Trauer bei Polizei im Kreis Göppingen Kollegen der Opfer sind bestürzt

Eine junge Polizistin des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen steigt in einen Einsatzwagen, auch im Land bekunden die Beamten ihre Anteilnahme mit Trauerflor. Foto: Staufenpress Foto:  

Nach den Todesschüssen auf zwei Polizisten in der Pfalz beginnt die Analyse. Die Fassungslosigkeit im Göppinger Polizeipräsidium Einsatz und im Polizeipräsidium Ulm ist groß – nicht nur über das Verbrechen selbst.

Kreis Göppingen - Es ist eine schockierende Tat: Eine Polizeianwärterin und ein Oberkommissar sind am frühen Montagmorgen dieser Woche bei einer Verkehrskontrolle in der Pfalz erschossen worden. Zwei Verdächtige wurden festgenommen. Die Hinweise verdichten sich, dass die beiden Polizisten im Begriff waren, eine illegale Jagd aufzudecken – und dabei ihr Leben ließen.

 

Die Todesschüsse rufen Bestürzung hervor. Bundesweit, landesweit und auch im Polizeipräsidium Einsatz in Göppingen. „Der Vorfall macht alle Kollegen betroffen“, sagt der Polizeipräsident Anton Saile. „Das sind Dinge, die man im Kopf hat. Man weiß, dass sie jedem passieren können“, sagt er. Doch wenn es dann dazu komme, „ist man bestürzt“. Saile fühlt mit den Familien der getöteten Polizisten, malt sich aus, was den beiden Beamten in den letzten Minuten ihres Lebens durch den Kopf gegangen ist. „Solche Vorfälle rufen einem ins Bewusstsein, dass der Polizeiberuf gefährlich ist“, sagt der Präsident, dessen oberstes Ziel immer ist, „dass die Kollegen gesund vom Einsatz zurückkommen“. Glücklicherweise kämen Taten in dieser Dimension nicht so häufig vor, sie habe es aber auch früher schon gegeben.

Hilfe von Psychologen

Wie wird ein solch schreckliches Verbrechen aufgearbeitet? Wo kann man nachjustieren bei der täglichen Arbeit der Polizei? „Mit einer besseren Schutzausstattung kriegt man so etwas nicht verhindert“, sagt Anton Saile. Zumal Fahrzeugkontrollen wie jene am Montag an einer Kreisstraße in der Pfalz hundertfach gemacht und auch immer wieder geübt würden. „Eine Sekunde der Unachtsamkeit reicht da aus“, verdeutlicht der Präsident des Polizeipräsidiums Einsatz.

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Hundertprozentig verhindern ließen sich solche Vorfälle nicht, „aber wir werden bundesweit schon analysieren, wie die Kontrolle abgelaufen ist und gegebenenfalls Dinge anpassen“. Saile stellt fest, dass die Kolleginnen und Kollegen untereinander viel über die Todesschüsse in Rheinland-Pfalz reden. Sollte ein Beamter sich sehr stark damit beschäftigen, könne er einen Psychologen zurate ziehen. „Die Kollegen werden damit nicht alleine gelassen.“ Die Bestürzung ist groß, das bestätigt auch Bernhard Weber, der Präsident des Polizeipräsidiums Ulm, das auch für den Landkreis Göppingen zuständig ist. „Der sinnlose Tod der Kollegin und des Kollegen hat uns auch hier in der Region sehr betroffen gemacht. Wir sind bestürzt und fassungslos“, sagt Weber.

Gedenkminute an diesem Freitag

„Unsere Trauer, unsere Verbundenheit und unser Mitgefühl wollen wir mit einer Gedenkminute am Freitag zum Ausdruck bringen. An dieser Gedenkminute teilzunehmen, laden wir auch alle Menschen in der Region ein, um so ein Zeichen der Verbundenheit mit ihrer Polizei zu setzen.“

Anton Saile macht neben dem Verbrechen selbst noch etwas ganz anderes zu schaffen: Dass auf Corona-Demos der Tod der beiden Polizisten regelrecht gefeiert worden sei, die Beamten verhöhnt worden seien. „Das macht mich fassungslos und stimmt mich äußerst nachdenklich“, sagt der Polizeipräsident. Solchen Menschen, die auch Hass und Hetze im Internet verbreiten, entgegnet der Göppinger Polizeipräsident: „Wir kommen auch, wenn bei dir eingebrochen wurde, wenn deine Frau bei einem Unfall schwer verletzt wurde, wenn deine Großmutter mit Demenz irgendwo herumirrt. Da machen wir keine Unterschiede.“

Gewaltbereitschaft nimmt zu

Statistik
Die Respektlosigkeit und Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten, aber auch anderen Staatsorganen, nimmt zu. „Das ist eine Entwicklung, die in der Kriminalstatistik feststellbar ist“, sagt Anton Saile, der Präsident des Polizeipräsidiums Einsatz in Göppingen. Der Fünf-Jahres-Vergleich zeigt: 2016 waren es insgesamt 4394 Straftaten gegen Polizeibeamte in Baden-Württemberg, 2020 bereits 5151. Bei den Straftaten gegen das Leben gab es im Jahr 2016 sieben, 2020 elf. Die Zahlen für das vergangene Jahr liegen laut der Pressestelle des Polizeipräsidiums Einsatz erst im März vor.

Corona-Demos
Auch bei Demos gegen die Corona-Auflagen werde der Ton rauer, meist bleibe es aber bei verbalen Unflätigkeiten. Mit Waffengewalt habe sich die Polizei bisher nicht konfrontiert gesehen.

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