Traditionsfest in Markgröningen Was die Faszination Schäferlauf ausmacht

Buntes Treiben in der Altstadt: der Umzug gehört traditionell zum Schäferlauf Foto: Werner Kuhnle

Zum Traditionsfest nach Markgröningen kommen wieder Tausende – am Samstag werden sie ziemlich nass. Der guten Stimmung tut das keinen Abbruch.

Digital Desk: Michael Bosch (mbo)

Ausgerechnet als der Schäferlauf auf das Highlight, den namensgebenden Wettkampf, bei dem Schäferstöcher und -söhne über ein 300 Meter langes Stoppfeld wetzen, öffnete der Himmel am Samstagnachmittag seine Schleusen.

 

Das Festwochenende eines der größten Heimatfeste im Südwesten, fiel ins Wasser – wieder einmal. Schon am Freitag war zum Auftakt das Leistungshüten, bei dem Schäfer gemeinsam mit ihren Hunden ihr Können unter Beweis stellen, wegen eines aufziehenden Gewitters unterbrochen worden. Nach der Pause konnten die Zuschauer auf eigene Gefahr bleiben – etwa 100 Hartgesottene harrten im Regen aus.

Für Markgröninger ist das Fest ein Muss

Schmuddelwetter hat beim Schäferlauf fast schon Tradition. Auch im vergangenen Jahr hatte es gegossen wie aus Kübeln. Insofern nahmen es viele Besucher dieses Mal gelassen. Immerhin: Am Samstagabend und auch den größten Teil des Sonntags über blieb es dann trocken.

Am Samstagmittag, der Umzug mit den rund 50 Gruppen ist gerade vorbeigezogen, steht Andreas Harder unter dem Vordach eines Standes. Für den gebürtigen Markgröninger steht der Schäferlauf jedes Jahr fest im Kalender. Von einer Konferenz in Griechenland ist er extra einen Tag früher abgereist. „Den Freitag hab ich schon verpasst deswegen, den Rest wollte ich mir nicht nehmen lassen“, sagt der 32-Jährige, der inzwischen am Bodensee wohnt. Dass es regnet, trübt seine Laune nicht. „Das war gefühlt in den letzten zehn Jahren sieben Mal der Fall.“

Dass sich alte Schulfreunde, Bekannte und ehemalige Nachbarn bei Dorffesten jedes Jahr wiedersehen, kennt man auch aus anderen Kommunen. Nur beim Schäferlauf ist alles zigmal größer – auch wenn bei weitem nicht mehr so viele Stände in und um die Innenstadt aufgebaut werden, wie das schon der Fall war. Wer den Trubel noch nie selbst miterlebt hat, kann es nicht nachvollziehen.

Tradition reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück

Der Schäferlauf gehört zu den größten Festen in Süddeutschland und der Region Stuttgart, seine Wurzeln reichen bis ins Mittelalter zurück. Auch wenn ein Rummel und jede Menge moderne Elemente hinzugekommen sind, das Brauchtum spielt nach wie vor eine große Rolle. Neben dem Lauf, der eine ziemlich matschige Angelegenheit war und von Michael Allmendinger und Nadine Mezger gewonnen wurde, gehören auch Sacklaufen, Wassertragen und der Hahnentanz sowie das Festspiel „Der treue Bartel“, das die Entstehungsgeschichte des Fests erzählt, zum Programm. Wegen der Tradition kommen alljährlich viele Auswärtige nach Markgröningen.

„Das ist einfach faszinierend, das man sonst nirgendwo findet“, sagt eine Frau, die aus dem Schwarzwald angereist ist. Nach Angaben der Stadt empfängt sie bis zu 100 000 Besucher jedes Jahr im August. In diesem Jahr dürften es allerdings ein paar weniger gewesen sein. Unter ihnen waren am Samstag auch einige Bundestagsabgeordnete aus dem Kreis und Innenminister Thomas Strobl (CDU), der mit Landrat Dietmar Allgaier und Bürgermeister Jens Hübner in einem Wagen beim Umzug saß. Vom Regen verschont blieb die Prominenz nicht. Überhaupt waren die Wettkämpfe trotz der Wassermengen, die vom Himmel fielen, erstaunlich gut besucht. Viele hatten wohl mit den Niederschlägen gerechnet und sich entsprechend präpariert. Außer dem Wetter verlief das Wochenende ruhig, laut einem Sprecher der Polizei gab es bis zum frühen Sonntagabend keine besonderen Vorkommnisse.

Ohne Plakette kommt niemand rein

An einem Zugang zur Markgröninger Altstadt sitzen zwei Frauen unter einem Schirm und verkaufen die sogenannten Festplaketten, die in diesem Jahr ein Schäferhut mit Schäferschippe ziert. Sie sind so etwas wie die Eintrittskarten in die Innenstadt, ohne sie kommt man nicht rein. Die Täfelchen sehen immer anders aus und sind dementsprechend bei Sammlern begehrt. Eine der vielen kleinen Besonderheiten des Schäferlaufs. „Ich mache das schon seit zehn Jahren, vielleicht auch ein bisschen länger“, sagt eine der Frauen. Eigentlich komme sie aus Enzweihingen, „aber jedes Jahr am Schäferlauf fühle ich mich ein bisschen wie eine Markgröningerin.“

An diesem Montag geht der Schäferlauf noch weiter. Mit dem Markt, Livemusik und einem Feuerwerk beim Vergnügungspark zum Abschluss. Der Termin für das kommende Jahr steht im übrigen schon fest. Das Fest findet dann am Wochenende um den 25. und 26. August statt. Richtige Markgöninger haben sich den Termin selbstverständlich schon dick im Kalender angestrichen.

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