in den Toiletten, eben dort, wo es durch viele Menschen eng werden kann, besteht Maskenpflicht“, erläutert Christoph Kässer die Vorschriften, während er einmal mehr die aktuellen Corona-Bestimmungen in den Schaukästen auswechselt. Zum achten, aber wohl nicht zum letzten Mal, meint der 34-Jährige. Nach den Wochen der kompletten Schließung hätte der Tierpark gemäß den Lockerungsbestimmungen eigentlich am Montag, 18. Mai, wieder öffnen dürfen. Doch die ehrenamtlichen Verantwortlichen haben sich laut Christoph Kässer bewusst eine Woche länger Zeit gelassen, um sich zu orientieren, sich zu sortieren und Sicherheitsaktionen mit Blick auf Corona konsequent umsetzen zu können. Eine neu gegründete Corona-Gruppe kümmere sich darum.

Sie muss vieles bedenken: Auch an Engstellen im Tierpark werde das Tragen von Masken empfohlen – die wenigsten Besucher würden sich allerdings daran halten. „Oft ist es ein Kampf gegen Windmühlen“, meint Christoph Kässer ein wenig resigniert. Das Aquarium bleibt daher vorsorglich geschlossen. Maximal fünf Menschen dürften auf einmal in das Gebäude – eine Kontrolle wäre zu personal- und zeitintensiv und ist damit nicht zu leisten. Auch sämtliche Feste und Veranstaltungen wurden gecancelt.

Eintrittsgelder fehlen

Das ist den Ziegen und Hirschen herzlich egal. Vielmehr stört es sie, dass sie nicht mehr von den Besuchern gefüttert werden dürfen. Auch das ist eine Corona-Regel. Das Futter, so Christoph Kässer, wurde immer in kleine Plastik-Eimer gefüllt, an Besucher verkauft, nach dem Gebrauch ausgespült und wieder aufgefüllt. Eine Desinfektion wäre zu aufwendig – und um auch diesen möglichen Übertragungsherd auszuschließen, wurde ein Fütterungsverbot verhängt.

Doch trotz dieser Änderungen ist Nymphaea laut dem Pressesprecher mit einem blauen Auge aus der Krise herausgekommen – jedenfalls bisher. Die Spendenbereitschaft sei sehr hoch gewesen, der Verein sei finanziell gesund, habe Rücklagen bilden können und stehe daher nicht vor dem finanziellen Ruin. Aber: „Die Ausfälle an Eintrittsgeldern während der Schließung merken wir natürlich schon. Diese Verluste konnten wir auch durch Spenden nicht auffangen.“ In April und Mai kommen bei gutem Wetter bis zu 15 000 Menschen pro Monat in den Tierpark – dieses Geld fehlt nun in der Kasse.

Neue Volieren stehen

Ein Bauvorhaben konnte aber auch das Virus nicht ausbremsen: Die neuen Volieren sind fast fertig. Es müssen nur noch ein paar Restarbeiten wie die Begradigung des Bodens erledigt werden. Der Bauspezialist für Volierenbau kommt aus Nordrhein-Westfalen – da wären Anreise und Unterbringung während der Hoch-Corona-Phase schwierig gewesen. Dennoch konnte das Projekt, auch mit finanzieller Unterstützung der Margarete-Müller-Bull Stiftung, fast zum Abschluss gebracht werden. Bald können die Aras hier einziehen. Etwa 250 000 Euro hat der Bau gekostet.

Ein weiteres Projekt ist fest eingeplant, doch das Startdatum ist noch in der Schwebe. Das Aufzuchthaus soll abgerissen und durch einen ehrgeizigen Neubau ersetzt werden. Etwa eine Million Euro sind dafür anvisiert. Aber auch bei diesem Projekt hat Corona dem Zeitplan einen Strich durch die Rechnung gemacht. Geduld ist gefordert.

Christoph Kässer und seine Kollegen sind zunächst einmal froh, dass das Alltagsleben im Tierpark wieder im fast gewohnten Takt schwingt. Und auch die Ziegen und Papageien leben wieder auf. Sie hatten sich während der besucherlosen Zeit offenbar schrecklich gelangweilt und noch lauter geschrien als sonst. Nun ist ihr Publikum zurückgekehrt. Und für Abwechslung ist somit gesorgt.

Keine Langeweile mehr

Mehr zum Tierpark im Internet unter: https://www.tierpark-nymphaea.de/

Kontakt

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Esslingen Tierpark Corona Tier Virus