Tierschützer protestieren Peta-Demo gegen„Giga-Gefängnisse“ auf dem Lichtenberg
Die Tierschützer der Peta demonstrieren gegen die geplante Hühnerhaltung des Landwirts Martin Föll auf dem Lichtenberg in Oberstenfeld (Kreis Ludwigsburg).
Die Tierschützer der Peta demonstrieren gegen die geplante Hühnerhaltung des Landwirts Martin Föll auf dem Lichtenberg in Oberstenfeld (Kreis Ludwigsburg).
Die Tierschützer der Organisation Peta machen mobil gegen die geplante Hühnerhaltung auf dem Oberstenfelder Lichtenberg. Eine Demonstration gegen „Giga-Gefängnisse für Hühner“ ist für Donnerstag, 14. Dezember, um 11.15 Uhr vor dem Rathaus der Bottwartalkommune angemeldet.
Anlass für die Demo ist der Plan des Großbottwarer Landwirtes Martin Föll, auf dem Lichtenberg eine Hühnerhaltung mit 12 000 Tieren zu errichten. Er braucht dazu eine Sondergenehmigung des Landratsamtes Ludwigsburg, da das Areal in einem Landschaftsschutzgebiet liegt. Das Bauprojekt ist deshalb umstritten. Föll muss noch Nachweise über den Umweltausgleich vorlegen. Das Landratsamt wartet derzeit auf diese Unterlagen.
Die Peta-Aktivisten wollen am Donnerstag in Schutzanzügen und Hühnermasken auftreten. Sie gestalten ihre Aktion auf einer Fläche, „die so groß wie der gesetzliche Mindeststandard für Hühner in der Biohaltung ist: ein halber Quadratmeter“. Die Tierrechtsorganisation bezeichnet die beiden geplanten Ställe als „Hühnerfabriken“, die für die Tierindustrie typische Großgebäude seien. Die 12 000 Tiere würden auf engstem Raum zusammengepfercht sein. Die Peta fordert das Landratsamt dazu auf, dem Vorhaben das Aus zu erteilen.
„In Oberstenfeld sollen immer wieder aufs Neue 12 000 Hühner erst vollständig objektifiziert und danach gegen ihren Willen getötet werden, nur um den Geldbeutel des Landwirts zu füllen“, so Steffen Lenhardt, Aktionskoordinator bei Peta. „Heute noch in die industrielle Tierhaltung zu investieren, ist ein Armutszeugnis für die Menschheit. Wir brauchen umgehend ein Verbot für die Errichtung neuer Tierfabriken, damit dieser Wahnsinn endlich ein Ende hat.“
Die Tierrechtsorganisation will mit ihrer Aktion eindringlich darauf hinweisen, was bei einer Sonderbefreiung auf dem Spiel stehe, teilt sie in einem Pressetext mit: Neben dem massenhaften, extremen Tierleid würden die Hühner-Megaställe nicht nur den Blick auf die Burg Lichtenberg sowie das umgebende Naturschutzgebiet zerstören, sondern könnten auch die Gesundheit der Anwohner durch möglicherweise erhöhte Antibiotika- und Ammoniakwerte belasten.
Martin Föll hatte immer wieder betont, dass er die Tiere biologisch tagsüber freilaufend halte und sie nur über Nacht in den Ställen seien. „Wir haben den gesetzlich festgesetzten höchsten Standard in der Bio-Tierhaltung“, sagt er und bezweifelt, ob man als Landwirt überhaupt mit Peta konstruktiv über Nutztierhaltung reden könne. Föll nennt konkrete Zahlen. „Eine industrielle Tierhaltung liegt gesetzlich erst bei 2,5 Großtier-Einheiten pro Hektar vor, darunter ist es eine landwirtschaftliche.“ Er liege mit seinen 12000 Hühnern bei 45 Großtier-Einheiten auf 100 Hektar bei einem Wert von 0,4. Die Tiere würden in 3000er-Gruppen gehalten mit einem Hahn auf 500 Hennen. „Wir sind ein Familienbetrieb und keine Massentierhaltung.“
Peta hat eine andere Vorstellung von Tierhaltung: Hühner lebten am liebsten in kleinen Gruppen, kümmerten sich um ihren Nachwuchs und pickten nach Nahrung, teilt die Organisation mit. Dazwischen nähmen sie zur Gefiederpflege gerne ein Sandbad in der Sonne oder ruhten im Geäst von Bäumen. In der Eierindustrie hingegen seien die sensiblen Tiere zu einem Leben voller Leid gezwungen – ganz gleich, ob Käfig- oder Biohaltung.
Als Argumente nennt Peta: „Küken schlüpfen nicht in der Nähe ihrer Mütter, sondern werden in Plastikkisten künstlich ausgebrütet.“ Seien die männlichen Embryonen nicht frühzeitig im Ei getötet worden, dann würden sie anschließend auf Fließbändern nach Geschlecht sortiert. Die männlichen Küken würden seit Verbot des Kükentötens teils auf lange Transporte verfrachtet und wochenlang in kargen Hallen gemästet, bis sie im Schlachthaus getötet würden. „Die weiblichen Küken werden zwar nicht sofort getötet, doch allein in Deutschland sind rund 40 Millionen sogenannte Legehennen aufgrund der Qualzucht gezwungen, bis zu 300 Eier im Jahr oder mehr zu legen.“ Das seien etwa zehnmal mehr, als es die Natur ursprünglich vorgesehen habe.
Infolge der zuchtbedingt hohen Ei-Anzahl und der artwidrigen Haltungssysteme würden sie laut Peta meist schon nach kurzer Zeit krank: Entzündete Eileiter und Kloaken, Knochenbrüche sowie Kalziummangel seien häufige Folgen. Nach etwa anderthalb Jahren lasse die „Legeleistung“ der ausgemergelten Hennen nach, und sie würden im Schlachthaus getötet und durch junge Hühner ersetzt.