Tödliche Schüsse in Asperg „Asperg ist kein Hotspot für Kriminalität“

Nach der Tat wurde ein Baum am Schotterparkplatz zum Erinnerungsort an den erschossenen Lukas. Foto: Werner Kuhnle

Das Urteil im Fall des getöteten Lukas ist gesprochen. Wie geht die Stadt damit um? Welche Lehren zieht man dort aus den tödlichen Schüssen im April 2023? Bürgermeister Christian Eiberger will, dass Asperg (Kreis Ludwigsburg) nun wieder für positive Schlagzeilen sorgt.

Ludwigsburg: Frank Ruppert (rup)

Vor einer Woche fiel das Urteil im Prozess um die tödlichen Schüsse auf einem Schotterparkplatz in Asperg im April 2023. Damals wurde der 18-jährige Lukas erschossen, sein gleichaltriger Freund schwer verletzt. Der 21-jährige Schütze wurde zu einer Jugendstrafe von sieben Jahren verurteilt, der gleichaltrige Fahrer zu einer Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren. Der dritte Angeklagte wurde freigesprochen. Im Gespräch erklärt Aspergs Bürgermeister Christian Eiberger, wie das Urteil im Ort aufgenommen wurde und welche Lehren man aus dem Verfahren ziehen kann.

 

Herr Eiberger, vor einer Woche wurde das Urteil im Prozess um den getöteten Lukas gesprochen. Ist damit der Gerechtigkeit genüge getan?

Christian Eiberger: Also ich glaube, unser Rechtsstaat hat gute Arbeit geleistet. Ob die einzelnen Strafen nun angemessen sind oder nicht, vermag ich nicht zu bewerten. Falls es nicht zu einer Revision kommt, ist es aber gut, dass der Prozess nun endet. Ich hoffe vor allem, dass die Familie jetzt mit der Verarbeitung der Geschehnisse beginnen kann und dass sie ein gutes Netzwerk an Familie und Freunden hat, die sie unterstützen.

Entgegen manchen Vermutungen ging es bei der Tat wohl nicht um Drogengeschäfte. Anlass war vielmehr ein eigentlich nichtiger Konflikt.

Es ist unfassbar, dass ein kleiner Streit Grund für die Tat gewesen ist. Da steckt aber das grundsätzliche Problem dahinter, dass Jugendliche leider vermehrt mit Messern unterwegs sind, und dann ist die nächste Eskalationsstufe scheinbar eine Schusswaffe. Da müssen wir alle als Gesellschaft etwas unternehmen, damit so etwas in Zukunft nicht wieder passiert.

Während des Verfahrens sagten Sie, dass das Sicherheitsgefühl in Asperg durch die Tat gelitten hat. Hat sich dies inzwischen wieder verbessert?

Es gibt natürlich immer noch Menschen, die die Gegend abends um den Schotterparkplatz meiden, aber wichtig ist hervorzuheben, dass Täter und Opfer sich kannten. Unbeteiligte waren, soweit ich das einschätzen kann, nicht in Gefahr.

Welche Lehren hat die Stadt aus der Tat gezogen?

Es war eine singuläre Tat, und Asperg ist kein Hotspot für Kriminalität. Wir haben recht frühzeitig nach der Tat die Ausleuchtung des Parkplatzes deutlich verbessert. Nun ist es dort auch abends so hell, dass kaum mehr etwas im Verborgenen stattfinden kann. Wir hatten schon vorher einen Sicherheitsdienst engagiert, der auch in den Abendstunden rund um den späteren Tatort zwischen Schotterparkplatz und Goethe-Schule aktiv war. Das behalten wir bei.

Ist man in der Stadtverwaltung nicht auf die Idee gekommen, den Jugendlichen einen Treff auch in den Abendstunden zu bieten?

Tatsächlich haben wir darüber nachgedacht, einen Treff außerhalb des Zentrums einzurichten. Dafür bin ich auch mit Jugendlichen ins Gespräch gegangen, aber leider hat sich gezeigt, dass ein Treff weiter entfernt nicht erwünscht ist. Für die Jugendlichen spielt die Zentralität eine große Rolle. Und dann kamen da auch Forderungen auf, die ich einfach nicht erfüllen konnte, wie ein Alkoholautomat.

Sie sagten während des Prozesses, dass sich der Trauerort weg vom Parkplatz hin zum Friedhof verändern muss. Nun steht immer noch ein Kreuz am Tatort und ein Foto von Lukas.

Dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden und das wird auch noch eine ganze Weile dort stehen bleiben. Aber mittlerweile sehe ich auch immer wieder Jugendliche, die am Grab trauern. Wir wollen am Schotterparkplatz das Erinnern gar nicht verbieten.

Gab es mal Überlegungen, den Schotterparkplatz umzugestalten? Vielleicht einen kleinen Park daraus zu machen mit einer Plakette oder ähnlichem, die dauerhaft an Lukas erinnert?

Bisher gab es solche Gedanken noch nicht. Wir wollen aber, wenn die benachbarte Firma Häffner sich komplett nach Marbach verlagert, den gesamten Bereich stadtplanerisch überarbeiten. Dazu gehört dann auch der Schotterparkplatz. Da gibt es aber noch keine konkreten Pläne.

Asperg, so scheint es, ist in letzter Zeit nur mit negativen Geschichten in den Schlagzeilen. Sei es der Mord an der damals 17-jährigen Tabitha 2022, nun die Tötung des 18-jährigen Lukas oder die geplante Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge auf dem Schanzacker.

Ich hoffe, dass wir jetzt wieder mit positiveren Themen in die öffentliche Wahrnehmung kommen. Asperg ist zwar eine Stadt, hält aber zusammen wie ein Dorf. Hier gibt es so vieles, das gut läuft. Wir haben eine tolle Gemeinschaft, Vereine und Leute, die sich engagieren. Und zum Thema Schanzacker: Da bin ich mir sicher, dass wir im nächsten Jahr sehr gute Nachrichten produzieren, wenn wir verhindert haben, dass die Lea nicht hierher kommt.

Sport als Ausgleich

Laufbahn
Christian Eiberger lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Asperg. Seit 2017 ist er dort Bürgermeister. Geboren ist Eiberger in Ellwangen an der Jagst im Ostalbkreis. Nach dem Abitur machte er seinen Zivildienst im Heim für seelisch behinderte Menschen, dem Rabenhof in Ellwangen. Danach studierte er an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg. Berufliche Stationen vor Asperg waren unter anderem die Leitung der Stadtkasse in Sigmaringen sowie die Geschäftsführung des Zweckverbandes Gewerbepark Bietigheimer Weg.

Hobbys
In seiner Freizeit schwimmt er gerne, aber auch Laufen und Radfahren gehören zu seinen Hobbys. Außerdem fährt Christian Eiberger gern Motorrad.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Interview Asperg Trauer