Traumatherapie für Flüchtlinge Baden-Württemberg fördert neues Ausbildungsinstitut im Nordirak

Von Maria Wetzel 

Mit Geld vom Wissenschaftsministerium Baden-Württembergs ist im nordirakischen Dohuk ein psychologisches Institut eingerichtet worden. Hier sollen 30 Studierende lernen, Menschen, die die Grausamkeit des IS-Terrors erlebt haben, zu helfen.

Im Flüchtlingslager Kabarto in Dohuk suchen Jesiden Schutz vor dem IS. Foto: AP
Im Flüchtlingslager Kabarto in Dohuk suchen Jesiden Schutz vor dem IS. Foto: AP

Stuttgart - Auf diesen Tag haben sie lange hingearbeitet: An diesem Donnerstag wird an der Universität der nordirakischen Stadt Dohuk das Institut für Psychotherapie und Psychotraumatologie feierlich eröffnet. Geladen sind neben irakischen Poli­tikern unter anderem der deutsche Botschafter und ein UN-Sonderbotschafter. Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer wird per Videoübertragung ein Grußwort sprechen. Schließlich ist ihr Ministerium maßgeblich am Aufbau des Instituts beteiligt. „Es gibt Erfahrungen menschlichen Leids, die man nicht ohne Hilfe verarbeiten kann“, sagt die Grünen-Politikerin.

Vor wenigen Tagen haben die ersten 30 Studierenden mit ihrer Zusatzqualifikation begonnen. Sie sollen traumatisierten Menschen in der krisengeschüttelten Region helfen, zu einem halbwegs normalen Leben zurückzukehren. In und um Dohuk leben Hunderttausende Flüchtlinge, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien, religiöser Verfolgung oder den Gräueltaten des Islamischen Staates (IS) geflohen sind.

Großes Interesse an dem neuen Studiengang

Das Interesse an dem neuen Studiengang war groß. Rund 60 Kandidaten hatten sich auf die 30 Plätze beworben. Einige schieden aus, weil sie die Voraussetzungen nicht erfüllten – dazu zählen unter anderem ein Hochschulabschluss etwa in Psychologie, Sozialarbeit oder Pädagogik, berufliche Erfahrung und persönliche Eignung. Eine Kommission aus Deutschland und der Universität Dohuk bestimmte nach einem mehrtägigen Auswahlverfahren im Januar schließlich diejenigen, die in den nächsten drei Jahren einen Masterabschluss in Psychotherapie und Psychotraumatologie machen können – eine Ausbildung, die es im Mittleren Osten bislang gar nicht gibt. Die Hälfte von ihnen soll darüber hinaus auch als Ausbilder qualifiziert werden. Wie die Gruppe derjenigen, die sie künftig als Therapeuten unterstützen sollen, ist auch die Gruppe der Studierenden mit Absicht sehr gemischt: Sie besteht aus 19 Frauen und elf Männern; die meisten sind Muslime, sechs sind Jesiden, zwei Christen. Der Altersdurchschnitt liegt bei 26 Jahren. Zur Gruppe zählen auch zwei Psychologinnen über 40, die bisher allerdings noch nicht als Therapeutinnen gearbeitet haben. „Sie sind hochmotiviert zu lernen, um ihren Patienten effektiv helfen zu können“, sagt Jan Ilhan Kihilzan, der das Großprojekt auf den Weg gebracht hat.

Das grausame Schicksal der Jesiden

Der Psychologe und Psychotherapeut, der seit 2010 an der Dualen Hochschule in Villingen-Schwenningen lehrt, gilt als Experte in der Trauma-Behandlung. Vor einigen Jahren wandte er sich an die Landesregierung, um auf das Schicksal der Jesiden aufmerksam zu machen. Die relativ abgeschlossen lebende Gemeinschaft, die im Süden der Türkei und im Norden Syriens und des Irak beheimatet ist, bekam von Anfang an den Hass der IS-Terroristen zu spüren. Diese überfielen ihre Dörfer, töteten viele Männer und nahmen Frauen und Kinder mit. Einem Teil der Entführten ist es mittlerweile gelungen, sich zu befreien. Aber noch seien etwa 3400 Jesiden in der Hand des IS, sagt Kizilhan.