Sie hat sich ein wenig Zeit gelassen für ihre prachtvolle Blüte – die Hohenheimer Titanenwurz. Am Donnerstagnachmittag war es soweit – sehr zur Freude der vielen Fans.

Stuttgart - Aufgeregt stellt die Mittvierzigerin ihr Fahrrad am Sammlungsgewächshaus in Hohenheim ab und ruft: „Ich war schon drei Mal hier. Ist sie jetzt aufgegangen?“ Auch ein junger Mann ist begeistert. „Jawohl! Seit Tagen hänge ich am Livestream der Universität Hohenheim und feuere sie an!“ Das taten und tun derzeit mitunter über 500 Menschen, mitunter hing der Stream.

Viele stehen Schlange

Auch live geht es lebendig zu, um das Sammlungsgewächshaus stehen am Donnerstagnachmittag Kinder, Jugendliche, Erwachsene, Senioren Schlange, um sie zu sehen: die Titanenwurz. Die größte Blume der Welt, die die Hohenheimer Gärten 2019 vom Palmengarten Frankfurt als 40-Kilo-Knolle bekam, ist zum ansehnlichen Aronstabgewächs gereift namens „Surprise“ und hat zu blühen begonnen – zum ersten Mal. Das tun diese Pflanzen selten, in der Regel alle zwei bis drei Jahre.

Titanenwurz heizt sich auf 38 Grad aus

Surprise’ Kelch ist am Donnerstagnachmittag schon elegant bis zur Hälfte entfaltet. Bis sie ihre Blütenblätter in ihrer ganzen dunklen auberginenfarbigen Pracht ausgebreitet hat, kann es noch dauern. Der berühmt-berüchtigte Geruch nach Aas und Kot ist im halb geöffneten Zustand kaum wahrzunehmen. In ihrer Heimat, den Regenwäldern der indonesischen Insel Sumatra, lockt sie damit Insekten an. Um ihren „Duft“ weit zu verbreiten, heizt sie sich gar auf rund 38 Grad auf. „Ich weiß nicht, ob unsere Insekten darauf reagieren, ich bin gespannt“, sagt Helmut Dalitz, Wissenschaftlicher Leiter der Hohenheimer Gärten. In Sumatra würden die Tierchen über das Hochblatt oder die aufrechte Blütenstandsachse in das Innere der Blume hinabkriechen, um dort ihre Eier abzulegen. Dabei übertragen sie die Pollen und bestäuben die Pflanze.

Geruch nach toter Maus und verschwitzter Socken?

Nach rund zwei Tagen stirbt die Blüte, es reifen die Samen. Will heißen: Hat „Surprise“ ihre Blätter ganz geöffnet, wird sie etwa 24 Stunden lang blühen. Wie vor zwei Tagen der Titanenwurz „David“ in Dortmund – schmunzelt zitiert Dalitz den dortigen Kollegen: „Er sagte, es roch wie eine Mischung aus verschwitzten Socken und toter Maus – bei geschlossenem Gewächshaus bis auf dem Parkplatz wahrzunehmen!“ Die Hohenheimer haben die Gewächshaus geöffnet, damit die Fans ihre Surprise am Freitag ab zehn Uhr erleben können. Nicht hautnah, ein Absperrband sorgt dafür. Allerdings mag die Pflanze keine Zugluft, sagt Dalitz. „Das könnte das Erblühen verlangsamen. Wir steuern innen mit Wärme und Befeuchtung entgegen, beobachten, wie sie reagiert.“