Er leidet unter Höhenangst – und natürlich übernimmt er das Restaurant auf dem Berliner Fernsehturm. Er steht am liebsten allein am Herd – und natürlich drückt er sich in die enge Schlange seiner Fans, die vor der Fotowand ein Selfie mit ihm wollen. Er ist kürzlich 50 Jahre alt geworden – und natürlich wirkt der Zwei-Sterne-Koch Tim Raue wie ein großer Junge, der jede Situation mit einem flotten Spruch zu würzen weiß. Sein Beispiel zeigt: Erfolg hat auch was mit Überwindung zu tun.
Raues Lebensgeschichte bietet guten Stoff fürs Kino: Von den Anfängen als Mitglied einer Kreuzberger Straßengang, der keine Ausbildung ergattern konnte, bis hin zu seinem Aufstieg als asiatisch inspiriertem Spitzenkoch. Der Film soll kommen, sagt er bei „Fashion X Food“ von Breuninger, dem wohl erfolgreichsten Format für Gourmets in Stuttgart. Wegen Corona hatten die Produzenten das Raue-Projekt für die Leinwand ausgesetzt. Doch jetzt geht’s bald los.
Kochstars wirken anziehend
Warum aber viele Worte verlieren über einen Ausnahmekoch wie ihn? Seine Gerichte sprechen für ihn! Wenn man nicht die Gelegenheit hat, sie zu probieren, ist allein schon das Lesen des Menüplans ein Genuss. Bei Breuninger kredenzt er: Sangohachi Zander, Sauerkraut, Minze, Erbsen, Ananas, Apfel Beurre blanc. So außergewöhnlich gut ist das, dass viele zweimal zu ihm kommen.
Kochstars wirken anziehend. Dank Breuninger muss man nicht in ihre Sternerestaurants fahren, sondern kann beim Schlendern von Stand zu Stand so manche Kochtipps aufschnappen. Die 900 Karten fürs Schlaraffenland in der vierten Etage des Flagship-Stores (diesmal sind 14 Spitzenköche mit zusammen sechs Sternen dabei) waren vor Weihnachten in zwei Wochen ausverkauft.
Neue Fernsehshow für Johann Lafer bei Sat 1
Johann Lafer ist Wiederholungstäter. So gut sei das in Stuttgart organisiert, dass er ein zweites Mal zugesagt hat. So viel Personal schwirrt herum, dass die kleinen Teller, die man braucht, rasch abgeräumt sind, um Platz für Neues zu schaffen. Der 66-jährige Fernsehkoch serviert diesmal eine Asia Chickenbowl mit gebackenen Chickenballs und Kimchireis. Der Künstler Tim Bengel, einer der Gäste, nimmt als Veganer nur den Reis – und ist auch davon hellauf begeistert.
Johann Lafer verrät uns seine neuen TV-Pläne: Am 13. Mai startet bei Sat 1 die Show „Drei Teller für Lafer“. Dabei gehe es um die Kochleidenschaft von drei Generationen, die voneinander lernen könnten. „Meine Botschaft ist, dass Kochen kein Kasperltheater ist, dass nachhaltiges Kochen sehr schmackhaft sein kann.“, sagt er.
„Innovativ“ und „inspirierend“ soll das Gipfeltreffen der Spitzenköche sein, unterstreicht Michael Neef, Director Food & Beverage bei Breuninger. Was ihm auffällt: „Die meisten haben ihre eigenen Kräuteröle gemacht – das ist ein klarer Trend.“
Die Wienerin war mit ihren Torten für Disney tätig
Erstmals dabei ist Sophia Stolz aus Wien, die sich „Backartistin“ nennt und es mit ihren Kreationen bis nach Hollywood schaffte, wo sie für den Disney-Film „Chevalier“ mit Süßem verblüfft hat. Ihre Torten werden zu Kunstwerken. Die 29-Jährige beweist wie kaum eine andere, dass eine alte Weisheit stimmt: Das Auge isst mit. Und sie steht für den Teil der Genuss-Enthusiasten, für die Entertainment dazu gehört, die bunte Wunderwerke schaffen, auf dass bei Instagram die Aufrufe durch die Decke gehen. Der digitale Auftritt spielt eine immer größere Rolle: Die Wienerin bietet mit Erfolg Tutorials zu Themen wie „Crazy Cakes à la Stolzes“ an.
Außerdem dabei: Alexander Kumptner (Spicy Tuna), Cornelia Poletto (Parmesantortelli), Ali Güngörmüs (Bio-Knusper-Lachs), Götz Rothacker (Jakobsmuschel mit Kaviar), Christina Fiorentino (Ochsenbacke) und mehr. Auch Stuttgart ist vertreten. Tanja Goldstein, die mit ihrer Heaven’s Kitchen an der Theo Heuss den Deutschen Gastro-Gründerpreis gewonnen hat, ist die einzige vegane Köchin bei „Fashion X Food“. Bei ihr gibt’s „Jakobsmuschel vom Kräuterseitling“. Prompt wird diskutiert, warum sich dieser Speisename an eine nichtvegane Meeresfrucht orientiert. „Ein rein veganer Name wäre besser“, sagt ein Gast. „Bei Jakobsmuschel wissen die Leute, was sie geschmacklich erwartet“, so lautet die Erwiderung.
Wann kann der Knitz starten?
Ferdinand und Maximilian Trautwein (Möhringer Linde) servieren Kalbshaxe und freuen sich auf die zweite Wintersaison mit ihren Fondue-Bubbles. Der Vorverkauf hat begonnen. Eine Karte kostet 79 Euro (vor einem Jahr 69 Euro). Wann die Brüder ihr Restaurant Knitz im Haus des Tourismus am Marktplatz eröffnen können, ist unklar. Es wird wohl November – oder gar Anfang 2025.
Spitzenküche im Lifestyle-Haus: Die Nacht der Superlative zeigt, dass sich viele in Krisen- und Kriegszeiten gern dem Schönen zuwenden. Und dass Geld für Genuss in Stuttgart nicht zu knapp vorhanden ist.