Tour de Region: Etappe 2 Downhill im württembergischen Herzland

Von Michael Schmidt 

Westwärts von Stuttgart-Vaihingen nach Weil der Stadt: Der Radweg Richtung Schwarzwald steckt voller Überraschungen.

Die Schwarzwaldbahn begleitet die Radfahrer – große wie kleine. Foto: factum/ Rebstock
Die Schwarzwaldbahn begleitet die Radfahrer – große wie kleine. Foto: factum/ Rebstock

Stuttgart - Die Strecke hat es in sich, vor allem, wenn man mit Kindern fährt: Biergärten, die eher an Erlebnisparks erinnern, Freibäder, und - ganz wichtig für müde Krieger - jede Menge Ausstiegsmöglichkeiten. Denn auf gut der Hälfte dieser Tour haben kleine und große Freizeitradler die Schienen der württembergischen Schwarzwaldbahn in Sichtweite. Und weil da mittlerweile die S-Bahn bis Weil der Stadt selbst an Wochenenden im Halbstundentakt entlangsurrt, braucht man sich auch mit großem Gepäck in Form von Kinderfahrrädern, Bikeanhängern und sonstigen Einrichtungsgegenständen aus Kinderzimmern bezüglich eines geordneten Rückzugs keine Sorgen machen.

Und dann ist da noch die Sache mit dem Familiendownhill durch das württembergische Herzland. Theoretisch, das heißt nach Karte, geht es immer bergab, praktisch ist das vor allem für kleine Radgrößen nicht so.

Die Krux mit dem Gefälle

Doch jammern wir nicht. Fahren wir lieber - ein typischer Vatersatz zum Familienausflug? Nun, das Fahren mit dem Aufzug am Einstiegspunkt "Universität" ist so unausweichlich wie problematisch mit einem breiten Kinderanhänger für zwei Kleine und dem schmalen Rennrad für einen Großen. Weil dieses Gespann locker die Länge eines Kompaktwagens erreicht, passt das zwar prima in die S-Bahn - aber nicht vom Tiefbahnsteig weg. Entweder lässt man die Zugmaschine temporär zurück. Oder die Kinder? Wer dieses Problem gelöst hat, rollt relaxt vom Hightech-Campus am Pfaffenwald bergab. Doch hier zeigt sich schon die Krux mit dem Gefälle: Gerade frischgebackene und hochmotivierte Radler verfrachtet man besser in den Anhänger, denn die Senke hinab hat es in sich. Das gilt auch nach dem Schlenker am Katzenbacher Hof (auf Esslinger Gemarkung) und erst recht bei der Abfahrt ins Glemstal hinter dem bezeichnenden Gewann "Blutbuche".

Hier gibt es die Tour als PDF

Doch bald ist das Glemseck erreicht - und wir sind nicht die Einzigen mit heißen Bremsen. Neben Motorengedröhn satt gibt es hier einen perfekten Biergarten und ein echtes klassisches Ausflugslokal mit der gut gelaunten Wirtsfamilie Scheytt-Sonett dazu. Ein ziemlich stiller Oldtimer, der seit Jahren schon Kinderherzen höher schlagen lässt, ist die grün-rostige Dampfwalze, die zum Klettern unter Kastanien einlädt. Unseren 2,5 Jahre alten Testfahrer kann einzig die Aussicht weiter locken, dass endlich das Beiboot des Radanhängers zu Asphalt gelassen wird: Der Glemstalradweg ist sanft genug für Laufrädchen aller Art. Bremsbackenverschleißfreundlich geht es die nächsten vier Kilometer abwärts, Weinberge grüßen. Das feine Rauschen hinterm Wald ist übrigens nicht das Meer, sondern die Autobahn. Wer das Brückenlabyrinth unter dem Leonberger Dreieck erreicht hat, ist einer besonderen Erfrischung nahe: Am Ortsrand von Eltingen lockt das Leobad (siehe "Baden gehen mit dem Bike").

Weiterradeln lohnt sich

Wer nun einfach dem Flüsschen Glems folgt, macht nichts falsch. Ab der Straße in den Silberberg haben einen die Autos wieder - aber auch der Zug. Die Tour verläuft nun parallel zur Bahnstrecke. Ganz müde Väter haben am S-Bahn-Haltepunkt Rutesheim die Chance auf einen Lift zurück - neben Malmsheim die einzige Station, die treppen- und aufzugsfreie Bahnzugänge hat.

Doch weiterradeln lohnt sich wegen des herrlichen Spielplatzes am Längenbühl zwischen Silberberg und Renningen oder der netten Malmsheimer Ortsmitte mit Café-Terrasse, Brunnen und spielfreundlicher Bachgestaltung - oder einfach wegen dem letzten Buckel, den der wackere Carl Julius Abel uns noch drei Kilometer vor dem Ziel in den romantischen Wiesengrund aufgeschaufelt hat: Die Schwarzwaldbahn ist kühn über Viadukte, Taleinschnitte und Böschungen durch das württembergische Herzland gen Westen getrieben worden. Eines haben die Bahnväter nicht ersonnen: obwohl die S-Bahn in Weil der Stadt ebenerdig hält, ist der inselartige Bahnsteig nur über steile Treppen zu erreichen - oder einen viel zu kurzen Aufzug.

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