Till Brönner in Stuttgart So schön kann Jazz sein

Bejubelt im Beethovensaal: Till Brönner Foto: Thomas Staiber

Till Brönners Christmas-Show ist ein wohltuendes Klangerlebnis. Der Trompeter schafft es, mit Raffinesse, starken Rhythmen und Eleganz keinen überzuckerten Weihnachtskitsch aufzutischen.

Blech gehört zu Weihnachten. Nicht nur das Backblech für Gutsle, sondern auch das hohe Blech – die Trompeten in Orchestern. Mit orchestraler Klangfülle einer fabelhaften achtköpfigen Band, einer auf warme Farben setzende Light-Show und einem tollen Sound beginnt Till Brönners Christmas-Show. Gleich mit dem ersten triumphalen Strahl zeigt dieser weltbekannte, vielfach ausgezeichnete Blechbläser den 1500 Menschen im Beethovensaal, wer hier der Herr ist. Typisch Trompeter. Sich selbst nennt er, charmant durch das Programm führend, lächelnd einen „Narzisst“. Frisch wie ein Eiswind vertreibt seine helle B-Trompete jegliche Müdigkeit, samtweich dagegen rollt der Musikprofessor aus Leipzig mit dem Flügelhorn dunkel leuchtende Klangteppiche aus. Und stets fasziniert diese kristalline Klarheit. Wie sie einst Louis Armstrong hatte, das Idol aller Jazztrompeter.

 

Leute, bleibt cool, wir sind in der Gegenwart

„Zwei Stunden die Zeit anhalten, wie Kinder lauschen“ – das ist Brönners Wunsch. Obwohl viele bekannte Christmas-Songs made in USA im Programm sind, kommt dank Raffinesse, starken Rhythmen und eleganten Arrangements kein überzuckerter Weihnachtskitsch auf den Gabentisch. Die drei stilisierten Weihnachtsbäume, über deren Screens Visuals laufen, signalisieren: Leute, bleibt cool, wir sind in der Gegenwart. Allerdings. „Stille Nacht“ nämlich wird als brodelnde Latin-Nummer präsentiert, bei der Sankt Nikolaus wohl in kurzen Hosen Samba tanzen würde, „September“ von Earth, Wind and Fire wird kurzerhand in den Winter verlegt, um kräftig einzuheizen.

Zur Ruhe kommt man bei „Moon River“, bei „Winterwonderland“ swingt man mit und nach „Let it Snow“, als Brönners Trompetentöne in schwindelnde Höhen steigen, wird besonders laut geklatscht. Doch plötzlich hält der sein Horn in der einen, in der anderen Hand Kermit, den Frosch, und singt „Bein’ Green“ aus der „Muppet Show“: „Wie schön ist es, grün zu sein“, fügt aber hinzu: „Wenn man nicht gerade der deutsche Wirtschaftsminister ist“. Den Hit „Last Christmas“ von Wham! verwandelt Brönner in ein kleines Kunstwerk, bevor er mit einem schmetternden Fanfarenstoß den Schlusspunkt setzt. Bei der stürmisch erklatschten Zugabe, dem Wiegenlied „LaLeLu“, schließen viele die Augen, lassen schlimme Nachrichten und den Kommerztrubel hinter sich, der Sandmann tritt leise hinzu, und Heinz Rühmann vom Himmel herab scheint gütig zu lächeln. So schön kann Jazz sein.

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