Topmusiker live in Leonberg Fernöstliche Leichtigkeit verzaubert die Leonberger
Der international renommierte Pianist Tian Jiang und der jazzende Pfarrer Dennis Müller feiern eine mitreißende musikalische Hochzeit.
Der international renommierte Pianist Tian Jiang und der jazzende Pfarrer Dennis Müller feiern eine mitreißende musikalische Hochzeit.
Das für 22 Uhr bestellte Büffet mit griechischen Vorspeisen musste noch eine Weile warten. Der Andrang rund um den Künstler war einfach zu groß, als dass dieser pünktlich hätte zum späten Essen kommen können. Tian Jiang hatte zuvor mehr als 700 Menschen in der ausverkauften Leonberger Stadthalle regelrecht verzaubert. Schon von der ersten Minute an feierte das Publikum den chinesisch-amerikanischen Ausnahmepianisten, der mit einer unfassbaren Leichtigkeit selbst schwierigste Kompositionen am Flügel in traumhafte Musik verwandelte.
Es sind manchmal die Familienbande, die solche Erlebnisse möglich machen. Jiang, der in Shanghai zu Zeiten der Kulturrevolution unter schwierigsten Umständen sein großes Talent fürs Klavierspielen kontinuierlich ausbaute, ist heute ein weltweit anerkannter Pianist, der die Klassiker beherrscht wie nur wenige. Auf einer Europatournee lernte er seine jetzige Frau kennen, eine Deutsche aus Gerlingen. Deren Schwester wiederum ist die Partnerin des jazzenden Pfarrers Dennis Müller aus Leonberg.
Als Jiang mit seiner Frau den Hauptwohnsitz von Manhattan nach Gerlingen verlegt hatte, begegneten sich beide Pianisten und stellten schnell fest, wiewohl Vertreter unterschiedlicher Genres – der Asiate Klassik, der Europäer Jazz –, dass sie musikalisch wie menschlich bestens harmonieren. Seither gibt es den Gedanken, ein gemeinsames Konzert zu geben: Ein Wunsch, der am Sonntagabend in die Tat umgesetzt wurde.
Das hiesige Publikum weiß, wer da zu ihnen gekommen ist. Schon eine knappe Stunde vor Konzertbeginn ist die Römerstraße dicht: Die Autos, die auf den Parkplatz wollen, stauen sich über mehrere hundert Meter. Vor dem Haupteingang warten die Menschen geduldig in der Kälte.
Dann endlich: Der Meister kommt auf die Bühne, begrüßt sein Publikum herzlich, um es gleich mit „Dancing Waves“ buchstäblich in den Himmel zu führen. Jiang, der seinen letzten musikalischen Schliff in der international renommierten Juilliard School in New York bekommen und in der legendären Carnegie Hall seinen Durchbruch geschafft hatte, gibt Beethovens Klaviersonate Nr. 7 eine beinah spielerisch anmutende Leichtigkeit. Im melancholischen „Secret Desires“ erinnert er an die dunklen Jahre der chinesischen KP-Diktatur, in denen er heimlich die verbotenen, weil angeblich dekadenten westlichen Klassiker hinter verschlossenen Fenstern geübt hatte.
Und dann Dennis Müller, der rhythmusorientierte Jazzer und Pfarrer. Bei einer langen Improvisation schlägt sein Hauptberuf durch: Die am Flügel erzeugten dunklen Stunden, denen das Licht und Freude folgen, haben viel mit der christlichen Botschaft zu tun. Das funkige „Heelsidechickenturn“ hat er vor vielen Jahren für die Abschlussprüfung am Musikgymnasium in Ludwigsburg komponiert und damit seine Lehrer verblüfft. Die Leonberger feiern den Lokalmatador nicht minder als den Maître aus Fernost.
Wenn beide zeitgleich in die Tasten greifen, kennt die Begeisterung keine Grenzen. Extra für das Leonberger Konzert haben sie die Musik zur Fantasyserie „Game of Thrones“ neu arrangiert. Jiangs fast schon populär anmutende Komposition „Shanghai Dreams“ interpretieren sie ebenfalls gemeinsam.
Am Ende sind Künstler und Zuhörer gleichermaßen völlig losgelöst. Die Zugaben wollen nicht enden. Müller, der als Pfarrer im März nach Ludwigsburg wechselt, verspricht zum Abschied, dass er als Musiker regelmäßig zurückkehrt. Und auch Tian Jiang, so verrät er hernach bei Souvlaki und Zaziki, will es bei dem einen Konzert mit seinem Quasi-Schwager nicht belassen – jetzt, da er ohnehin um die Ecke wohnt.