Tierschutz in Leinfelden-Echterdingen Wird der Taubenschlag mit Softairkugeln beschossen?

Tierschützer sorgen sich um die Tauben auf dem Parkdeck des Rewe-Centers an der Ulmer Straße in Echterdingen. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Helfer, die sich um die Vögel auf dem Rewe-Parkdeck in Echterdingen kümmern, haben gelbe Kugeln in und um den Taubenschlag gefunden. Zwei Tiere sind gestorben. Die Ehrenamtlichen haben Anzeige erstattet.

Filderzeitung: Natalie Kanter (nak)

Das Taubenteam, dass sich ehrenamtlich um die Vögel im Echterdinger Industriegebiet kümmert, hat in den vergangen Tagen immer wieder kleine, gelbe Kugeln einer Softairpistole um und im Taubenschlag gefunden, der seit etwa einem Jahr auf dem Parkdeck des Rewe-Centers an der Ulmer Straße steht. Bei einer Taube wurden Verletzungen am Auge festgestellt, die sich die Helfer nicht erklären können. Zwei Tiere sind tot in ihrem Unterschlupf aufgefunden worden.

 

Enorme Belastung für die Tiere

Das Taubenteam vermutet, dass ein Unbekannter auf den Schlag und die Tauben schießt. Wenngleich bisher niemand auf frischer Tat ertappt worden sei. „Das ist ungeheuerlich“, heißt es dazu in einer ersten Reaktion. Dies könne das ganze Projekt gefährden, da die Vögel den Schlag möglicherweise nicht mehr anfliegen werden. „Für die Tiere ist so ein Beschuss eine enorme Belastung“, erklärt Selina Kern, eine der Helferinnen. „Sie werden aufgeschreckt, verfallen in Panik, Jungtiere fliegen davon und finden nicht wieder zurück.“ Die Ehrenamtlichen haben Anzeige bei der Polizei erstattet.

Dabei ist der Erfolg dieses Taubenschlags mehr als sichtbar, sagt Selina Kern. Es gebe weniger Dreck. „Die Tauben haben den Schlag als ihr sicheres Zuhause anerkannt.“ Zur Erinnerung: Gelege und Kot hatten noch vor gut einem Jahr die Einkaufswagen auf dem Parkdeck verschmutzt. Die Vögel hatten auf dem Boden gebrütet, was weder für die Tiere noch für die Menschen schön gewesen war. Im Oktober 2022 wurde dann der Unterschlupf für die Tiere errichtet. Die Kosten dafür hat das Unternehmen übernommen. Ehrenamtliche kümmern sich um die Tiere, die zuvor auf den Dächern von Hotels und Unternehmen des Industriegebietes saßen. Der Tierschutzverein Tierfreunde Filderstadt bezahlt das Futter, die Gipseier und anteilig Tierschutzkosten.

Wie geht es nun weiter? Eine der toten Tauben wird gerade untersucht, um herauszufinden, an was sie tatsächlich gestorben ist. Denn die verstorbenen Vögel könnten freilich auch eine Krankheit gehabt haben, räumt Selina Kern ein.

Wenn sich ein Zusammenhang zwischen den gefundenen gelben Kugeln und dem Tod der Vögel herstellen lässt, der Taubenschlags also tatsächlich beschossen wurde, wird ein Ermittlungsverfahren einleitet, sagt ein Sprecher der Polizei. Das Ganze würde dann als ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz geahndet werden. Im Paragraf 17 dieses Gesetzes heißt es: „Wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder ihm aus Rohheit erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt, kann mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft werden. Auch wer länger anhaltende oder sich wiederholende erhebliche Schmerzen oder Leiden verursacht, kann bestraft werden.“

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