Toter in Mannheim Diskussion über Polizeigewalt nach Schüssen auf bewaffneten Mann

Die Mannheimer Polizei steht in der Kritik für einen Einsatz, bei dem ein Mann gestorben ist. Foto: dpa/Uwe Anspach

Am Samstag wurde in Mannheim ein Mann von der Polizei erschossen. Er war mit einem Messer bewaffnet und hatte die Beamten bedroht. Der Stuttgarter Stadtrat Luigi Pantisano kritisiert das Vorgehen der Polizei.

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Ein 49-jähriger Mann ruft am Samstagmittag die Polizei an und löst einen Einsatz aus, der kurz darauf viral geht und eine bundesweite Diskussion auslöst. Debattiert wird unter anderem darüber, was auf einem kurzen Video festgehalten wurde. Bisher ist bekannt, dass der türkischstämmige Mann am Telefon der Polizei gegenüber angab, eine Straftat begangen zu haben. Laut Angaben der Polizei sei daraufhin eine Polizeistreife mit drei Beamten vor Ort eingetroffen. Der Mann habe mit einem Küchenmesser bewaffnet auf sie gewartet.

 

Der Einsatz wurde von mehreren Schaulustigen aufgenommen und zeigt den Vorfall daher aus verschiedenen Perspektiven. Eines der Videos zeigt den Mann – mutmaßlich mit einem Messer bewaffnet und mit freiem Oberkörper auf offener Straße – wie er langsam auf drei bewaffnete Beamte zugeht und kurz darauf zu Boden fällt. Die Polizei gibt an, dass ein Beamter insgesamt vier Schüsse auf den Mann abgegeben habe. Dadurch wurde der 49-Jährige tödlich verletzt und starb kurz darauf im Krankenhaus. Nach Informationen der dpa schlugen vorher Versuche fehl, deeskalierend auf den Mann einzuwirken und ihn dazu zu bewegen, das Messer abzulegen.

Pantisano kritisiert die Polizei

An der öffentlichen Diskussion, die daraufhin in den sozialen Netzwerken entstanden ist, hat sich auch der Stuttgarter Stadtrat Luigi Pantisano (Die Linke) mit einem besonders kontroversen Beitrag beteiligt. In einem Text auf X (ehemals Twitter) kritisiert Pantisano unter anderem, dass die Polizei offensichtlich nicht versucht habe, dem Mann das Messer abzunehmen.

Bis Dienstagmittag haben mehr als 1500 Menschen diesen Beitrag kommentiert. Unter anderem geht es um die Frage, ob es eine sichere Möglichkeit gebe, einen mit einem Messer bewaffneten Mann zu entwaffnen, ohne das eigene Leben zu riskieren. In einem weiteren Beitrag fragt Pantisano: „Sind Psychologen hinzugezogen worden? Werden Polizisten für solche Situationen ausgebildet?“ Auf der anderen Seite gibt es viele Menschen auf X, die die Polizisten verteidigen, die ihr Recht auf Selbstverteidigung in Anspruch genommen hätten.

Ähnlicher Fall im Mai 2022

Die Mannheimer Polizei steht seit einigen Jahren besonders in der Kritik. Im Mai 2022 war ein sehr brutaler Einsatz von Beamten ebenfalls aufgenommen und im Internet veröffentlich worden, der bis heute nicht restlos aufgeklärt wurde. Das Video zeigt, wie Beamte auf einen auf dem Boden liegenden 47-jährigen Mann einschlagen. Dieser stirbt kurz darauf. Auch bei dem Fall war die verstorbene Person ein psychisch auffälliger und türkischstämmiger Mann.

Der Vorfall ereignete sich am Rande des als „Little Istanbul“ bekannten Marktviertels, das für die vielen türkischen Geschäfte bekannt ist. Kritik kam damals unter anderem vom grünen Landtagsabgeordneten Oliver Hildenbrand, der angab, dass der Mann durch den Einsatz der Polizisten zu Tode kam. Migrantische Verbände zogen Parallelen zu rassistischen Anschlägen auf Migranten wie den NSU-Morden oder den Hanauer Terroranschlag.

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