Treffen im Stuttgarter Climax Clubveteranen blicken zurück

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Instagram-Schalte statt Veranstaltung vor Publikum: Der Stadtpalais-Leiter Torben Giese hat Michael Gottschalk im Stuttgarter Club Climax besucht.

Michael Gottschalk und Torben Giese treffen sich im Club Climax. Foto: privat
Michael Gottschalk und Torben Giese treffen sich im Club Climax. Foto: privat

S-Mitte - Torben Giese steigt die Treppe hinunter in den Club Climax Institutes an der Calwer Straße. Die Kamera folgt ihm. Jeder Schritt und jedes Wort wird aufgezeichnet, damit es in dem Beitrag für die Reihe „Stadtpalais Live“ auf der Onlineplattform Instagram in Echtzeit verfolgt werden kann. Der Leiter des Stadtmuseums trägt Anzug und Krawatte, eine eher ungewöhnliche Aufmachung für einen Technoclub. In Zeiten des Coronavirus ist aber ohnehin nichts normal für die Clubszene. Tanzwütige in Tanktops oder auch mit nackten Oberkörpern werden auf unbestimmte Zeit keinen Club von innen sehen. Der Betreiber des Climax, Michael Gottschalk, wartet auf Giese in den verlassenen Räumlichkeiten. Er ist ein Gesprächspartner für die Digitalsendung. Sie gehört zum neuen Onlineangebot des Stadtmuseums für die Zeit der coronabedingten Schließung.

Verschlafene Clubszene revolutioniert

Aus Berlin zugeschaltet sind Ali und Sebastian Schwarz von der DJ-Formation „Tiefschwarz“. Sie betrieben den Club Red Dog an der Calwer Straße, bevor das Climax in den Räumen eröffnete. Die Brüder stehen inzwischen in der internationalen Techno-Kapitale Berlin an den Mischpulten. Die drei Veteranen des Stuttgarter Nachtlebens blicken im Gespräch mit Giese zurück auf die 90er Jahre. Ihnen zufolge revolutionierte unter anderem das Red Dog die bis dahin ihrer Wahrnehmung nach verschlafene Clubszene in Stuttgart. Ali Schwarz schwärmt von einer „wahrhaftigen Zwischenmenschlichkeit“ in einer Zeit ohne soziale Medien und Smartphones. Die 90er seien geprägt gewesen von Innovation, die heute nur noch repliziert werden könnte. „Ein neuer Trend entsteht nicht jedes Jahrzehnt“, wirft Giese ein.

Die existenzielle Not vieler Clubbetreiber blieb unerwähnt

Aber auch für den Leiter des Stadtmuseums scheint festzustehen, dass die Dekade der Love-Parade einer genaueren Betrachtung würdig ist. Er kündigt gemeinsam mit den Brüdern Schwarz eine Ausstellung für den Beginn des kommenden Jahres an. Sie soll sich der Geschichte von „Tiefschwarz“ und der Stuttgarter Clubszene widmen. Das Wort „Corona“ fiel bei der digitalen Diskussion nur am Rande. Die existenzielle Not vieler Clubbetreiber in der Pandemie blieb unerwähnt. Michael Gottschalk plauderte nicht aus dem Nähkästchen wie es um das Climax bestellt ist, in einer Zeit, in der in Berlin sogar der Technotempel Berghain stillsteht.




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