Tradition in Bietigheim Silvesterlauf erstmals auch als Livestream

Neben dem Abschnitt durch die Altstadt ist der Lauf unter dem Viadukt eines der Strecken-Highlights. Den Silvesterlauf der Frauen gewann Hanna Klein (Mitte) vor Eva Dieterich (rechts) und Debora Schöneborn. Bei den Männern setzte sich Simon Boch (Mitte) durch, gefolgt von Jona Bodirsky (links) und Florian Röser. Foto: /Fotos: Avanti/Ralf Poller

Insgesamt 3040 Läufer sind trotz nasskaltem Wetter beim Bietigheimer Silvesterlauf gestartet. Das Publikum feuerte Spitzen- wie Freizeitläufer lautstark zu Bestzeiten an. Das Renngeschehen konnte im Internet live mitverfolgt werden.

Die Hartgesottenen lassen sich trotz des nasskalten Wetters nicht abhalten und stehen unterm Viadukt am Start des Bietigheimer Silvesterlaufs. Beim Start im vergangenen Jahr mussten sich die Läufer noch auf ungewöhnliche 20 Grad Temperatur einstellen. Doch die Starttemperatur am Samstag von acht Grad geht durch Mark und Bein und fühlt sich durch die nasskalten Regenschauer zuvor eher wie zwei Grad an.

 

Um 13.47 Uhr hat Orga-Leiter Gerhard Müller nach Rücksprache mit der Polizei die Strecke freigegeben. Rechtzeitig um 14 Uhr erfolgt dann der Startschuss durch Oberbürgermeister Jürgen Kessing zur 41. Auflage des beliebten Klassikers unter den Silvesterläufen. Eine Aufgabe, die er als Schirmherr und amtierender Präsident des Leichtathletikverbandes gerne macht, denn Kulisse, Stimmung und das begeisterte Publikum haben diesen Lauf weit über die Region hinaus bekannt gemacht – zu einem der beliebtesten Silvesterläufe.

Ein Bandwurm aus laufbegeisterten Menschen

Ein nicht endend wollender Bandwurm aus laufbegeisterten Menschen setzt sich in Bewegung. Auf das Ziel fixierte ernste Sportler sieht man genauso wie verkleidetet Menschen und lächelnde in alle Richtungen winkende Läufer. Erst fünf Minuten nach dem Startschuss sind schließlich alle der mehr als 3000 Läufer und Läuferinnen auf der Strecke entlang der Enzauen und wieder zurück durch die Altstadt. Da ist die Spitzengruppe bereits wieder auf der gegenüberliegenden Seite der Enz unter dem Viadukt hindurchgelaufen, zurück Richtung Altstadt.

Zu dem Favoritenkreis zählt auch Simon Boch von der LG Telis Regensburg, der in diesem Jahr schon Vizemeister im Halbmarathon wurde und die Startnummer 1 erfolgreich mit fast zwei Minuten Vorsprung ins Ziel trägt. „Bei solchen Rennen startet man für die Platzierung und nicht für die Zeit“, sagt er im Ziel zu seinem Vorsprung. Mit Startnummer 768 folgt ihm anfangs noch dicht Jona Bodirsky vom TSV 05 Rot. Auch Florian Röser, im letzten Jahr auf Platz 3 gelandet und schon achtmal beim Silvesterlauf dabei sowie Siebter bei den Deutschen Marathonmeisterschaften, ist den zwei dicht auf den Fersen. Doch ab der Steigung bei der zweiten Runde prescht Boch aus der Spitzengruppe heraus nach vorn zum Sieg.

Kurt Lauer von der LAZ Ludwigsburg verbleibt diesmal als einziger Lokalfavorit. Denn Julian Großkopf musste sich erkältungsbedingt kurzfristig abmelden, sodass der Wettstreit zwischen den Ludwigsburger Topathleten ausfällt. Nächster Starter eines Teams aus der Region ist dann Nils Friedrich aus Ludwigsburg auf Platz 21.

