Tierschutz im Kreis Esslingen Forderung nach Kastration für freilaufende Katzen

Auf ihren Streifzügen treffen unkastrierte Stubentiger häufig auf Streuner. Foto: Roberto Bulgrin

Es sind oft kranke und verwahrloste Tiere: Die Anzahl streunender Katzen nimmt laut dem Esslinger Tierschutzverein stetig zu. Unkastrierte Freigänger würden das Problem verschlimmern. Eine Verordnung müsse her.

Die Zahl der streunenden Katzen wächst im Landkreis Esslingen laut Manuela Eberspächer vom Esslinger Tierschutzverein, der Verantwortlichen für das Tierheim, stetig. Die eingefangenen Streuner seien oft krank und unterernährt. Meist litten sie unter schlimmen Pilzerkrankungen der Haut, die über mehrere Wochen mit einem immensem Personalaufwand und verbunden mit hohen Kosten behandelt werden müssten. „Es bricht einem das Herz, wenn man die Tiere sieht“, sagt Ute Hanke, die sich ebenfalls im Tierheim Esslingen um die Katzen kümmert. Der Verein fordert daher von den Gemeinden eine Katzenschutzverordnung, in der geregelt wird, dass Besitzer von freilaufenden Katzen ihre Tiere kastrieren müssen. Denn unkastrierte Freigänger würden dazu beitragen, dass das Problem schlimmer werde. „Katzen vermehren sich rasant. Ein Tier kann bis zu drei Mal im Jahr trächtig werden und bekommt jedes Mal fünf bis sechs Kitten“, sagt Eberspächer.

 

Eine Sache der Kommunen

Bereits im Jahr 2013 wurde im Bundesnaturschutzgesetz festgelegt, dass Länder eine Katzenschutzverordnung erlassen dürfen. In Baden-Württemberg wurde jedoch den Gemeinden überlassen, ob sie eine einführen wollen.

Regelmäßig sei im Frühsommer die Quarantänestation des örtlichen Tierheims mit trächtigen Katzen und Kitten überfüllt. Aktuell hätten sie 40 sonst freilebende Katzen in Obhut. Im vergangenen Jahr wurden deshalb im Tierheim Esslingen 80 Kater und Katzen kastriert - bei ungefähr 100 Euro pro Kastration eine hohe finanzielle Belastung. Knapp 18 000 Euro musste der Tierschutzverein in den Jahren 2021 und 2022 dafür aufbringen. Hinzu käme eine unbekannte Zahl von Tieren, die von Ehrenamtlichen eingefangen und auf eigene Rechnung kastriert worden seien.

Keine Zahlen, kein Grund für eine Verordnung

In den sozialen Medien hätte der Esslinger Tierschutzverein bereits nach Unterstützern für sein Anliegen gesucht, aber nur wenig Resonanz erhalten. An die 34 Gemeinden im Kreis, für die sich das Tierheim Esslingen um Fundtiere kümmert, hätten sie bereits eine Präsentationsmappe verschickt, um auf das Problem aufmerksam zu machen und um einen Vorschlag für eine Katzenschutzverordnung zu unterbreiten. Lediglich vier Rückmeldungen hätten sie erhalten – nur Absagen. Als Gründe seien beispielsweise der Verwaltungsaufwand und die anfallenden Kosten für die Tierhalter angeführt worden. Eberspächer findet das schade, da aus ihrer Sicht die Menschen, die sich ein Tier anschaffen, auch finanziell die Verantwortung dafür tragen müssen. Und eine für die Tierschützer besonders ärgerliche Argumentation der Gemeinden: Sie würden keinen Grund für eine Verordnung sehen, da sie keinen Anstieg streunender Katzen feststellen könnten. „Wir als Tierschutzverein sorgen ja konstant dafür, dass die Bestände im Rahmen bleiben“, sagt die Tierschützerin hierzu.

In Esslingen wird erst noch entschieden

Die Gemeinden Plochingen und Ostfildern bestätigten auf Anfrage, dass keine Katzenschutzverordnung geplant sei. Der Plochinger Bürgermeister Frank Buß hierzu: „Laut Auskunft des Landratsamts ist der Erlass dieser Satzung an rechtliche Voraussetzungen geknüpft, zum Beispiel einen konkreten Missstand. Dies ist in Plochingen nicht gegeben.“ Laut Manuela Eberspächer letztlich ein Problem der Landesgesetzgebung: Die einzelnen Gemeinden bräuchten konkrete Zahlen, um einen Missstand nachzuweisen, um anschließend eine Verordnung erlassen zu können. Diese Zahlen gebe es aber nicht für jede einzelne Gemeinde. „Eine landesweite Verordnung wie in Nordrhein-Westfalen wäre wünschenswert und dass das Land die Zuständigkeit nicht auf die Gemeinden abwälzt“, sagt Eberspächer. Ob es in Esslingen bald eine Verordnung geben wird, wird laut Pressesprecherin Nicole Amolsch bald entschieden: „Die Einführung einer Katzenschutzverordnung wird in den kommenden Monaten in der Verwaltung untersucht“, so Amolsch. Bislang sei aus personellen Gründen das Thema noch nicht bearbeitet worden.

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