Traubenpressen vorm Stuttgarter Rathaus Erste Kostprobe von einem besonderen Jahrgang

Von Heidemarie A. Hechtel 

Erst Füße waschen, dann Trauben pressen: Beim traditionellen Traubenpressen vor dem Stuttgarter Rathaus werden 80 Kilo Bacchus- und Dornfelder-Trauben zu 50 Liter Saft.

Annette Currle (links) und Inge Putler  (rechts) mit Alexandra Sußmann Foto:  
Annette Currle (links) und Inge Putler (rechts) mit Alexandra Sußmann Foto:  

Stuttgart - Die Fußwaschung gilt ja als etwas zutiefst Christliches. Man denke nur an das vorösterliche Demutsritual des Papstes. Wenn sich die Weindorf-Wirtinnen Annette Currle, Celine Hellmonds und Inge Putler mit Wasser und Seife um die Füße der Rathausprominenz kümmern, dann hat das allerdings mehr mit der Notwendigkeit gewisser hygienischer Grundregeln zu tun: Damit sie gleich in einen Zauber voller Trauben steigen können, um sie mit trittfestem Einsatz in köstlichen Saft zu verwandeln. Was die neue Sozialbürgermeisterin Alexandra Sußmann, die Stadträtinnen Jasmin Meergans (SPD), Rose von Stein (Freie Wähler), Nicole Porsch (CDU) zusammen mit dem Quotenmann Benjamin Boy (Grüne) und der Weindorf-Botschafterin Esther Fingerle dann auch beherzt tun. „Ich bin stolz auf euch“, lobt Bärbel Mohrmann, Geschäftsführerin von Pro Stuttgart, die Frauenriege.

Impulsgeber für das Traubenpressen war Stuttgarts früherer OB Manfred Rommel

„So haben Frauen und Kinder bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Maische hergestellt“, klärt der Uhlbacher Wengerter Fritz Currle auf, der die Bacchus- und Dornfelder-Trauben mitgebracht hat und die Maische in einer Zentrifuge zu Saft verarbeitet. Auf dem Weindorf sei es freilich einst OB Manfred Rommel gewesen, der mit seiner Frage nach diesem alten Verfahren die Tradition des Traubenpressens ausgelöst habe.

An die 50 Liter köstlicher Traubensaft fließen aus Currles Zentrifuge und verbreiten als Kostprobe Vorfreude auf den aktuellen Jahrgang. „Der wird toll“, versichert Currle und erklärt, was es mit den Öxlegraden, der Maßeinheit für den Zuckergehalt, auf sich hat. „Jeder Sonnentag bringt jetzt ein Öxlegrad mehr“, bestätigt Andreas Zaiß.

Wein, Weib und Gesang: Nichts fehlte beim pittoresken Spektakel auf der Rathaustreppe. Auch dank des stimmkräftigen Einsatzes der Chöre Harmonie und Senioren Bad Cannstatt und Frohsinn Wangen.




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