Treffpunkt in S-Mitte Ein Verein trägt nun den Begegnungsraum

Erich Franz Xaver Bliemel und Abdulhadi Rashid können  miteinander Schachspielen. Die von Manas Shariyari  (rechts) mitorganisierte Chai-Zeit ist in Präsenz möglich. Foto: / Rehman
Erich Franz Xaver Bliemel und Abdulhadi Rashid können miteinander Schachspielen. Die von Manas Shariyari (rechts) mitorganisierte Chai-Zeit ist in Präsenz möglich. Foto: / Rehman

Der Begegnungsraum an der Breitscheidstraße wird nun von einem Verein getragen, um die Ehrenamtlichen stärker einzubinden. Die Teestunde für Anwohner und Geflüchtete ist wieder möglich.

Aus den Stadtteilen : Cedric Rehman (cr)
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S-Mitte - Erich Franz Xaver Bliemel und Abdulhadi Rashid scheinen sich auch ohne Worte zu verstehen. Der eine spricht Deutsch mit einem leichten bayerischen Einschlag, der andere nur Farsi, eine im Iran und in Rashids Heimatland Afghanistan gängige Sprache.

Die beiden Männer schieben ihre Schachfiguren über das Brett vor ihnen auf einem Tisch vor dem Begegnungsraum an der Breitscheidstraße. Sie tauschen dabei Blicke der Anerkennung aus für die gewieften Züge des anderen.

Schachfreundschaft besteht seit 2018

Bliemel berichtet, dass er zum ersten Mal 2018 mit Rashid gespielt habe. Es sei zur Gewohnheit der beiden Männer geworden, sich jeden Montag zur sogenannten Chai-Zeit im Begegnungsraum zu einer Tasse Tee und einer Runde Schach zu treffen, erzählt er.

Die Welt änderte sich im März 2020 und die Coronapandemie beendete auch vorerst die Schachpartien der beiden Spieler in dem 2017 von Studierenden der angrenzenden Universität und Geflüchteten aus der benachbarten Asylunterkunft errichteten 80 Quadratmeter großen Treffpunkt mit Veranstaltungs- und Lernraum sowie einer Teeküche. Die sinkenden Coronazahlen machen es nun möglich, dass der Begegnungsraum wieder zur Teestunde lädt. Jeder, der Interesse hat, ist dabei eingeladen, sich einen Tee, oder wie es im asiatischen Sprachraum heißt, einen Chai, zu nehmen und mit anderen bei Spiel und Gesprächen Zeit zu verbringen.

Begegnungsraum stellt sich neu auf

Die ehrenamtlichen Helfer und die Koordinatorin Adelheid Schulz haben die von der Pandemie erzwungene Pause genutzt, sich Gedanken über die Zukunft des Begegnungsraums zu machen.

Ein Verein soll künftig die Unterstützer zu Mitgliedern machen und dem von der Universität, der Stadt und der Evangelischen Gesellschaft (eva) getragenen Treffpunkt mehr Handlungsspielraum ermöglichen. Der neue Verein wird von fünf gleichberechtigten Vorständen geleitet, von denen zwei Geflüchtete sind.

Es gibt fünf Vorstände

Tina Pal gehört zum kollektiven Vorstand des Vereins. Sie gesellt sich etwas später zur Chai-Zeit dazu. Es sei selbstverständlich, dass Geflüchtete Teil des neuen Vorstands sind, sagt Tina Pal. „Der Begegnungsraum wurde von Anfang an partizipativ geplant“ meint sie. Es sei noch zu früh, sich Gedanken über die inhaltliche Weiterentwicklung des Begegnungsraums zu machen, meint Pal. „Wir sind momentan noch mit den neuen Strukturen beschäftigt“, sagt sie.

Der Begegnungsraum beschränkt Veranstaltungen laut Koordinatorin Schulz derzeit vor allem auf die Lern-Unterstützung von Kindern in Mini-Gruppen. Der Treffpunkt scheint sich auf die Lockerungen der Coronaregeln erst einstellen zu müssen genau wie die Geflüchteten. Viele hätten die Besuchsverbote in den Unterkünften als Belastung erlebt, meint Schulz. Die Chai-Zeit sei dennoch noch nicht so gut besucht wie vor der Pandemie. „Ich glaube, dass viele noch vorsichtig sind“, meint Schulz.

Digitale Formate wurden versucht

In den vergangenen Monaten hat der Begegnungsraum wie viele Einrichtungen mit digitalen Veranstaltungen Alternativen angeboten. Zur Chai-Zeit wurde online geladen. Doch die persönliche Begegnung ließ sich durch das digitale Format nur begrenzt ersetzen, schildert die Wissenschaftliche Hilfskraft Manas Shariyari.

Am Anfang sei der Andrang groß gewesen, erzählt sie. „Nachdem das Wetter besser wurde, hat sich das erschöpft“, sagt Shariyari. Für ein Verständnis auch ohne Worte wie zwischen den in Bayern und Afghanistan geborenen Schachspielern scheinen zwar keine Worte nötig, aber wohl doch die persönliche Begegnung.




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