Tierschutz in Ditzingen Tiere suchen eine Pflegestelle

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Der Tierschutzverein kooperiert mit dem Tierheim. Doch die Vereinsvorsitzende setzt auch auf eine dezentrale Unterbringung für Hund und Katze.

Giesela Mayer  hat   in ihrem Haus ein Pflegezimmer für Tiere eingerichtet.  Geht es nach der Vorsitzenden des Tierschutzvereins, müsste es  mehr  Pflegestellen  geben. Foto: factum/Granville
Giesela Mayer hat in ihrem Haus ein Pflegezimmer für Tiere eingerichtet. Geht es nach der Vorsitzenden des Tierschutzvereins, müsste es mehr Pflegestellen geben. Foto: factum/Granville

Ditzingen - In den Pfingstferien ist Giesela Mayer gefragt gewesen – wie eigentlich immer in den Ferien. Fremde Hunde und Katzen hatten bei ihr vorübergehend Unterschlupf gefunden. Das Pflegezimmer in ihrem Ditzinger Haus war gut belegt. Die Vorsitzende des örtlichen Tierschutzvereins betreut die Tiere ehrenamtlich, so wie es auch die Vereinsmitglieder in den beiden anderen Pflegestellen in der Stadt machen.

Doch Mayer würde sich mehr Pflegestellen wünschen – im gesamten Strohgäu, für den der Verein verantwortlich ist. „Im Rahmen eines achtsamen Miteinanders wäre das eine gute Sache“,sagt Mayer.

Die Tierschützerin hebt dabei nicht nur auf die Pflege in Ferienzeiten ab. Sie redet von der alltäglichen Pflege von Fundtieren, von Hunden und Katzen also, die ausgesetzt oder bei ihr abgegeben werden, weil ihre Besitzer sich nicht mehr um sie kümmern können – oder wollen. Doch die Ditzingerin weiß, dass diese Tätigkeit nicht unbedingt attraktiv ist. „Pflegestellenarbeit ist nicht das Sahnehäubchen in der Tierschutzarbeit. Eine kranke Mutterkatze mit Durchfall, ein Fundhund mit Demenz sind nicht die Tiere, die nett und klein sind. Sind sie einmal in einer Pflegestelle, dann blockieren sie diese eben langfristig. “

Tätigkeit soll attraktiver werden

Um die Tätigkeit attraktiver zu machen, würde sie die Ehrenamtlichen gerne honorieren. Deshalb bat sie die Gemeinderäte vor Kurzem, über eine Erhöhung der Umlage von 62 Cent pro Einwohner auf dann 1,10 Euro nachzudenken. Denn von den 62 Cent erhalten die Ditzinger nichts. Das Geld geht an den Ludwigsburger Tierschutzverein.

Die Ditzinger sind privat in einem Verein organisiert. In Bietigheim-Bissingen gibt es ähnliches, dort ist die Initiative Katzenfreunde aktiv. Beide Kommunen bezahlen überdies pro Einwohner eine Umlage an den Ludwigsburger Tierschutzverein – so wie laut Ursula Gericke alle Kommunen im Landkreis. Bietigheim-Bissingen etwa hat laut einer Rathaussprecherin dafür insgesamt 30 000 Euro im laufenden Haushalt eingeplant.

Damit erwerben die Kommunen das Recht, Fundtiere im Tierheim in Ludwigsburgabzugeben. Ursula Gericke leitet die Einrichtung, die vom Tierschutzverein der Kreisstadt getragen wird. Gericke unterstützt Mayers Vorstoß. Nicht weil es im Tierheim Kapazitätsengpässe gebe, stellt Gericke klar, sondern weil nicht jedes Haustier für das Tierheim geeignet sei.

Der Ditzinger Gemeinderat wird über Mayers Vorstoß zu diskutieren haben. Denn klar ist: Die Aufmerksamkeit des Gremiums ist der Vorsitzenden des Ditzinger Tierschutzvereins gewiss. Auch wenn sie über die Taubenplage in der Stadt berichtet, hören ihr die Räte zu, weil sie wissen, was sie an der Vereinsvorsitzenden haben. Schließlich hat sie sich der nicht ganz einfachen Aufgabe verschrieben, der Taubenplage in der Stadt Herr zu werden.

Ein Versuch ist es wert gewesen

Die Räte mögen nicht immer gleich gutheißen, was die ehrenamtliche Tierschützerin vorschlägt – zumal wenn es wie beim Bau des Taubenturms mit hohen Kosten verbunden ist. Doch Mayer konnte zuletzt eben auch mit einem Erfolg aufwarten. Der rund 56 000 Euro teure Turm am wesentlichen Ortsrand zieht in einem Maße die Tauben an, dass diese eben nicht mehr die Zisternen und Fotovoltaikanlagen in dem nahe gelegenen Baugebiet verkoten.

Um die Tiere von ihrem angestammten Platz dorthin wegzulocken, wo sie niemanden stören, lässt sich Mayer auch auf Versuche ein, von denen ihre andere Tierschützer angesichts vorher apostrophierter Erfolglosigkeit abraten. Die Tauben vom Bahnhof wenige hundert Meter weiter in einen Taubenschlag umzuquartieren, sei ein „riesen Experiment“ gewesen, sagt Mayer. „Alle zwei Schritte ein Häufchen Futter. Von März bis September habe ich die Spur gelegt.“ Ein Versuch sei es wert gewesen: „Ich hatte ja nichts zu verlieren.“ Und gewonnen.




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