Zu den Herausforderungen eines Torhüters gehört es, nach beschäftigungslosen Spielphasen von einem Moment auf den anderen zur Stelle zu sein. Fabian Bredlow meisterte diese Disziplin am Samstag mit Bravour. Viel bekam der Torhüter des VfB Stuttgart beim verdienten 3:0-Sieg gegen Eintracht Frankfurt nicht zu tun – wenn, dann war er aber zur Stelle. Erst in der 28. Minute, als er einen Abschluss des früheren Stuttgarters Omar Marmoush aus spitzem Winkel parierte. Dann in der 76. Minute, als er erneut einen Marmoush-Abschluss entschärfte. Dieses Mal einen Freistoß von der Strafraumgrenze.
Unter dem Strich stand damit ein starker Auftritt Bredlows zu Buche, der kurzfristig für den etatmäßigen Stammkeeper Alexander Nübel (muskuläre Probleme) zwischen die Pfosten gerückt war. Auch Bredlow selbst war mit sich im Reinen: „Mir ist heute sehr viel geglückt, sei es in der Spieleröffnung oder der Torverteidigung. Ich bin sehr glücklich.“ Schon beim Aufwärmen habe er ein gutes Gefühl gehabt, berichtete der 29-Jährige, der zum vierten Mal in dieser Saison im VfB-Tor stand. Im Februar hatte er Nübel (damals mit Hüftproblemen) dreimal vertreten – eben diese Spielpraxis sei auch für das jüngste Spiel am Samstag hilfreich gewesen: „Das Gute war, dass ich vor ein paar Wochen noch Spiele gemacht habe. Deshalb war es heute ein bisschen was anderes als vor ein paar Wochen.“
Bislang vier Einsätze für den VfB in dieser Saison
Am Status als Nummer zwei ändert das freilich zunächst nichts, er hat sich durch Nübels Verbleib über die Saison hinaus vielmehr eher verfestigt. „Ich weiß, wie die Rollenverteilung ist, definitiv“, sagt Bredlow. „Ich hege auch keinen Groll. Wenn Alex fit sein sollte, dann spielt er auch wieder. Er spielt bisher eine sehr gute Saison, das muss man auch ganz klar so sagen.“
Ohne Ambitionen geht er dennoch nicht mit der Situation um. „Ich weiß nicht, ob angefreundet das richtige Wort ist. Für mich ist einfach wichtig, dass ich mich weiterentwickele“, sagt Bredlow. Seine vier Einsätze in diesem Jahr seien ein Beleg für eben jene Entwicklungsschritte. Womöglich erhöht sich durch den vollen Terminkalender in der neuen Saison mit mindestens acht zusätzlichen Partien auf internationaler Bühne auch die Chance auf mehr Einsatzzeiten. „Klar freue ich mich über jedes Spiel, das ich bekomme. Und wenn es mehr als vier in einer Saison sind, dann freue ich mich natürlich noch mehr darüber“, sagt der gebürtige Berliner, der seit 2019 beim VfB spielt und damit zu den dienstältesten Profis im Kader zählt.
Vor weiteren VfB-Spielen steht für Bredlow aber zunächst ein Sportart-Wechsel an – wenn auch nur für einen Tag: Er nimmt am Montag an einem Show Turnier im Rahmen des Porsche Tennis Grand Prix in Stuttgart teil, bei dem Profispielerinnen im Doppel mit Vertretern anderer Sportarten antreten. Vom VfB, den Stuttgarter Kickers, den MHP Riesen Ludwigsburg (Basketball) und den Bietigheim Steelers (Eishockey).
„Davor habe ich ein bisschen Bammel“, sagt Bredlow – auch wegen der Ansetzung der Veranstaltung. „Erst hieß es, das Spiel ist vormittags. Jetzt wurde es auf den Nachmittag verlegt. Da sind wahrscheinlich schon ein paar Leute in der Halle. Und ich bin nicht der begnadetste Tennisspieler.“ Bredlows Rezept? Kurzfristiges Üben. „Ich muss auf jeden Fall was machen – in den Keller und Bälle gegen die Wand spielen. Sonst wird´s ganz unangenehm.“