Trendsport Pole Dance Krafttraining in High Heels

Von Caroline Holowiecki 

Pole Dance galt lange als sexy Bestandteil des Rotlichtmilieus. Tatsächlich steckt dahinter ein echtes Krafttraining. In Stuttgart-Vaihingen kann man den Trendsport lernen – und erfährt, dass die Übung Froschi harmloser klingt, als sie tatsächlich ist.

Die nackte Haut ist nicht nur erotisch, sie verhindert vor allem das Abrutschen an der Stange. Foto: Caroline Holowiecki
Die nackte Haut ist nicht nur erotisch, sie verhindert vor allem das Abrutschen an der Stange. Foto: Caroline Holowiecki

Vaihingen - Froschi klingt machbar. Wie schwierig kann eine Übung schon sein, die Froschi heißt? Sehr, tatsächlich. Tina Müller macht es vor. Sie greift die vertikale Stange vor sich mit beiden Händen, zieht sie heran, wirft die Beine in die Höhe, spreizt sie kurz über dem Kopf – das ist der Froschi – und legt dann die Schenkel so geschickt an die Stange, dass sie kopfüber hängt. Und dabei formt die 29-Jährige aus Plieningen ihre rosé geschminkten Lippen zu einem charmanten Lächeln. Pole Dance ist eben die Kunst, sportliche Höchstleistungen wie einen Flirt ausschauen zu lassen.

Angeboten wird die Trendsportart bei Pole Dance Stuttgart in Vaihingen. Was ehemals mit Rotlichtmilieu und Striptease assoziiert wurde, wird heute zunehmend als veritables Training anerkannt. „In meiner Wahrnehmung hat sich da ganz viel verändert“, sagt Tina Müller. Und Pole Dance ist in. Etliche Hollywood-Promidamen halten sich damit fit. Zuletzt hat Superstar Jennifer Lopez zig Millionen Menschen weltweit mit ihrem Stangentanz beim Super Bowl begeistert.

Elemente aus Turnen, Ballett und Yoga

Was im Ergebnis so locker flockig daherkommt, erinnert oftmals ans Turnen, dann wieder zeitweise an Ballett oder Yoga. „Das ist nicht nur ein bisschen Hüftkreisen“, betont Tina Müller. Sie unterrichtet am Montagabend die Fortgeschrittenen auf Level vier. Die fünf Teilnehmerinnen sind bereits jahrelang dabei. Schon das Aufwärmtraining wirkt knochenhart. Spagat, Beine in die Höhe, halten, halten, und das Lächeln nicht vergessen. „Es ist Kraftsport, und je eleganter es aussehen soll, desto anstrengender ist es“, sagt die Kursleiterin. Arme, Beine, Hintern, Bauch und Rumpf werden gefordert, das Gedächtnis ebenso. Im Fortgeschrittenenkurs sind die Choreografien anspruchsvoll. „Weh tut mir danach alles“, sagt Daniela Holzer (33) aus Filderstadt, „aber der Kopf ist frei.“

Der sportliche Aspekt ist das eine, die Erotik das andere. Pole Dance ist sexy. Popos wackeln, Köpfe werden in den Nacken geworfen, Arme und Beine verschlingen sich lasziv, und das in knapper Kleidung. Die erfüllt aber einen Zweck. „Zum Festhalten nutze ich alles, was ich habe“, sagt Tina Müller. Nur da, wo die Haut nicht bedeckt ist, rutscht man eben nicht – und wenn doch, wird die Stange mit Glasreiniger abgerieben. Zur Sportbekleidung gehören High Heels. Evi (31), die neben Pole Dance auch Bachata tanzt, hat die höchsten. 18 Zentimeter messen die Hacken. Sie winkt ab. Die seien gut gepolstert, sagt die Frau aus Stuttgart-Ost. Die Trainerin erklärt: Zum einen stehe eine Frau in Stöckeln aufrechter, zum anderen wirke der Stangentanz so ästhetischer.

Beliebt bei Junggesellinnenabschieden

Das Studio Pole Dance Stuttgart feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Anfängerkurse werden gern für Junggesellinnenabschiede oder Geburtstagspartys gebucht. Tina Müller hatte ihre erste Schnupperstunde 2011. Seit 2014 ist sie Trainerin und spricht von einem sportlichen Ausgleich neben dem Bürojob.

Carolina Behring bestätigt Tina Müllers Aussage über den Ausgleich zum Beruf. Sie ist so begeistert, dass sie die Anfahrt aus Neckarsulm in Kauf nimmt, um im Vaihinger Gewerbegebiet zu sporteln. Die 36-Jährige hat sich sogar daheim eine eigene Pole-Stange einbauen lassen. „Wenn ich es hinkriege, trainiere ich jeden Tag“, sagt sie. Übung macht eben die Meisterin, und Kerstin (39) aus Bad Cannstatt, die liebevoll von ihrem Koala-Training spricht, versichert, dass die blauen Flecken irgendwann weniger werden. „Es sieht schon manchmal fies aus“, sagt sie augenzwinkernd.

Trotz der Anstrengung: Die Stimmung ist ausgelassen, die Musik ist laut. Zickenkrieg? Fehlanzeige. Die Frauen unterstützen sich gegenseitig, geben sich Tipps. Tina Müller erklärt geduldig und lobt überschwänglich, wenn die Figuren klappen. Sie strahlt. „Mir macht es total viel Spaß, den anderen Mädels zu zeigen, was alles möglich ist.“ Der Froschi etwa. Selbst der ist machbar. Ganz bestimmt.

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