Paris/Stuttgart - Gregor Mühlberger hat während der Tour de France erzählt, warum es gar nicht so leicht gewesen sei, zu Emanuel Buchmann einen guten Kontakt aufzubauen. „In unserem ersten gemeinsamen Trainingslager“, meinte der Österreicher über seinen Bora-Teamkollegen, „hat er ja so gut wie nichts gesagt.“
Nichts gelernt aus der Vergangenheit?
Die ARD schob am Sonntagabend wegen Buchmann eine Sondersendung ins Programm, der Bild-Reporter wollte von ihm wissen, wann er denn seinen ersten Tour-Sieg holen wolle, und der Boulevard fragte natürlich auch sofort bei Jan Ullrich nach, ob Emanuel Buchmann denn das Zeug habe, um seine Nachfolge antreten zu können. Als hätten alle aus der Vergangenheit nichts gelernt.
Lesen Sie hier: So lief die entscheidende Etappe der Tour 2019
Schließlich ist es gar nicht erstrebenswert, ein neuer Jan Ullrich zu werden, dazu lief in der Karriere des tief gefallenen Dopers zu viel schief. Und andererseits ist es natürlich kein Fehler, auch die Leistungen von Buchmann kritisch zu hinterfragen, statt ihn nur kommentarlos hochzujubeln – schließlich gibt es genügend Anzeichen dafür, dass der Radsport längst nicht so sauber ist, wie er gerne selber tut.
Die Entwicklung ist nachvollziehbar
Allerdings ist die kontinuierliche Entwicklung von Buchmann (26) – Jahr für Jahr, Schritt für Schritt – nachvollziehbar, es waren keine Wunderdinge, die er bei der Tour vollbracht hat. Weshalb der Junge aus Oberschwaben gut daran tut, seinen Weg weiterzugehen. Auf dem Rad, und auch sonst. Zielstrebig, aber bescheiden. Ehrgeizig, aber zurückhaltend. Diszipliniert, aber kontrolliert. Und, natürlich: in aller Ruhe.