Herr Stenzel, Christian Streich hat seinen Abschied als Trainer in Freiburg angekündigt. Ist der SC ohne ihn überhaupt vorstellbar?
Im Moment kann ich mir das tatsächlich nur sehr schwer vorstellen. Allerdings glaube ich auch, dass der Sportclub auch ohne ihn in dieselbe Richtung weiterarbeiten wird. Er hinterlässt ein Fundament, das – auch wegen der anderen Führungsfiguren – sehr stabil ist.
Können Sie verstehen, dass er demnächst einen Schlussstrich zieht?
Total. Das Fußballbusiness kann sehr fordernd sein, vor allem, wenn man es so verkörpert, wie Christian Streich es tut. Immer intensiv und mit sehr viel Emotionen, das kostet Energie. Allerdings denke ich auch, dass er bei seiner Entscheidung nicht nur an sich gedacht hat.
Sondern?
An den ganzen Verein und den sportlichen Erfolg. Er hat ja kürzlich schon einmal angedeutet, dass die Mannschaft womöglich eine neue Energie, einen neuen Impuls benötigt.
Erinnern Sie sich noch an Ihr erstes Gespräch mit ihm?
Ja, sehr gut sogar. Das Gespräch fand am Tag nach der Rückreise des Sportclubs aus dem Trainingslager statt. Es war nicht nur Christian Streich dabei, sondern auch der Sportdirektor Clemens Hartenbach und der Sportvorstand Jochen Saier. Allerdings war die Stimmung zunächst nicht besondern gut.
Warum?
Der SC war am Tag zuvor aus dem Trainingslager in Spanien zurückgekehrt – und dort hatten sich wohl einige Spieler Verletzungen zugezogen.
Im weiteren Verlauf des Gesprächs . . .
. . . war für mich sehr schnell klar, dass ich den Schritt von Dortmund nach Freiburg gehen möchte. Somit war Christian Streich der Trainer, unter dem ich im Profibereich Fuß gefasst habe. Dafür bin ich ihm und dem SC Freiburg nach wie vor sehr dankbar.
Wir fordernd ist die Arbeit mit ihm?
Mitte der Woche hatten wir immer sehr intensive Trainingseinheiten. Da wollte er sehen, dass es hart zu Sache geht, dass alle stets voll konzentriert sind, dass Leidenschaft im Spiel ist – und es konnte schon auch mal laut werden. Wie gesagt: Christian Streich ist ein sehr akribischer, aber eben auch sehr emotionaler und fordernder Mensch – wenn es um Fußball geht.
Und abseits des Platzes?
Kann man mit ihm auch immer über andere Dinge sprechen, auch über Persönliches. Er ist da sehr empathisch. Und kam, zum Beispiel, oft nach dem Ausradeln nach Spieltagen noch zu uns. Dann war immer Zeit, über andere Dinge als Fußball zu sprechen. Und wenn vor Trainingseinheiten mal noch Zeit war, hat er dies auch oft genutzt.
Wofür?
Zum Beispiel, um Denkanstöße zu geben, wenn ihm ein bestimmtes aktuelles Thema am Herzen lag. Er hat angeregt, dass auch wir Spieler uns in andere Themen einlesen und uns dazu aufgefordert, unsere freie Zeit sinnvoll zu nutzen.
Wird er der Bundesliga fehlen?
Sicher. Er ist eben ein besonderer Mensch. Und für mich ist klar: Einen wie ihn, und das noch im Gesamtpaket mit diesem Club SC Freiburg, wird es nicht mehr geben.