Bei den Frauen setzt sich Hanna Klein von der LAV Stadtwerke Tübingen mit der Startnummer 1 an die Spitze vor ihrer Teamkameradin Eva Dieterich, gefolgt von Debora Schöneborn vom Marathon Team Berlin.

Allen gemeinsam ist ein sehr schnelles Tempo, mit dem sie als Läufer selbst die meisten Freizeitradler auf einem E-Bike abhängen könnten. Apropos Fahrrad: Erstmalig hat es einen Livestream gegeben, mit dem das Renngeschehen auf der Strecke von einem vorausfahrenden Radfahrer und im Start- und Zielbereich hautnah über das Internet mitverfolgt werden konnte.

Etwas langsamer ging es bei „Immerläufer“ Peter Bäuchle zu. Seinen Rekord aber müssen die Besten erst einmal erreichen: „Ich laufe das Ding heute einfach runter“, sagt Bäuchle vor dem Start als Routinier und 41-maliger Starter seit Anbeginn der beliebten Laufveranstaltung. Doch Bäuchle steht stellvertretend für viele der heutigen Starter: Ankommen und dabei sein ist entscheidend.

Jeder Läufer wird frenetisch angefeuert

Eine Spitzenleistung lieferten die Bietigheimer Zuschauer. Jeder Läufer wurde frenetisch angefeuert. Egal ob an der Spitze, verkleidet oder einfach nur mit dem Willen, die Strecke zu bewältigen. Und selbst die letzten Läufer erhielten noch lautstark Zuspruch. Lediglich der Regen hielt dann wohl doch noch einige Zuschauer kurzfristig ab. Wer aber da war, hat begeistert applaudiert. So wie die Angehörigen Petra und Finja, die extra aus den USA angereist sind und ihren Favorit Luca anfeuerten. Gäbe es also einen Publikumspreis zu vergeben, hätte sich das Bietigheimer Publikum einen Podiumsplatz im Herzen der Leichtathleten verdient.

Oben auf der Bühne ist schon die Siegerehrung in vollem Gang, da biegt Peter Bäuchle gerade in die zweite Runde ein. Am Schluss belegt er Startplatz 1797 und wird 13. in seiner Altersklasse 70 Jahre. Mitmachen und ankommen, ist seine Devise. Damit steht der als Immerläufer bekannte Bäuchle stellvertretend für die engagierten Freizeitläuferinnen und -läufer, die vor allem zur Freude und zum Erlebnis laufen und das Jahr 2023 mit einem guten Gefühl abschließen.

Der Silvesterlauf 2023: die Sieger, die Strecke und eine Neuheit

Sieger bei den Frauen
1. Platz: Hanna Klein, LAV Stadtwerke Tübingen, 35:07 Minuten; 2. Platz: Eva Dieterich, LAV Stadtwerke Tübingen, 35:22 Minuten; 3. Platz Debora Schöneborn, Marathon Team Berlin, 35:23 Minuten.

Sieger bei den Männern
1. Platz: Simon Boch, LG Telis Finanz Regensburg, 30:54 Minuten; 2. Platz: Jona Bodirsky, TSV 05 Rot, 32:53 Minuten; Florian Röser, TV Konstanz, 33:04 Minuten.

Die Strecke
Die Strecke des Silvesterlaufs ist 10,75 Kilometer lang und in zwei Runden unterteilt. Die erste Runde ist 4,75 Kilometer, die zweite Runde sechs Kilometer lang und führt unter anderem durch die Altstadt, entlang der Enz und an der Eissportarena vorbei. Der Start- und Zielbereich befindet sich nahe dem Hallenbad auf dem Gelände des Pferdemarktes. Eine Neuheit war der Online-Livestream, der Aufnahmen vom Zielbereich und aus der Altstadt sendete.

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