Nachdem die deutschen Urlauber den Gürtel in den Coronajahren 2020 und 2021 enger geschnallt haben, scheint das Geld in den Ferien jetzt wieder mindestens so locker im Portemonnaie zu liegen wie vor der Pandemie. Messebesucher der CMT bestätigen das Bild: Trotz Inflation und allgemeiner Krisenstimmung wird im Urlaub wieder tiefer in die Taschen gegriffen. Wenn die Tourismusmesse CMT der Gradmesser ist, kann von einer Zurückhaltung bei der Urlaubsplanung keine Rede sein.
Bereits am ersten Tag sind die Hallen der Messe Stuttgart randvoll mit Urlaubswilligen. Ob Kurzurlaub in Baden-Württemberg oder die Reise zu fernen Kontinenten - in jeder Ausstellungshalle drängen sich die Menschen in den Gängen. Ein Familie aus Heilbronn hat den Türkeiurlaub für den kommenden Sommer schon fix gebucht. Aber nicht nur das: An Pfingsten geht’s zudem nach Singapur.
Für fast ein Viertel ist Urlaub zu teuer
„Wir fahren eigentlich in jeden Ferien in den Urlaub“, sagt die Mutter von zwei Kindern. Allein für ihren Sommerurlaub in der Türkei rechnen sie mit 4000 bis 5000 Euro Reisebudget. Fernreisen stehen für Axel Kouril derzeit nicht auf dem Programm: „Mit zwei kleinen Kindern geht das nicht“, sagt der 36-Jährige. Dieses Jahr soll es zum Campen entweder nach Frankreich oder nach Spanien gehen – klassische Urlaubsziele der Deutschen. Zehn bis zwölf Tage ist die Esslinger Familie üblicherweise im Sommer im Urlaub. „Für vier Personen rechnen wir dann mit 3000 bis 4000 Euro“, sagt Kouril.
Dass angesichts steigender Lebenshaltungskosten und der Preise in den Feriendestinationen derzeit bei weitem nicht jeder seine finanziellen Möglichkeiten so rosig einschätzt, dass der Urlaub in diesem Jahr gesichert erscheint, belegen indes aktuelle Erhebungen der Tourismusbranche: Wie Martin Lohmann von der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) berichtet, gehen fast ein Viertel der Deutschen, 23 Prozent, derzeit davon aus, aufgrund der knappen Finanzen überhaupt keinen Urlaub machen zu können. Weitere 23 Prozent schätzen es zumindest als unsicher ein.
Urlauber zahlen im Schnitt mehr als vor Corona
Gut für die Branche, dass diejenigen, die es sich nach wie vor leisten können und wollen, sieht man von Lebensmitteln ab, traditionell für nichts lieber Geld ausgeben als für die lieb gewonnene Urlaubsreise. Im Schnitt waren das schon vor zwei Jahren, so die Tourismusforscher, bei Reisen ab einer Dauer von fünf Tagen knapp 1200 Euro pro Person. Mehr als vor der Pandemie. Der Tourismusexperte Lohmann beschreibt die aktuelle Situation deshalb so: „Trotz eines als unsicher und kritisch wahrgenommen Umfeldes sorgt die hohe Konsumpriorität für Reisen für eine stabile Nachfrage nach touristischen Leistungen.“
Auch die Wahlichs aus Freudenstadt haben schon gebucht, und nicht nur einmal: In den Pfingstferien steht Italien auf dem Kalender, im Sommer Österreich. „Wir fahren mindestens zweimal im Jahr in Urlaub“, sagt Pascal Wahlich. Mit ihrem Wohnwagen bleibt die Familie aber immer in Europa. Früher, ohne Kind, durften es auch Fernreisen sein. Aktuell rechnet die dreiköpfige Familie mit Urlaubskosten von 3000 bis 4000 Euro. Aber Wahlich betont auch: „Die Preise sind beim Camping in den vergangenen Jahren ins Utopische gestiegen.“ Noch sei die Schmerzgrenze aber nicht erreicht.
Deutschland bleibt liebstes Reiseziel
Für Sophie Gienow kommt die CMT mit ihrem diesjährigen Partnerland Philippinen genau richtig. Sie hatte sich schon vor der Messe vorgenommen, in diesem Jahr den Inselstaat in Südostasien zu besuchen: Fernreisen sind das Ding der 24-Jährigen. „Ich war auch schon auf Sri Lanka und den Seychellen“, sagt die junge Frau. Diesmal soll es Schnorchelurlaub auf den Philippinen sein. „Ich konnte mich hier auf der Messe jetzt noch mal gut informieren.“ Mit wie viel die zweieinhalb Wochen lange Reise insgesamt zu Buche schlagen wird, kann Gienow noch nicht abschätzen. „Und wie viel Geld ich ganz allgemein für Urlaube ausgeben will, kann ich pauschal auch nicht sagen“, sagt die Frankfurterin. Das sei von Destination zu Destination unterschiedlich. Ist der Flug teuer, spare sie vor Ort: „Ich übernachte dann oft in günstigen Hostels.“ Tatsächlich steigt, statistisch gesehen, die Nachfrage nach Fernreisen, wie sie Sophie Gienow macht. Bei des Deutschen liebsten Reisezielen ist laut FUR das eigene Land zwar immer noch die Nummer eins. „Doch das Interesse sinkt“, sagt der Tourismusforscher Lohmann. Absolut gesehen reisten die deutschen Urlauber hinter dem eigenen Land aber auch zuletzt wieder am liebsten nach Italien, gefolgt von Spanien, der Türkei und Österreich. „Auch ich will dieses Jahr wieder in den Süden“, sagt Eva Halbherr und meint damit Ziele in Südeuropa.
Sie weiß zwar noch nicht genau, wohin es gehen soll, aber dass es zwei Wochen werden, sei bereits klar. Und die Kosten? Die 27-jährige Riedlingerin lacht uns sagt: „Keine Ahnung, das was es kostet, kostet es eben.“