Trauerzentrum für Degerloch Den Tod ins Leben holen

So sieht das Kolumbarium im Sankt-Marien-Dom in Hamburg aus, es wurde 2012 eingeweiht. Weitere Eindrücke Foto: Klodwig & Partner Architekten 7 Bilder
So sieht das Kolumbarium im Sankt-Marien-Dom in Hamburg aus, es wurde 2012 eingeweiht. Weitere Eindrücke Foto: Klodwig & Partner Architekten

Die Degerlocher Gemeinde Mariä Himmelfahrt ist vom katholischen Stadtdekanat Stuttgart als Standort für ein Trauerzentrum ausgewählt worden. Dazu gehört auch ein Kolumbarium, das sind Urnennischen.

Filderzeitung: Judith A. Sägesser (ana)
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Degerloch - In und um die Kirche Mariä Himmelfahrt könnte sich einiges ändern. Eine Projektgruppe des Stadtdekanats hat die katholische Gemeinde als Standort für ein neues pastorales Trauerzentrum auserkoren. Es ist noch alles zu frisch, um nicht im Konjunktiv darüber zu sprechen. Aber die Chancen, dass das Zentrum in Degerloch aufgebaut wird, stehen gut.

Denn als Chance begreifen die Kirchengemeinderäte die Pläne. Sie sind im Juni informiert worden, die Gemeinde am vergangenen Wochenende. „Die Stimmung ist positiv“, sagt Michael Pope, zweiter Vorsitzender des Gremiums. Gewöhnungsbedürftig sind die Pläne für viele sicher trotzdem. Schließlich hatten die Degerlocher stets die Hoheit über die 1927 an der Karl-Pfaff-Straße erbaute Kirche, mussten sie nie teilen. Dazu gibt es Fragen. Fragen, die das Projekt jedoch nicht gefährden.

Kolumbarium in der Kirche geplant

Zum Zentrum gehört ein Kolumbarium. Das sind Urnennischen. Sie sollen Platz in der Kirche finden, also in der Mitte der Gemeinde. „Tod und Auferstehung machen unseren Glauben aus“, sagt die Pastoralreferentin Kirstin Kruger-Weiß. Der Tod soll ins Leben geholt werden. „Das ist ja eine ganz alte Geschichte“, sagt Michael Pope. Kolumbarien gab es schon im alten Rom.

Gegenüber von Kirstin Kruger-Weiß und Michael Pope sitzt Angelika Daiker, die Leiterin des Degerlocher Hospizes. Sie war in der Projektgruppe, die am Konzept fürs Trauerzentrum feilte. Dass Degerloch der Standort werden könnte, war nicht gleich klar, sagt Daiker. „Degerloch kam erst später ins Blickfeld.“ Was auch daran lag, dass sich die Projektgruppe fürs Kolumbarium zunächst eine große Kirche vorstellte. In Degerloch wäre das Kolumbarium „deutlich kleiner“, wie Michael Pope sagt. Die Zahl der Urnenplätze wäre wohl dreistellig.

Das Hospiz kümmert sich um Sterbende und Trauernde

Im Nachhinein besehen passt das Zentrum perfekt nach Degerloch. Vor allem wegen des Hospizes, in dem seit 2005 Todkranke ihren letzten Weg antreten. Sterben ist aber längst nicht mehr das einzige Thema. Das Augenmerk richtet sich mehr und mehr auf die Hinterbliebenen. So gibt es mittlerweile viele Trauergruppen – zum Beispiel für Kinder, für Jungverwitwete, für verwaiste Eltern. Diese Gruppen sind so gefragt, dass das Hospiz an seine Grenzen kommt. Ein weiterer Ort für Trauernde ist für Angelika Daiker wünschenswert. Und die Kombination mit dem Kolumbarium sei ein Geschenk für Angehörige. Ist ein geliebter Mensch gestorben, reißt das eine Lücke, die ein Leben lang klafft. Für andere geht der Alltag hingegen irgendwann weiter. Urnennischen an einem Ort, am dem Leben ist, sind ein Zeichen, „dass die Trauer einen Platz bekommt, es zeigt, dass es sein darf, dass die Trauer ein Teil des Lebens ist“, sagt Angelika Daiker.

Herzstück soll ein Trauercafé sein

Das Zentrum soll ins derzeit leer stehende Pfarrhaus ziehen. Herzstück wäre ein Trauercafé. Alles Weitere ist derzeit mehr als vage. Schlicht, weil das Stadtdekanat möchte, dass die Gemeinde Mariä Himmelfahrt an den Ideen mitwirken. Das soll in den nächsten Monaten geschehen.

Abgesehen davon sollen zwei weitere Zentren eingerichtet werden: ein Jugendpastorales und ein Spirituelles Zentrum. Das alles ist Teil des stadtweiten Projekts „Aufbrechen“, mit dem die Katholische Kirche ihren Platz in der Zukunft sucht.

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